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"Das Einzige, was wirklich hilft, ist diese Camps aufzulösen"

Julia Falkner, Hebamme für Ärzte ohne Grenzen zu Gast bei "Vorarlberg LIVE".
Julia Falkner, Hebamme für Ärzte ohne Grenzen zu Gast bei "Vorarlberg LIVE". ©Screenshot VOL.AT
Julia Falkner, Hebamme für Ärzte ohne Grenzen, berichtete bei "Vorarlberg LIVE" von den unmenschlichen Zuständen im Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos.

Julia Falkner war bereits im Südsudan und im Irak für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz. Am Donnerstag hat sie im Gespräch mit VOL.AT-Chefreporter Pascal Pletsch über ihre Erfahrungen und die schrecklichen Zustände im Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos, wo sie zuletzt dreieinhalb Monate lang tätig war, berichtet.

Auf die Bilder, die man im Lager vor Ort sieht, ist man nicht vorbereitet, so Julia Falkner. Es treffe einen wie ein Schlag, wenn man vor Ort sieht in welchen Verhältnissen die Flüchtlinge tatsächlich leben müssen.

Eindringlich schildert Falkner speziell die Lage der Kinder im Lager, für die es keinerlei Betreuung, Schulen oder nur Spielzeug gibt und die das Lager überhaupt nur für drei Stunden pro Woche verlassen dürfen.

Von Seiten der Politik gebe es auch keine Bestrebungen die Situation für die Flüchtlinge zu erleichtern. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden von der Regierung die letzten humanen Camps geschlossen, in den neuen Lagern müssen die Menschen buchstäblich auf dem Boden schlafen, von Betten, Matratzen oder gar Polstern gar nicht zu reden. Mehr als ein Zelt für je zwei Familien gibt es nicht.

Im Camp gebe es zwar einen Camp-Leiter, gewisse Regeln und Patrouillen der Polizei, die meisten Dinge des alltäglichen Lebens müssen die Flüchtlinge aber selbst regeln.

Hygiene im Lager

Rund 70 Flüchtlinge kommen auf eine Toilette, die im Lager in Form von Dixie-Klos in bestimmten Arealen aufgestellt sind. Das selbe gilt für Duschen: Verschläge zur Allgemeinen Benutzung in denen es bis Ende Jänner nicht einmal warmes Wasser gegeben hat, berichtet Julia Falkner von den katastrophalen hygienischen Zuständen im Lager.

Wenn etwa Frauen zwei Tage nach einem Kaiserschnitt ohne Medikamente aus der Klinik zurück in ihre Lagerunterkünfte geschickt werden, führe das natürlich zu Problemen, so die Hebamme. Die Infrastruktur auf Lesbos sei einfach nicht für so viele Menschen ausgelegt, was besonders im örtlichen Krankenhaus auffällig wird. Daran scheitere es mehr, als am Willen des Personals vor Ort.

Menschen zerbrechen

Julia Falkner spricht im Interview auch darüber, wie die Menschen durch die Situation in ihren Heimatländern, ihre Flucht und das Leben im Lager buchstäblich zerbrechen. Keiner dieser Menschen flüchte leichtfertig, aber alle machen die Erfahrung, dass ihre Lage ständig noch schlimmer werde. Das zermürbe die Menschen.

Lager würden auch nicht abschreckend wirken, wie oft argumentiert wird. Den meisten Flüchtlingen sei vor ihrer Flucht nicht klar, wie dramatisch die Lage in den Camps tatsächlich ist.

Was ist zu tun?

Es handele sich ja nicht um eine Flut an Leuten, die man nicht aufteilen könnte, ist Julia Falkner überzeugt. Einzelne Inseln wie Lesbos mit den Lagern alleine zu lassen, oder Hilfe vor Ort die oft nicht mehr als ein Tropfen auf den sprichtwörtlichen heißen Stein ist, seien keine Lösung.

Das Einzige, was wirklich helfe, sei diese Camps aufzulösen, und die Menschen in Europa so aufzuteilen, dass sie während ihrer Asylverfahren gute Lebensumstände haben, appelliert die Hebamme für Ärzte ohne Grenzen.

Die Sendung "Vorarlberg LIVE" ist eine Kooperation von VOL.AT, VN.at, Ländle TV und VOL.AT TV und wird von Montag bis Freitag, ab 17 Uhr, ausgestrahlt. Mehr dazu gibt's hier.

(VOL.AT)

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