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Der Glaube macht den Schlaf

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Für die meisten scheint klar: Wer Sport treibt, schläft besser. Neue Studien sehen die Verbindung mehr im Geist.

Die Regel scheint eigentlich logisch und klar: Wer Sport treibt, schläft besser. Laut einer Studie von Forschern der Universität Basel könnte diese Verbindung aber primär im Kopf entstehen. Einen guten Schlaf hat demnach nicht, wer sich tatsächlich viel bewegt, sondern wer glaubt, sich ausreichend zu bewegen.

Psyche gab den Aussschlag Für die Studie befragte ein Basler Team um den Sportwissenschaftler Markus Gerber und den Psychologen Serge Brand 862 Studentinnen und Studenten. Die Teilnehmer gaben an, wie gut sie schliefen, welche körperlichen Aktivitäten sie wie oft ausübten, wie fit sie sich fühlten und ob sie das Gefühl hätten, sich für ihre Gesundheit genügend zu bewegen. Es zeigte sich, dass nicht wie vermutet jene besser schliefen, die sich körperlich viel betätigten. Es gab eher die Psyche den Ausschlag: Wer sich fit fühlte und meinte, sich genügend zu bewegen, hatte weniger Schlafprobleme als jene, die sich nicht fit fühlten.

Fehleinschätzungen Dabei stimmten gefühlte und tatsächliche Fitness nur in beschränktem Maß überein: „Viele Teilnehmende waren nicht in der Lage, ihre Fitness richtig einzuschätzen“, so Gerber. So befand sich zum Beispiel ein Viertel jener Befragten, die sich nach eigener Einschätzung genug bewegten, in der Gruppe mit der tiefsten Aktivitätsrate. Andererseits bewegten sich über 16 Prozent jener, die mit ihrem Sportverhalten unzufrieden waren, in Wahrheit mehr als die meisten anderen Befragten. Ein möglicher Grund für diese Fehleinschätzungen ist laut der Experten das persönliche Umfeld: Wer von Bewegungsmuff eln umgeben ist, hat schnell das Gefühl, selber sportlich recht aktiv zu sein. Ganz überraschend kommt allerdings der fehlende Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Schlaf nicht. Zwar betonen selbst medizinische Lehrbücher den positiven Einfluss von Sport auf den Schlaf. Doch die wissenschaftliche Basis dafür ist schmal – auch viele frühere Studien fanden keinen Zusammenhang.

Kindern hilft Bewegung Manchmal kann Sport sogar einen negativen Einfluss auf den Schlaf haben. Wer kurz vor dem Ins-Bett-Gehen sportelt oder sich leistungsmäßig zu viel zumutet, schläft unter Umständen später ein, weil der Körper aufgeputscht ist – oder erwacht in der Nacht wegen der Überlastung. Eindeutig sind die Verhältnisse auf keinen Fall: Zwar wies Gerbers Team auch bei Basler Polizisten nach, dass die Psyche stärker mit der Schlafqualität zusammenhängt als das Verhalten selbst. In anderen Studien der Uni Basel bei Kindern und Jugendlichen sei Bewegung aber tatsächlich mit der Schlafqualität verknüpft gewesen.

Kein Sport um jeden Preis Eine mögliche Erklärung für die gegensätzlichen Resultate ist, dass sich Kinder noch keine Sorgen über ihr Bewegungsverhalten machen. Aus der Studie den Schluss zu ziehen, Sport treiben sei unnütz, wäre laut Gerber falsch. Denn Sport und Bewegung beeinflussen die körperliche und psychische Gesundheit nachweislich positiv. Wenn es aber spezifisch um die Behandlung von Schlafstörungen geht, sei eine rigorose Verstärkung der körperlichen Aktivität vielleicht nicht die beste Lösung. Viel wichtiger sei es, darauf zu achten, dass die betroffene Person das Gefühl habe, sich für ihre Verhältnisse ausreichend zu bewegen und sich fit fühle.

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