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Der Kamp zieht Spur der Verwüstung

Seit den Unwettern der vergangenen Tage hat sich die Situation entlang des Waldviertler Flusses und einiger seiner Zubringer schlagartig verschärft.

Erst heute, Freitag, sanken die Pegelstände auf ein erträgliches Maß und gaben so die vom Hochwasser verursachten Schäden teilweise bereits frei.

Während sich in Weitra die Lainsitz in einen reißenden Sturzbach verwandelte und – unmittelbar neben einem Wohnaus – ein neues Flussbett grub, verwüsteten Kamp und Sierning in Zwettl große Teile der gleichnamigen Brauerei. Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen mehrere Millionen Euro, an Bier-Produktion ist längere Zeit nicht zu denken.

Der Ottensteiner Stausee gleicht nach wie vor einer vollen Badewanne. Vom Nordwesten fließen nach wie vor enorme Wassermassen zu – jedoch längst nicht mehr so viel wie etwa von Mittwoch auf Donnerstag. Da schossen noch rund 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Staumauer in die Tiefe. Am Freitag waren es „nur“ mehr 100 Kubikmeter. Die Bootsvermietung in Ottenstein hat ihren Betrieb vorläufig eingestellt, da ein Befahren des Stausees nach Angaben der Betreiber auf Grund starker Strömungen ein zu hohes Sicherheitsrisiko für die Kundschaft darstellen würde.

Den Bewohnern der Kurstadt Gars am Kamp bot sich weiterhin ein Bild der Verwüstung: Straßen waren verschlammt und Gärten standen unter Wasser. Das Überqueren des Kamp auf den Brücken innerhalb der Ortschaft war nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Die zahlreichen Touristen nützten die Gelegenheit für „einmalige“ Schnappschüsse. Stark betroffen von den Wassermassen war auch das China-Zentrum des kürzlich verstorbenen Wellness-Experten Willi Dungl.

Besonders dramatisch war die Lage der Ortschaften im Kamptal-Abschnitt zwischen Gars und Langenlois auch noch nach dem Abfließen des Hochwassers. In den Dörfern Schönberg, Plank, Stiefern und Zöbing gab es bis Freitagnachmittag keine Telefonverbindungen. In Zöbing bestand bei mehreren Gebäuden Einsturzgefahr, der Bahnsteig wurde weggerissen, die Wasser- und Stromversorgung war unterbrochen.

Am Talschluss – in Langenlois – hatte sich die Situation schon in den Vormittagsstunden einigermaßen beruhigt. Aufräumtrupps waren mit Reinigungs- und Sicherungsarbeiten beschäftigt. Wie hoch der Gesamtschaden ist, konnte jedoch selbst von den Gemeindevertretern nicht einmal ungefähr abgeschätzt werden.

Das Hochwasser hat auch mehrere regionale Bahnlinien lahm gelegt. Außer Betrieb waren am Freitagnachmittag die Verbindungen entlang des Kamp von Rosenburg nach Hadersdorf. Auf Grund der Sperre der parallel verlaufenden Bundesstraße B 34 war auch die Einrichtung eines Schienenersatzverkehrs durch Autobusse unmöglich. Shuttle-Busse verkehrten lediglich auf den Abschnitten Krems – Langenlois und Krems – Traismauer.

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