Diagnose Multiple Sklerose: "Musik ist meine Rettung!"

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Taubheitsgefühl, Koordinationsprobleme, Schmerzen: Sandy Benz aus Wolfurt leidet an Multipler Sklerose. Doch die 30-Jährige fasste neuen Mut – und ergriff ihre große Chance.

Sandy greift sich ins Gesicht und spürt: nichts. Die gesamte rechte Gesichtshälfte der 23-Jährigen ist taub. „Ich wusste überhaupt nicht, was los ist“, erinnert sich die heute 30-Jährige an diese Zeit. „Außerdem sah ich wie durch eine Art Schleier, als hätte ich etwas im Auge. Und ich war ständig schwach und müde, wie ich es gar nicht von mir kannte.“ Der jungen Frau ist klar, dass etwas nicht stimmt. Doch ihr Arzt nimmt sie nicht ernst.

Endlich eine Erklärung

„Er meinte, das sei etwas Psychisches. Selbst als ich noch ein zweites Mal zu ihm in die Ordination kam, tat er meine Beschwerden so ab.“ Sie wechselt den Arzt und der nimmt sie endlich ernst. „Er rief gleich in der Neurologie in Rankweil an“, erzählt Sandy gegenüber WANN & WO.

Im Spital wird Sandy ins MRT gesteckt, ihr wird Hirnwasser entnommen – und die Diagnose gestellt: Multiple Sklerose. „Tatsächlich war es weniger ein Schock, als eine Erleichterung. Endlich wusste ich, was mit mir los war“, sagt die Wolfurterin. Und schließlich bedeutet die Diagnose auch Therapie. Doch die ganzen Tabletten und Spritzen sind nicht alles.

Denn Sandys erfolgreichste Therapie heißt Musik: „Wenn ich singe, nehme ich meine Krankheit nicht mehr so wahr. Musik ist meine Rettung.“ Beim Autofahren, beim Putzen, beim Kochen – die Wolfurterin hat schon immer gern gesungen. „Durch einen Zufall habe ich es jetzt geschafft, professionell Musik zu machen“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.

Musik als Therapie

Bei Dreharbeiten zu einem Musikvideo knüpfte sie Kontakt zum Produzenten Robert Giggenbacher. „Als ich ein paar Sachen von ihr hörte, dachte ich mir gleich: Sandy hat das Zeug, eine große Nummer zu werden.“ Bei einem befreundeten Musikproduzenten in Köln nimmt sie ihre erste Single auf, Robert dreht das Video. Darin freundet sich die Wolfurterin mit „Ruby the Raptor“ an und nimmt den Dino kurzerhand mit zum Feiern. Und nicht nur das: In den nächsten Wochen steht die Produktion von vier weiteren Songs an, demnächst soll es mit denen dann auch auf die Bühne gehen.

Robert Giggenbacher
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Anderen Hoffnung geben

„Seitdem ich so richtig professionell Musik mache, geht es mir noch besser“, freut sich Sandy. Denn die 30-Jährige kennt durchaus auch die dunklen Seiten der Krankheit: „Bei meinem letzten Schub konnte ich nicht Autofahren, nicht laufen, nichts. Meine Hände waren so lange taub, dass ich sogar schon vergessen hatte, wie sich verschiedene Materialien wie Holz oder Stein anfühlen“, schildert sie. „Das ist furchtbar. Umso glücklicher bin ich, dass ich mit der Musik zusammen mit der Therapie, meinen Weg gefunden habe, gut mit MS zu leben.“

Diese Hoffnung will sie mit ihren Songs auch anderen Erkrankten geben: „Ich will zeigen, dass man mit der Krankheit leben kann, sogar gut leben kann, wenn man nur nicht aufgibt, sondern kämpft und seinen eigenen Weg findet.“

INFO: „Mein Herz schlägt Party“ von Sandy ist seit Freitag auf allen Streaming- und Downloadportalen zu finden.

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Multiple Sklerose: Ursachen, Symptome, Behandlung

Multiple Sklerose, oder kurz MS, ist eine chronische Nervenerkrankung. Dabei werden Nervenzellen oder -fasern angegriffen oder abgebaut. Dadurch kommt es unter anderem zu Missempfindungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln, schneller Erschöpfung, Gang- und Gleichgewichts-, sowie Sehstörungen. In schwereren Fällen kann es sogar zu Lähmungen kommen, sodass Patienten auf einen Rollstuhl angewiesen sein können. MS ist nicht heilbar, Medikamente können jedoch Schübe verzögern und Beschwerden lindern.

(WANN & WO)

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