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"Das ist doch kein Unvermögen, das ist gewerbsmäßiger Betrug"

Wolfurt – Im Fall des vermissten Seglers Christian H. melden sich jetzt die Wohnungseigentümer zu Wort. Der seit 2. Juni vermisste Hohenemser Segler und Immobilienunternehmer betreute bis zu seinem Verschwinden rund 80 Wohnanlagen mit 800 Wohnungen.
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Inwiefern er seinen Job zur mutmaßlichen persönlichen Bereicherung genutzt hat, bleibt zu klären.Es gilt die Unschuldsvermutung. Fakt ist allerdings, dass vielen Wohnungseigentümern Gelder auf ihren Betriebskonten fehlen.

30.000 Euro entwendet

„Insgesamt fehlen uns aus dem Reparaturfonds zwischen 25.000 und 30.000 Euro“, weiß Elfriede Huber, Wohnungseigentümerin aus Wolfurt, nach der Durchsicht der Kontoauszüge. Sie wohnt seit 25 Jahren in einer der betroffenen Wohnanlagen Peter Konzet bereits seit 40 Jahren. Doch so etwas ist beiden noch nie widerfahren. „Das Geld ist weg, und keiner weiß, wohin“, wundert sich der 79-Jährige. Und auch die Überweisungsträger geben nur wenig Aufschluss: „Da wurden Beträge zwischen 3000 und 8000 Euro an Firmen und Privatpersonen überwiesen, die es teilweise gar nicht gibt.“ Falls die Firmen doch existierten, hatten sie trotzdem keinen Auftrag darüber, etwas an der Wohnanlage zu reparieren und folglich auch keine fälligen Forderungen.

Viele Barabhebungen

Noch mehr Rätsel geben die Barabhebungen auf. Denn ein speziell eingerichtetes „Garagenkonto“, das die Sanierung der Pkw-Parkplätze sicherstellen sollte, wurde innerhalb kurzer Zeit komplett leergeräumt. „An einem Tag wurden 3000 Euro, am nächsten Tag 1000 Euro bar abgehoben. Das Fazit: 12.000 Euro waren plötzlich spurlos verschwunden“, summiert Elfriede Huber. Die Garagen konnten mittlerweile zwar saniert, die Rechnung gleichwohl noch nicht bezahlt werden. „Zum Glück hat die Firma Verständnis und wartet das Insolvenzverfahren ab“, zeigt sich Konzet erfreut. Dabei rechnen die beiden Eigentümer nicht mit großen Auszahlungen. „Wir machen uns darauf gefasst, dass wir nicht in Urlaub fahren können, sondern die Garagen abbezahlen“, meint Huber scherzend. Der Humor ist der 67-Jährigen also noch nicht vergangen. Sie hegt auch keinen Hass gegenüber dem Immobilienverwalter. Allein, dass ihm betriebswirtschaftliches Unvermögen attestiert wird, erregt sie zutiefst: „DasistkeinUnvermögen,dasist gewerbsmäßiger Betrug.“

Ungelöste Fragen

In diesem Zusammenhang stellen sich Konzet und Huber Fragen, auf die sie noch die entsprechenden Antworten suchen: Wieso haben die Angestellten von all dem nichts mitbekommen? Hat er allein gearbeitet? Und wo istdas Geld hingeflossen? Die Ungewissheit macht ihnen täglich zu schaffen. Spekulationen ersetzen die konkreten Antworten. Wie über den Segelunfall am 2. Juni. „Er war ein so guter Segler, da kommen schon immer wieder Zweifel über den Unfallhergang in mir auf“, verrät Huber und glaubt nicht, dass die bisher geschätzte Schadenssumme in Höhe von 100.000 Euro auch nur annähernd ausreichend sein wird – können Gläubiger doch ihre Forderungen noch bis zum 10. Oktober beim Insolvenzgericht anmelden. Als Verwalter wurde Gerhard Scheidbach bestellt.

Internationale Fahndung

Nachdem das Boot des Hohenemsers Anfang Juni in Ufernähe bei Gaißau herrenlos entdeckt worden war, schrieb die Polizei am 5. August eine internationale Aufenthaltsermittlung aus. Der Tod des Mannes wird in diesem Zusammenhang nicht ausgeschlossen. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass der Unternehmer untergetaucht ist und eine neue Identität angenommen hat.

VN / Wolfgang Heyer

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