Das neue Gesicht der Neuen Heilbronner Hütte

Erfolgs-Kooperation Handwerkskammer, DAV-Sektion, Berufsschulen und Montafon.
Erfolgs-Kooperation Handwerkskammer, DAV-Sektion, Berufsschulen und Montafon. ©DAV Sektion Heilbronn
Montafon/Gaschurn. Ein spektakuläres Gemeinschafts-Projekt von Handwerkskammer Heilbronn-Franken und Deutschem Alpenverein Sektion Heilbronn geht in seine Schlussphase.
Neue Heilbronner Hütte

Jetzt ist die Erneuerung der Außenfassader der Neuen Heilbronner Hütte im österreichischen Verwall-Gebiet (Vorarlberg, Montafon) abgeschlossen. Das Besondere an der Aktion auf 2320 Metern Höhe: Unter dem Motto „Wir sind Handwerker – wir können das“ haben Zimmerleute- und Schreiner-Auszubildende des 1. und 2. Lehrjahres aus Gewerblichen Schulen in Heilbronn (Johann-Jakob-Widmann-Schule), Schwäbisch Hall und Tauberbischofsheim im Rahmen des Lernfelds „Herstellen einer Holzkonstruktion“ zusammen mit Aktiven der Sektion das Projekt durchgeführt. Österreichische Lärche bestimmt künftig das Außenbild des Bergwanderer-Zieles im Montafon. Hüttenwirt Fredi Immler ist begeistert: „Das ist eine neue Hütte.“ Die auf einer Fläche von 475 Quadratmetern mit 70 Fenstern und 100 Fensterläden rundum erneuerte Hütte wird zum deutschen „Tag des Handwerks“ am 27. September 2014 feierlich eingeweiht.Die Partnerschaft zwischen Handwerkskammer, Sektion und Berufsschulen ist damit voraussichtlich nicht zu Ende. Neue Projekte werden diskutiert.

 

Eine besonders aktive Woche erlebte die Hütte im Juli 2014 mit der Fertigstellung der Außenfassade durch 25 Auszubildende, der Erneuerung der Stabilisierungsbalken auf der Terrasse durch das Bludenzer Zimmerer-Fachgeschäft Wolfgang Neyer und dem Bau einer kleinen Boulderwand an der Hüttenwand durch Hans Weilguni vom Arbeitsteam der DAV-Sektion Heilbronn. Besonders auffällig und erfreulich für Hüttenwart Volker Lang: Die einzelnen Arbeitsgruppen halfen sich auch untereinander und förderten so das Gefühl für das Gemeinschaftsprojekt. Jochen Haag, Obermeister der Zimmerer-Innung Main-Tauber   aus Weikersheim-Neubrunn, war beeindruckt. „Das ist Ausbildung auf einer ganz anderen Ebene, bei der auch der soziale Aspekt eine große Rolle spielt.“

 

Gaschurns Bürgermeister Martin Netzer reiste eigens mit dem Mountainbike an und machte sich ein eigenes Bild von den Arbeiten: „Es ist ja nicht selbstverständlich, dass die Handwerkskammer das Geld nicht in Aktionen daheim steckt, sondern in die Heilbronner Hütte.“ Er lobt die gute und kreative Zusammenarbeit zwischen „Berg und Tal“, bei der auch Handwerker aus dem Montafon zum Einsatz kommen. Die Urlaubsregion werde über das Projekt zusätzlich quer durch Deutschland bekannt. Netzer traf auch mit Journalisten aus der Region Heilbronn zusammen, die sich über die Maßnahmen auf der Hütte informierten.

Sanierung total Die Sektion hat in den letzten Jahren ihre Hütte in vielen Bereichen für die Anforderungen der Zukunft fit gemacht. 2008 war die Biokläranlage in Betrieb genommen worden.  Seit 2010 gibt es eine Kooperation mit Schülern der Tischler-Klasse der Heilbronner Johann-Jakob-Widmann-Berufsschule. Sie hatten während eines Aufenthaltes auf der Heilbronner Hütte das Projekt „Zimmer-Erneuerung“ entwickelt und damit seit 2011 Jahr für Jahr neue Standards gesetzt. Die neugestalteten Zimmer mit Stockbetten, Tischen, Regalen, Hockern und Leitern finden besonders bei Familien guten Anklang. Deren Belange wurden besonders berücksichtigt. So gibt es in verschiedenen Zimmern mehr Platz für die Ablage von Rucksäcken und deren Inhalt und Tische für Spiel- und Malpausen der Kleinen. 2011 war die Sanierung von Terrasse, Unterkünften und weiteren Räumen bis dahin eine der größten Maßnahmen der Vereinsgeschichte.

 

2013 und 2014 stand die Außenfassade im Mittelpunkt. In wöchentlichen Etappen brachten das 14-köpfige DAV-Arbeitsteam und Berufsschüler das Werk voran. Die Außenfassade wurde abgerissen, mit Dichtungsplanen versehen und mit der Latten-Unterkonstruktion für die Neugestaltung vorbereitet. Parallel dazu liefen Verkabelungs-, Maler- und weitere Arbeiten. Im Sommer 2013 wurden im ersten Bauabschnitt die Nord- und Ost-Seite der stark dem Wetter ausgesetzten Fassade erneuert. Im Sommer 2014 waren die Süd- und Westseite dran.

 

Schul-Sozialarbeiter Markus Lohse zum Wert der Aktion: „Wir machen etwas Sinnvolles und haben dazu ein außergewöhnliches Klassenfahrt-Erlebnis.“ Hüttenwart Volker Lang: „Wir haben etwas davon, die Schüler haben etwas davon und sind hoch motiviert. Sie haben unter Anleitung von Zimmer-Ehrenmeister Albert Baumann und Lehrer Thomas Sander Tolles geleistet.“ In diesem Jahr bekam die Arbeit der Schüler mit extra eingerichteten Live-Blogs besondere Aufmerksamkeit. Anerkennende Kommentare, neugierige Fragen und motivierende Worte wechselten sich ab.

 

Der jährliche begangene „Tag des Handwerks“ war Auslöser der deutschlandweit bis dato einmaligen Kooperation unter dem Motto „Aus Alt mach Neu – Wir können das“. Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken wollte einen besonderen Beitrag leisten. In der Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins traf sie auf den idealen Partner, der ein Projekt mit Langzeitwirkung anzubieten hatte. Schon die Ankündigung der Aktion „Außenfassade“ hatte 2012 bundesweit Aufsehen erregt.

 

Nachhaltig „Wir wollen eine herausragende Aktion zum Tag des Handwerks machen, die nachhaltig wirkt und den Nachwuchs in den Vordergrund rückt.” So skizziert der Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken Ulrich Bopp das bundesweit einmalige Konzept. Bernd Bührer, Vorstandssprecher der DAV-Sektion Heilbronn: „Diese Gemeinschaftsaktion sichert langfristig die Substanz unseres bei Wanderern und Bikern beliebten Hauses. Die Sanierung der in die Jahre gekommenen Fassade ist das Tüpfelchen auf das i.“

 

Die Folgen waren schon nach der ersten Bauphase spürbar: Im Sommer 2013 gab es mit 4955 Übernachtungen (2012 waren es 3946) einen unerwarteten Besucher-Rekord. Hüttenwart Volker Lang und Hüttenwirt Fredi Immler führen das zunehmende Interesse  auch auf die ständig verbesserte Qualität der Ausstattung, das daraus resultierende positive Hüttenimage und die Attraktivität für Familien und Tourenwanderern auf der Verwallrunde zurück. Überraschend für Volker Lang: Auch im Winter 2013/2014 gab es ein besonders starkes Interesse an der Hütte. Der Summit Club, die Veranstaltungsorganisation des DAV, hatte Transalp-Touren in sein Jahresprogramm aufgenommen. Die Sektion selbst hatte eine Skitourenausfahrt und eine Schneeschuhtour in der Peter-Käß-Selbstversorger-Hütte im Programm. Einschließlich einiger Silvester-Gäste waren im vergangenen Winter über 100 Personen rund 250 Nächte in den Bergen.

Ein Beitrag DAV Sektion Heilbronn Öffentlichkeitsarbeit /Text: Gerhard Schwinghammer.

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