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David LaChapelle-Schau mit Life Ball-Sujet ab 2. Juni 2014 im OstLicht

Fotograf David Lachapelle besuchte Wien, wo sein umstrittenes Sujet plakatiert ist
Fotograf David Lachapelle besuchte Wien, wo sein umstrittenes Sujet plakatiert ist ©APA / VIENNA.AT
Die Sujets des US-Fotografen David LaChapelle für den Life Ball sorgten, in Wien plakatiert, bereits Wochen vor dem Event für Aufsehen und manch eine Anzeige. In der Galerie OstLicht ist ab Montag die Ausstellung zu sehen, die das Plakat eigentlich bewarb.
David LaChapelle in Wien
Anzeige wegen Pornographie
Wirbel, Kritik und Zensur
Life Ball-Plakat provoziert
Das umstrittene Sujet

Die Fotos vom Transgender-Model Carmen Carrera im Garten der Lüste sind erst im hintersten Raum der Galerie OstLicht zu entdecken. Sie geben der Schau “Once in the Garden”, die am Sonntag vom schillernden Fotografen persönlich eröffnet wurde, trotzdem ihren Titel.

Bekannt für grelle Star-Fotos: DavidLaChapelle

Mit grellen, glamourösen, zumeist provokanten Aufnahmen von Pop- und Filmstars wie Courtney Love, Michael Jackson, Lady Gaga oder Paris Hilton in surrealen, an die italienischen Renaissance- und Barockmaler angelehnten Settings wurde LaChapelle berühmt, mit Themen wie Religion, Star-Kult und dem Verschwimmen von Geschlechtergrenzen wusste der Schüler Andy Warhols stets zu faszinieren und gleichermaßen zu provozieren.

“Once in the Garden” in der Galerie OstLicht

Seine für renommierte Magazine abgelichteten Promis sucht man in “Once in the Garden” in der Galerie OstLicht aber vergeblich. “Es war eine gute Schule für das, was ich jetzt mache”, sagte der US-Amerikaner zuletzt – und fokussiert sich seitdem ganz auf seine Botschaft. Die Kritik an Kapitalismus und unserer Wegwerfgesellschaft stehen im Mittelpunkt seiner drei neuesten Werksgruppen, die neben einzelnen ikonischen Bildern der vergangenen 20 Jahre in der ab Montag öffentlich zugänglichen Ausstellung zu sehen sind.

Themen: Vergänglichkeit und Schönheit

Die beiden “Once in the Garden”-Motive sind hier umringt von auf den ersten Blick gewöhnlichen Blumen- und Obststillleben mit Barock-Touch. Erst bei näherem Hinsehen offenbart sich die “Earth Laughs in Flowers”-Reihe (2008-2011) als Metapher für Vergänglichkeit des Lebens und der Schönheit, werden Sinnbild-brechende Objekte unter den verwelkenden Blüten sichtbar. Da kommen alte Handys zum Vorschein, ragt ein Hintern aus dem Strauß, werden Erdbeeren im Totenkopf drapiert und steht eine Dose Wiener Würstchen umringt von Zeitungsausschnitten gefallener Teenie-Stars.

Aufwändige Serien des US-Fotografen

Noch aufwendiger inszeniert sind LaChapelles jüngste Serien “Gas” (2012) und “Land Scape” (2013), die mit 15 Bildern am prominentesten vertreten sind und die globale Ölproduktion zum Thema haben. Was aus der Weite wie Tankstellen und Raffinerien in glitzernden, leicht unheimlichen Kitsch-Settings anmutet, sind maßstabgetreue Modelle aus recycelten, auf Erdölbasis produzierten Materialien. Vom 51-Jährigen entworfen und von “Hollywood-Designern” professionell umgesetzt, wie bei der Vorab-Presseführung am Freitag verraten wurde, entstanden Atomreaktoren aus Alu und Areale aus Eierkartons, Metalldosen, Karton und Strohhalmen, fotografiert im Regenwald von Maui sowie in Wüstenlandschaften und an der kalifornischen Küste.

Wie katastrophal die Ausbeutung des Planeten enden könnte, zeigt das opulente Panorama-Bild “Deluge”: Hier retten sich Menschen jeden Alters oder Geschlechts, jeder Herkunft oder sexuellen Orientierung aus den Fluten, tragen einander und ihre Besitztümer. Nackt, versteht sich. Dazwischen rekelt sich die transsexuelle Modeikone, von LaChapelle gegenüberliegend auch im Warhol-Stil als Marilyn Monroe und Liz Taylor inszeniert – clownesk, und mit ihren prallen Silikonlippen, aufgemalten Augenbrauen und der verlaufenen Schminke als krasses Gegenteil zu den Schönheitsikonen von einst.

Selbstporträts: “Wohl persönlichstes Werk”

Erstmals in Europa zu sehen ist das 2013 entstandene “Self portrait as house”, in den Pressematerialien als LaChapelles “wohl persönlichstes Werk” beschrieben. Die großformatige Fotografie gibt Einblick in sieben Zimmer der Gegensätze: im Erdgeschoß die kämpfenden, mit Blut bespritzten Männer mit Astralkörpern, in der Küche die Magersüchtige und deren Mahlzeit gegenüber der Übergewichtigen mit Fast-Food-Menü, oben die unschuldige Schöne zu Jesus betend, daneben die der Alkohol- und Mediensucht Verfallende und der masturbierende Mann im Schrank.

Ob seine jüngsten surrealen Landschaften oder die kultigen Glamour-Shots wie “This is my house” (1997) und “Celebrity Gleam” (2002): Ein LaChapelle ist auf den ersten Blick zu erkennen – “das allein ist schon ein Kunststück. Ein Stück Kunst”, wie Life-Ball-Organisator Gery Keszler im Vorwort des Begleitkatalogs festhält.

Bilder-Verkauf für guten Zweck

Im Falle des “Once in the Garden”-Motivs muss man für ein Stück Kunst 44.500 Euro springen lassen. Fünf Prozent des Nettoverkaufserlöses der Bilder kommen im Rahmen der Ausstellung AIDS LIFE zugute – sind es doch Gery Keszler und sein Life Ball, für die LaChapelle getreu der Botschaft von Toleranz und Diversität Carrera im paradiesischen Garten mal mit weiblichem, dann mit männlichem Geschlechtsteil inszeniert hat. LaChapelles für Montag angesetzte Lecture ist übrigens bereits heillos überbucht.

“David LaChapelle. Once in the Garden”
2.6. bis 14.7. in der Galerie Ostlicht, Absberggasse 27, 1100 Wien.
Mi-So 12.00-18.00.
Vortrag von David LaChapelle: Montag, 2.6., 19 Uhr. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben von Peter Coeln und Reiner Opoku, im Brandstätter Verlag.

Mehr zur David LaChapelle-Ausstellung im OstLicht finden Sie hier.

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