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Dementen Selbstachtung erhalten

Spannender Vortrag zum Umgang mit Demenz im Alltag in der Gisinger Bibliothek.
Spannender Vortrag zum Umgang mit Demenz im Alltag in der Gisinger Bibliothek. ©Henning Heilmann
Wenn sich der „Irrgarten häuft“: Demenzkranken im Alltag mit Würde begegnen
Spannender Vortrag zum Thema Demenz

FELDKIRCH Unter dem Stichwort „… es häuft sich in mir der Irrgarten an“ lud die Aktion Demenz zu einer Lesung mit Gespräch zum Thema „Demenz“ in die Bibliothek Gisingen ein. Mit Norbert Schnetzer und Armin Weber konnten zwei besondere Referenten gewonnen werden, die über ihre Erfahrungen im familiären Umfeld berichten konnten.

Weniger medizinische Ursachen, als konkrete Erfahrungen im alltäglichen Umgang mit Demenz standen bei der Lesung im Vordergrund. Im Mittelpunkt stand die überaus praktische Frage nach dem WIE im Zusammenleben. Wie können Angehörige entlastet und geschützt werden, und zugleich die Selbstbestimmung des Dementen erhalten?
Philosophische Betrachtungen über das Vergessen und ethische Fragestellungen wie zu notwendigen Schritten, welche zwar die Selbstbestimmung dementer Angehöriger einschränken, aber zu deren Sicherheit oftmals unerlässlich sind, wurden beleuchtet.

Praktische Kompetenz

Dipl. Psych. Norbert Schnetzer aus Sulz ist nicht nur Vorsitzender der Aktion Demenz, sondern auch Gesundheits- und Krankenpfleger und ebenso pflegender Angehöriger. Anfangs erklärte er, dass Demenz typischerweise am häufigsten ab 75 Jahren auftrete.
Armin Weber aus Sulz ist sowohl Busunternehmer, Schauspieler (u.a. „TheaterMobil“) als auch pflegender Angehöriger seiner demenzkranken Mutter. Weber sprach Klartext: „Demenz ist eine grausame Krankheit. Sie nimmt das Schönste: Die Erinnerung.“ Die Herausforderung, den Umgang mit Demenz im Alltag zu meistern, beschrieb er anhand von Beispielen und Anekdoten aus eigener Erfahrung und gab praktische Tipps.

Vielerlei Hilfestellung

Demente Menschen sollten immer von vorne mit Blickkontakt angesprochen werden, so Weber. Besonders wichtig im Umgang mit Demenz seien Rituale, die dem Erkrankten Halt und Sicherheit vermitteln. Als Erinnerungshilfe beispielsweise beim Einkauf könnten auch Bilder, eine Pinnwand mit Merkzetteln oder Kontrolllisten an der Haustür dienen. Wichtig für Angehörige sei, sich Hilfe zu holen, zum Beispiel mit Diensten der „Mohi“. Aus philosophischer Sicht hob Weber hervor: „Auch der Demenzkranke hat eine Würde, die sich nicht am Nutzen misst sowie ein Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe.“

Dennoch könnten Eingriffe erforderlich sein, um die Sicherheit zu gewährleisten, wenn der Betroffene zum Beispiel wiederholt die eingeschaltete Herdplatte vergisst. Diese sollten aber erst, wenn klar notwendig, getroffen werden. „Klein im Kopf, aber groß im Herzen“, rundeten Worte der Pfarrerin Birgit Enders Webers Ausführungen ab. Seitens der Bibliothek Gisingen freute sich Sonja Teufel-Müller über zahlreiche Gäste, welche sich anschließend noch Literatur zum Thema Demenz ausleihen konnten. HE

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