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Der Motorenpoker beginnt

BMW-Sauber-Formel1-Testfahrer Christian Klien blickt auf das bevorstehende Grand Prix Wochenende in Bahrain.

Spannend wird die Frage, wie die Teams heuer mit dem vorgeschriebenen Maximum von acht Motoren durchkommen. Bereits in den ersten drei Rennen gab es sehr unterschiedliche Ansätze. Ein Team hat durchgehend den selben Motor verwendet. Die meisten haben vor dem Malaysia-Qualifying gewechselt und das selbe Aggregat in China nochmals benutzt. Diese Entscheidung ist ein richtiger Poker mit vielen Varianten. Zum einen zählt die bisherige Laufleistung. Ein Fahrer, der ein Rennen früh z.B. durch eine Kollision beendet kann den selben Motor ohne Probleme weiterverwenden. Er spart ja gleich mal 300 Kilometer. Die sichere Nutzung eines F1-Motors im Training und Rennen ist derzeit mit etwa 2,000 Kilometer kalkuliert. Wann wird also gewechselt?

Die entscheidenden Faktoren sind neben der Laufleistung des Motors: die Hitze und die Belastung, die im nächsten Rennen erwartet wird. In China lag der Volllastanteil einer Runde bei 55%, also relativ niedrig. Daher hat der Großteil des Feldes ohne Bedenken gebrauchte Motoren eingesetzt. Zum Vergleich: Auf Vollgasstrecken wie Monza liegt dieser Anteil bei 70%. Dort werden wir sicher viele neue Motoren im Einsatz sehen.

Beim kommenden Rennen in Bahrain liegen wir bei 63% und die längste Passage geht 14 Sekunden lang Vollgas. Das spricht eher für neue Motoren vor dem Qualifying. Gut möglich, dass die Rennmotoren von China und Malaysia aber nochmals auftauchen. Denn ein Regenrennen belastet den Motor viel weniger. Anders als früher hat der Fahrer heute kaum noch Anteil an der Lebensdauer eines Motors. Die 18.000 U/Min kann man weder absichtlich noch unabsichtlich knacken. Bei einem Dreher verhindert die Elektronik ein Abwürgen. Motormordendes Fahren ist also unmöglich.

Bemerkenswertes zum Rennen in Bahrain:

 Wir fahren schon zum 6.Mal auf der Arabischen Halbinsel. Mittlerweile gibt es dort vier Top-Rennstrecken: neben Bahrain noch Abu Dhabi, wo heuer das Saisonfinale stattfindet, Katar (MotoGP) und das Dubai Motodrome. Das Premierenrennen in Bahrain 2004 wurde schon lange vorher mit dem einprägsamen Renndatum beworben: 040404.

 Fast ist in Vergessenheit geraten, dass der Bahrain-Grand Prix auch eine österreichische Note hat. Ein paar Österreicher haben das Projekt für Bernie Ecclestone hier aus dem Boden gestampft, allen voran Hans Geist, der frühere A1-Ring-Manager.

 Ich selbst habe gemischte Erinnerungen. 2005 habe ich meinen kürzesten Grand Prix erlebt, weil ich wegen Elektronikproblemen nicht einmal in die Formationsrunde starten konnte. Schade, denn ich wäre als 7. gestartet. Immerhin habe ich im Jahr drauf dann einen WM-Punkt holen können.

 “Rennwochenende” ist in Bahrain streng genommen falsch. Als Wochenende gilt hier seit 2006 nämlich der Freitag und Samstag. Genau genommen findet der Grand Prix also am “arabischen Montag” statt.

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