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Der Pinsel-Boss vom "Schiff"

Was im legendären Bregenzer Gastlokal los war, entdeckt man nun im Rohnerhaus.

Splitternackte Grazien hat Josef Boss auch gemalt. Sie befinden sich im Vorarlberger Landesmuseum, das nur wenige Arbeiten des Bregenzer Künstlers im Depot hat. Wie viele aus seiner Zunft, hat er – meist zu Studienzwecken oder für spezielle Sammler – Arbeiten großer Meister kopiert. Ein Rubens war es beispielsweise. Auf die Suche nach Boss pur begab sich die deutsche Kunsthistorikerin Ruth Lobenhofer schon vor einigen Jahren. Etwa 250 Werke sind inzwischen gesichert. Rund 70 präsentiert das private Kunsthaus Rohner nun in Lauterach. Nicht nur nebenbei sei erwähnt, dass man Angaben zu weiteren in Privatbesitz befindlichen Werken zur Vervollständigung einer Boss-Dokumentation dort gerne entgegennimmt.

Stadtgeschichte

Im Grunde genommen markiert der 1868 geborene Josef Boss auch einen Aspekt der Bregenzer Stadtgeschichte. Geburts- und späterer Wirkungsort ist nämlich jenes Gasthaus „Schiff“, das als legendäre Stätte von wein- und bierseligen Gelagen nun zwischen Bahngleisen und Seeanlagen vor sich hin zerfällt. Der Ateliertrakt, in dem er auch Auftragswerke fertigte, ist bereits aus der Landschaft verschwunden.

Lust und Last

Dort wurden zum Beispiel stolze Bregenzerinnen mit lustvoll geröteten Wangen in der Bürgertracht gemalt. Zwischendurch kam der um Wahrheit bemühte Künstler aber auch nicht umhin, die Last des Lebens im Antlitz einer älteren Dame deutlich sichtbar zu machen. Auch der einstige Landeshauptmann Karl Graf von Belrupt und Abt Eugen Notz von der Zisterzienserabtei Mehrerau ließen sich von Boss porträtieren. Dem Politiker bekam das gut, beim Geistlichen blieb die Krankheit, die ihn plagte, nicht verborgen. Das Œuvre von Josef Boss ist heterogen. Was flüchtig, gelegentlich expressiv hingemalt scheint, zeugt von Qualität, die glatte Oberfläche belegt, dass Boss mit seiner Kunst eben auch Geld machen musste. So besticht so manches Kinder-, Frauen- und auch Greisenporträt, während die Genre-Szenen eben der Allerwelts-Gebrauchskunst zuzuordnen sind. Interessant, dass sich Boss mit dem Nordpol-Expeditionsschiff „Admiral Tegetthoff“ und seiner vom Schicksal gezeichneten Besatzung beschäftigte, aufschlussreich, dass ihn spätere Aufträge aus klerikalen Kreisen nicht weiterbrachten. Man verlangte den Nazarener-Stil. Nur vierzig Jahre hatte Josef Boss zu leben. Er hinterließ viele Arbeiten, die einer näheren Betrachtung wert sind.

ZUR PERSON

Josef Boss Geboren: 1868 in Bregenz Ausbildung: Kunstgewerbeschule und Kunstmaler-Schule in München Laufbahn: Aufenthalt und Arbeiten in München, 1894 Rückkehr nach Vorarlberg. Atelier im Elternhaus, dem Gasthaus „Schiff“ in Bregenz-Vorkloster. Zahlreiche Auftragsarbeiten und Ausstellungen Gestorben: 1908 in Bregenz

Die Ausstellung ist im Rohnerhaus in Lauterach (Kirchstraße) bis 3. April, Mi bis Sa, 11 bis 17 Uhr, Fr, 11 bis 20 Uhr geöffnet: www.rohnerhaus.at

ZUR PERSON

Josef Boss Geboren: 1868 in Bregenz Ausbildung: Kunstgewerbeschule und Kunstmaler-Schule in München Laufbahn: Aufenthalt und Arbeiten in München, 1894 Rückkehr nach Vorarlberg. Atelier im Elternhaus, dem Gasthaus „Schiff“ in Bregenz-Vorkloster. Zahlreiche Auftragsarbeiten und Ausstellungen Gestorben: 1908 in Bregenz

Die Ausstellung ist im Rohnerhaus in Lauterach (Kirchstraße) bis 3. April, Mi bis Sa, 11 bis 17 Uhr, Fr, 11 bis 20 Uhr geöffnet: www.rohnerhaus.at

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