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Der Sündenfall des Herrn Professor

Ein ungleiches Paar – Prof. Rath heiratet das leichte Mädchen Lola.
Ein ungleiches Paar – Prof. Rath heiratet das leichte Mädchen Lola. ©Veranstalter/Applaus
Im „Applaus“-Abo gab es auf der Kulturbühne eine packende Bühnenversion des Film-Klassikers „Der blaue Engel“.

Götzis. (sch) Der Song „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ ist auch nach Jahrzehnten noch ein Evergreen, zu diesem hat ihn die legendäre deutsche Schauspielerin Marlene Dietrich (1901-1992) als „fesche Lola“ in dem Kino-Klassiker „Der blaue Engel“ gemacht (1930, nach dem Roman „Professor Unrat“ von Heinrich Mann und dem Drehbuch von Carl Zuckmayer, Liebmann und Vollmoeller). Josef von Sternberg (1894-1969), der geniale österreichische Regisseur, schuf den Film, entdeckte dabei den zukünftigen Weltstar Marlene Dietrich und begründete damit auch den Ruhm des deutschen Charakterdarstellers Emil Jannings (1884-1950) als Professor Rath/Unrat. Friedrich Hollaender (1896-1976), der berühmte Komponist der leichten Muse, schrieb Marlene, der „feschen Lola“ im Film, jene Songs „auf den Leib“, die auch heute noch auf Kabarettbühnen für Stimmung sorgen. Nun, Peter Turrini (geb. 1944) machte aus dem Sternberg-Film eine Bühnenversion, welche kürzlich in einer Produktion des Euro-Studio Landgraf in Götzis zu sehen war. Trotz mancher Erinnerung an das expressionistisch-cineastische Meisterwerk Sternbergs folgte man gespannt der Turrini-Version vom Sündenfall des fanatischen Moralisten Prof. Rath.

Zeitlos aktuell

Der Film „Der blaue Engel“ entstand vor nunmehr 82 Jahren, der Roman von Heinrich Mann, „Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen“, begründete schon 1905 den Weltruhm des Bruders von Thomas Mann. Die Bühnenversion hatte 2009 bei den Bregenzer Festspielen und etwas später im Theater in der Josefstadt Premiere. Der Regisseur der Tournee-Produktion, Frank Matthus, hält sich im Handlungsablauf ziemlich genau an den Filmklassiker, allerdings vermeidet er natürlich die expressionistische Symbolträchtigkeit von einst. Dieser „Blaue Engel“ von jetzt könnte prinzipiell überall dort passieren, wo ein weltfremder Moralist und Selbstgerechtigkeitsfanatiker an der Realität, sprich etwa Sex, Liebe, Nächstenliebe, scheitert. Rath, der unerbittliche „Sheriff“ in Sachen Moral bei seinen Schülern, verfällt dem leichten Mädchen Lola, heiratet sie sogar (wie es sich gehört!) und endet als verhöhnter Varieté-Clown. Gerd Silberbauer, einer der bedeutendsten deutschen Charakterdarsteller (schon mit Stefan Zweigs „Schachnovelle“ AmBach), spielte den Professor anfangs etwas zu schrill seinen Schülern gegenüber, wandelte sich dann aber als unglücklich Liebender und schließlich im „Unrat“ Versinkender mit grandioser Intensität. Stefanie Mendoni war als Lola zwar kein langbeiniger Vamp wie Marlene; doch sie spielte einfach unbekümmert-vulgär mit einem ihr fremden Menschentyp und riss ihn ins Verderben. Ein herrliches Ensemble von treffsicheren Nebenfiguren assistierte dem Duo Silberbauer/Mendoni. Gute Regieeinfälle (Bühne auf der Bühne, variable Drehbühne) und die musikalische Akkordeonbegleitung (Jolanta) für die Hollaender-Songs, welche Lola trällert, boten das stimmige Ambiente dieses heutigen „Blauen Engel“.

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