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Der Traum vom Abschiedspiel in der Wälderhalle

Guntram Schedler und das Resultat einer verlorenen Wette: Mehr EHC Bregenzerwald geht nicht.
Guntram Schedler und das Resultat einer verlorenen Wette: Mehr EHC Bregenzerwald geht nicht. ©VOL.AT/Klaus Hartinger
Der EHC Bregenzerwald kämpft am Samstag und Sonntag gegen Laibach um einen historischen Erfolg.
Wer erkämpft sich ersten Vorteil?
Die Wälder wollen den Meistertitel

29. Jänner 2012: Der EHC Bregenzerwald hat soeben sein letztes Spiel in der Eisarena Alberschwende absolviert, die langjährige Heimstätte des Wälder Eishockeys wird schon in Bälde zur Müllsammelstelle umfunktioniert werden. Gunt­ram Schedler sitzt nach Spiel­ende nachdenklich auf der Trainerbank, in ihm bohrt die Frage: „Wo steht der Verein in einem Jahr?“

14 Monate später ist er von einer Depression ähnlich weit entfernt, wie von einer stilsicheren Optik. Sein durchaus exzentrisches Erscheinungsbild verdankt er einer Wette, die er wohl gern verloren hat: Der Spruch „Wenn wir das Finale erreichen, lasse ich mir den Play-off-Bart in den Klubfarben färben“ dürfte ihm im Sommer 2012 wohl relativ leicht über die Lippen gegangen sein, denn mit dem jüngsten sportlichen Triumphzug war nun wirklich nicht zu rechnen.

Fest der Emotionen

Zwei Siege in den beiden Heimspielen in der Feldkircher Vorarlberghalle vorausgesetzt und der EHC Bregenzerwald kürt sich ertmals in der zweithöchsten Eishockey-Liga zum Meister. Schedler wird der his­torischen Dimension mit gebührendem Pathos gerecht und ruft ein „Fest der Emotionen“ aus. Das Wintermärchen soll zu Ende geschrieben werden: „Für all jene, die dem Verein in all den Jahren die Treue gehalten haben, wäre der Meisterpokal die schönste Belohnung.“ Wie schon die gesamte Finalserie über steht der pekuniäre Aspekt im Hintergrund: Saisonkarten und VIP-Pässe behalten ihre Gültigkeit, die Eintrittspreise sind ausgesprochen moderat.

Die Spieler hat Schedler in ähnlicher Tonart eingeschworen: „Es geht nicht um Geld, sondern darum, Geschichte zu schreiben. An große Emotionen erinnert man sich ein Leben lang.“

Die Wälderhalle

Am nachhaltigsten wäre der Titel aber mit dem Bau der Wälderhalle verewigt. Die positiven Schlagzeilen der letzten Monate sind auch Marketing in eigener Sache. Eines ist ohnehin klar: Sportliche Erfolge hin, landesweite Sympathien her, ohne eigene Halle hat der Verein keine lange Halbwertszeit. Dabei hat der EHC Bregenzerwald längst seine eigene Tradition und sich von den Eishockeyhochburgen Feldkirch und Lustenau nicht nur sportlich emanzipiert.

Schedler selbst liegt nichts ferner, als sich ein Denkmal zu setzen, wie er mit Nachdruck betont: “Steht die Halle erst einmal, könnte mich ein Bus überfahren und der Verein würde trotzdem problemlos weiterleben.”

Noch sieht die Realität freilich anders aus: Ohne die bedingungslose Opferbereitschaft des ECB-Zampanos wäre es um Gegenwart und Zukunft des Vereins schlecht bestellt. Viel Schlaf bekommt der Mann in letzter Zeit nicht, wie auch jeder Sportredakteur im Land bezeugen kann: Seitenlange Pressemitteilungen trudeln schon mal um 3.51 Uhr ein, vor Mitternacht ist in den seltesten Fällen mit Botschaften aus dem Bregenzerwald zu rechnen. Möglich ist der Aufwand nur, weil sich Schedler als Einzelunternehmer (eigenes Planungsbüro) seine Zeit flexibel einteilen kann und zudem gewillt ist, sieben Tage die Woche zu arbeiten.

Eishockey passt zum Wald

Eine Lebensleistung können er und seine Mitstreiter schon jetzt auf ihre Fahnen schreiben: Sie haben allen Widerständen zum Trotz zusammengeführt, was zusammengehört: Eishockey und Bregenzerwald. Die Sportart und Mentalität der Wälder lassen sich mit den gleichen Attributen umschreiben: direkt, hart, einsatzfreudig und ehrlich. Über 1000 Zuschauer im Schnitt sind klare Ansage, Begeisterung und Stimmung bei den Heimspielen das Ausrufezeichen dahinter.

Die Gründerjahre

Freilich, der Weg bis zur Anerkennung war ein beschwerlicher, nicht nur einmal dürften sich Schedler und Co. an Don Quichottes Kampf gegen Windmühlen erinnert haben.

Besonders der Idealismus der Anfangsjahre hat das Zeug zum Mythos: 1987 wollten ein paar Eishockeyverrückte (Schedler, Helbock, Fetz) um die Zwanzig die Auflösung des erst 1985 gegründeten Vereins nicht akzeptieren und nahmen das Zepter selbst in die Hand. Ob Sponsorensuche oder Trainingsgestaltung, fortan war alles Sache der jungen Autodidakten. Dabei wurde mitunter zu Methoden gegriffen, die heutzutage kein Leistungsdiagnostiker mehr absegnen würde: Eine Übungseinheit war erst dann gekrönt, wenn gekotzt wurde. Alternativen Wegen (Mentaltraining nach der Lehre Baldur Preimls) war man ebensowenig verschlossen, wie unorthodoxen Übungstechniken (Goalietraining mit Tenniswurfmaschine).

Dass sich die Erfolge doch nicht gleich einstellten, mag auch daran gelegen haben, dass die Wälder in der Anfangszeit die Partien schon in Unterzahl starteten (Der Kader bestand aus vier Feldspielern und einem Tormann).

Show für den ersten Coach

Nach Jahren des Experimentierens kam man nicht umhin, sich um einen Trainer zu bemühen. Mit Jörg Golz war der Wunschkandidat zwar schnell ausgeguckt, einfach ködern ließ sich dieser aber nicht. Zuerst galt es, sich ein Bild von der Truppe zu machen. Fürs Showtraining verbogen sich Schedler und Konsorten bis zur Selbstverleumdung, soll heißen: Schlägereien wurden vermieden, militärische Disziplin hochgeschrieben.

Fortan ging es stetig bergauf, sportliche Erfolge stellten sich ein, professionelle Strukturen wurden geschaffen. Seiner Identidät ist der Klub aber immer treu geblieben, Idealismus und familiäre Athmosphäre prägen bis heute das Bild.

Und immer mittendrin: Guntram Schedler, der Tausendsassa. Obmann ist er, Assistenztrainer sowieso, dazu noch Sportdirektor und nicht zuletzt: rekonvaleszenter Spieler! Offizielles Abschiedsspiel war ihm nie vergönnt, dieses soll aber unbedingt noch folgen. Den Ort dafür hat er schon auserkoren: die Wälderhalle.

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