Der Knoten

Skulptur von Herbert Meusburger
Skulptur von Herbert Meusburger ©Land Vorarlberg
Auch wenn die gestalterische Abstraktion stets die Grundkonstanten im Schaffen Künstlers Herbert Meusburgers darstellten, überraschte er in jüngster Zeit wieder mit Plastiken, in denen er gegenständlich wird.

Unter anderem überrascht der 1953 geborene Bizauer Künstler mit der Form eines Knotens, den er sowohl in Stein und Bronze sowie auch als Auflagenobjekt als 3D-Druck figurativ umgesetzt hat.

Zwar stehen diese Objekte formal in krassem Gegensatz zu den gewohnten architektonisch geprägten Anordnungen, korrespondieren jedoch inhaltlich sehr wohl zu dem bislang symbolisch zum Ausdruck gebrachten „Trennen & Verbinden“. Denn der Knoten steht als Symbol mit dem Komplex des „Lösens und Bindens“ (Trennen & Verbinden) in direktem Zusammenhang.

Die wesentliche Grundqualität eines Knotens besteht ja darin, etwas zu vereinigen, festzuhalten und damit auch zu bannen, während seine Auflösung eine Freisetzung von Kräften oder eines Wesens bewirkt. Das berühmteste Symbol dieser Art ist der „Gordische Knoten“, der sich einerseits auf der Burg der phrygischen Hauptstadt Gordion befand und andererseits am Streitwagen des legendären namengebenden Königs „Gordion“ die Deichsel mit Joch für die Zugtiere durch einen vielfach verschlungenen Riemen verband.

Dabei hat es sich wohl um eine symbolische Verbindung der Weltachse mit der Erde oder dem Firmament des Himmels gehandelt, die durch einen Kultgegenstand symbolisiert wurde. Der Sage nach zerschlug Alexander der Große den Knoten im Winter 334 bis 333 vor Christus mit seinem Schwert. Die Knoten aus dem Atelier von Herbert Meusburger, die mit hoher Präzision und grossem handwerklichen Geschickt realisiert wurden, referenzieren zwar diese historische Sinnbildlichkeit, spielen aber in erster Linie direkt auf die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Prozesse und Umwälzungen an.

Schaut man sich heute in der Welt um, so scheint sich der Schicksalsknoten der Menschheit immer enger zusammenzuziehen. So wie es immer schwieriger wird, einen Knoten zu lösen, je fester man ihn zugezogen hat, so scheint auch die heutige Welt immer mehr im eigenen Morast zu versinken.

Den sprichwörtlichen Knoten der sukzessiven Selbstzerstörung zu lösen, zählt nach Ansicht des Künstlers wohl zu den grössten Herausforderungen der Gegenwart. Den „Bregenzer Knoten“ realisierte der Bildhauer produktionstechnisch in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen 3D Wood (3DW) in Lajen/St. Ulrich im Grödnertal, das die Gussform entwickelt hat, sowie der Bronzegiesserei Krismer Guss in Telfs.

Die ganz neu entstandene Bronzeskulptur ist 3,5 Meter hoch und fast 900 Kilogramm schwer. Ihr Durchmesser beträgt 80 Zentimeter. Der Rückgriff Meusburgers auf den Knoten als künstlerische Ausdrucksform ist eigentlich dem Schweizer Verein "Kolumination" geschuldet, der 2019 damit begonnen hat, alljährlich auf dem Säntis ein Kolumnen- und Slammer-Treffen durchzuführen. Denn der Koluminationsvorstand hat den Künstler damit beauftragt, einen Award in Form einer Skulptur zu entwickeln, die nun jeweils immer an die beste:n Kolumnist:in aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) vergeben werden soll.

Da Kolumnenschreiber:innen in der Regel Probleme der Zeit überspitzt auf den Punkt bringen, erschien Meusburger die Form des Knoten – in Referenz auf den "Gordischen Knoten" - als ideales Symbol dafür.

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