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Der Industriegeschichte auf der Spur

Die beiden „Väter“ der Stadtspuren Klaus Fessler und Werner Matt.
Die beiden „Väter“ der Stadtspuren Klaus Fessler und Werner Matt. ©Laurence Feider
Am Sonntag, 7. Mai werden die Dornbirner „Stadtspuren“ offiziell eröffnet.
Stadtspuren

Dornbirn. Vor fast 40 Jahren haben Klaus Fessler und Werner Bundschuh erstmals über die Nachnutzung der aufgelassenen Industriegebäude in Dornbirn diskutiert und die Idee eines Industriemuseums ins Spiel gebracht. Jetzt ist es soweit: Am kommenden Sonntag werden die „Stadtspuren“, eine Art begehbares Freilichtmuseum zur Dornbirner Industriegeschichte eröffnet.

Industrie denkmalschutzwürdig

Bis dahin war es ein weiter Weg. „Mitte der 1980er Jahre habe ich ein erstes Konzept erstellt – doch zu dieser Zeit hatte man in Dornbirn aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit durch den Niedergang der Textilindustrie andere Sorgen, als Industriegeschichte zu pflegen“, erzählt Klaus Fessler. Dass die der Reihe nach aufgelassenen Textilunternehmen zumindest teilweise der Nachwelt erhalten blieben, haben sie auch dem Kunsthistoriker Christoph Bertsch und seiner Veröffentlichung „Fabrikarchitektur in Vorarlberg“ zu verdanken. „Erst da entstand das Bewusstsein, dass auch Industrie denkmalschutzwürdig ist. Als erstes wurde der Standort Juchen, der früher die älteste Spinnerei der Region beherbergte, unter Denkmalschutz gestellt – mittlerweile stehen sieben Objekte entlang unseres Wegs unter Bundesdenkmalschutz“, so Fessler, der weiterhin am Konzept eines Industriepfads feilte.

Sichtbare Spuren

Neuen Aufwind bekam das Unterfangen mit der Eröffnung der inatura in den ehemaligen Rüschwerken im Jahr 2003. „Es wurde deutlich, welches Potential Industriegeschichte hat. Mit der Aufnahme der Industriekultur inklusive Industriepfad ins Dornbirner Kulturleitbild wurden die Weichen für die Zukunft unserer Projektes gestellt“, erzählt Stadtarchivar Werner Matt. Das mehrfach überarbeitete Konzept basiert auf der Idee, die noch sichtbaren Spuren der Industriegeschichte Dornbirns in den Fokus zu setzen. „Daher kommt auch der Name Stadtspuren – die Stationen befinden sich dort, wo Gebäude, Maschinen, Turbinen, Wasserkraftwerke oder ähnliches die Geschichte sichtbar werden lassen“, erklärt Werner Matt.

Stationen zum Verweilen

Entstanden sind schließlich 15 Stationen entlang der Wasserwege, an deren Ufer sich früher die Fabrikschlote der bedeutendsten Vorarlberger Textilunternehmen in die Höhe reckten. Die Route folgt auf einer Strecke von 6,5 Kilometern den ältesten Weberei- und Spinnereibetrieben an der Dornbirner Ache und am Müllerbach, führt aber auch vorbei an noch produzierenden Betrieben der Metall-, Elektro- und Nahrungsmittelindustrie. Erkennbar sind die Stationen bereits von weitem an den gelben Infotafeln, auf denen die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen erzählt wird. „Mit Sitzbänken und Abfalleimern bekommen die Stationen Aufenthaltsqualität, gleichzeitig wollten wir der sogenannten Kultur der kleinen Leute museale Qualität geben“, erläutert Werner Matt.

App und Buch

Die Stationen sind nur ein Teil der „Stadtspuren“ – erlebbar wird die Industriegeschichte zusätzlich mittels App, die von Station zu Station führt und weitere Infos und Medien bereithält. Um die App zu aktivieren, muss lediglich ein QR-Code an den Infosäulen gescannt werden. Tiefergehende Infos rund um das „Manchester des Rheintals“ bietet ein Buch der beiden Co-Autoren Klaus Fessler und Werner Matt, das am Mittwoch erschienen ist. „Wir hoffen, mit den Stadtspuren etwas angestoßen zu haben und haben noch viele weitere Ideen, um Dornbirns Industriegeschichte am Leben zu erhalten“, verrät Klaus Fessler.

Das Konzept der Stadtspuren wurde gemeinsam mit Klaus Fessler, dem Stadtarchiv und der Stadtplanung erarbeitet. Für die Gestaltung zeichnet das Dornbirner Grafikbüro „Sägenvier“ von Sigi Ramoser verantwortlich.

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