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Das Beste geben, nicht der Beste sein

Im ZEN Taekwon-Do Center werden Körper und Geist trainiert (Copyright: privat)
Im ZEN Taekwon-Do Center werden Körper und Geist trainiert (Copyright: privat) ©privat/Vicki Mihala
Im ZEN Taekwon-Do Center werden Körper und Geist trainiert.
ZEN Taekwon-Do Center

Kampfkunst. (VN-vic) An prominenter Stelle, unmittelbar an der Bärenkreuzung, haben Autofahrer und Passanten Blick auf weißgewandete Gruppen, die so manch einem Nichtkenner fernöstlicher Philosophien Bruce-Lee-Filme in Erinnerung rufen. Aber nicht Karate, sondern eine andere Kampfkunst wird hier gelehrt: ZEN Taekwon-Do, eine Weiterentwicklung des traditionellen Taekwon-Do. Mit Zen – der Konzentration auf das Hier und Jetzt – wird dem „ganzheitlichen Training für Körper und Geist“ sozusagen das Sahnehäubchen aufgesetzt. Auf gut „westlich“: Ausdauer, Fleiß, Bescheidenheit und Höflichkeit führen zum Ziel. Es geht um Respekt und Toleranz. Trainiert wird ohne Körperkontakt, ohne Leistungsdruck und – das ist der gravierende Unterschied zum modernisierten Taekwon-Do – ohne Wettkampfgedanke. Es geht nicht darum, der Beste zu sein, sondern sein Bestes zu geben. Tugenden, die sich auch fernab von Fernost gut machen – und speziell in der heutigen Zeit nicht in Vergessenheit geraten sollten. Geflügelte Worte. Doch wie sieht das Ganze in der Praxis aus?

Körper, Seele, Herz, Verstand
Trainiert wird in gemischten Gruppen – die Anfänger lernen von den Fortgeschrittenen, Weißgurte von den Farbgurten. Wettkämpfe gibt es hin und wieder – die werden aber als „spaßige G’schicht“ gehandhabt. Und Bretter oder Steine werden zerschlagen, weil so an leblosem Material die Wirksamkeit der Techniken demonstriert werden kann. Schulleiter Tim Krah (43), seines Zeichens 3. Dan, will für seine Schüler der beste Mentor, Lehrer und Freund sein – in jeder Hinsicht. So wie sein Meister für ihn. „Das Wichtigste ist, dass jeder nach dem Training ein bisschen besser rausgeht, als er reingegangen ist“, sagt er. Das funktioniert nur, wenn man Vorbild ist und „das, was man redet, auch selber lebt“. Weißgurt Michael Nasahl (41) bestätigt: „Tim bringt sehr viel Leidenschaft und macht es mit 100 Prozent. Und das will er auch von seinen Schülern sehen.“ Sowas spornt an.
Dass die erwachsenen Schüler ihrem Meister Respekt entgegenbringen, ist keine Kunst – weder in Asien noch in Europa. Doch auch für die Kinder stellt Tim eine Autorität dar. Aber: „Koreanische Strenge“ war gestern. Mit einer ordentlichen Portion mitteleuropäischen Humors schafft er es, Disziplin fernöstlicher Art zu vermitteln. Soll heißen: Für Zuspätkommen oder Tratschen sind schon mal zehn Liegestütze angesagt. Eine lasch ausgeführte Übungsabfolge, Hyong genannt, die Tim „zum Einschlafen bringt“, muss selbstredend „mit mehr Power“ wiederholt werden. Die in Tränen aufgelöste Edanor (6), die bei der Prüfung der Mut verlassen hat, bekommt von Tim hingegen nicht nur Trost und Zuspruch, sondern auch so viel Geduld und Zeit, dass sie den Bruchtest schlussendlich mit Bravour besteht. Nicht aufgeben, auch wenn’s hart wird, so die Devise – und zwar fürs ganze Leben. Krah: „Jemandem zeigen, was er nicht kann, ist leicht. Ich will, dass die Leute erkennen, was sie jetzt auf einmal können.“
Wer sich oder sein Kind zur (Mini-)Kampfmaschine ausbilden will, ist im ZEN Taekwon-Do Center jedenfalls am falschen Ort. Aber wer an Körper, Seele, Herz und Verstand arbeiten und sich darüber hinaus im Notfall selbstverteidigen können will – egal ob Mann, Frau oder Kind, jung oder alt, klein oder groß, stark oder schmächtig –, der ist hier gut aufgehoben.

5-Jahres-Feier
Vier Tage lang feiert das ZEN Taekwon-Do Center Ende Mai sein 5-Jahres-Jubiläum mit Vorführungen, Lehrgängen und Turnieren und im Beisein von Großmeistern und Schwarzgurten aus Berlin, Salzburg, Wien, München und Innsbruck. Zum offiziellen Teil am Samstag, 27. Mai, stehen von 16 bis 17.30 Uhr die Türen für alle Interessierten offen.
Weitere Informationen www.zen-taekwondo.center/

Zahlen und Fakten
133 Mitglieder hat das ZEN Takewon-Do Center
10 Schülergrade (Kup), 9 Meistergrade (Dan) gibt es im Taekwon-Do
800 kg Bretter werden pro Jahr im Center zerschlagen

Daniel Engstler (21), Rotgurt, Trainer
Ich bin seit drei Jahren dabei, weil mich Taekwon-Do schon mein Leben lang interessiert hat. Mittlerweile mache ich es, weil es genial ist, dass ich in dieser Zeit komplett abschalten und nur bei dieser einen Sache sein kann. Ich trainiere sechs Stunden pro Woche selbst und neun Stunden als Trainer. Ich bin noch ein recht junger Trainer, deshalb möchte ich für meine Schüler wie ein großer Bruder sein – ein Vorbild, dem man nacheifern will. Und ich merke: Je mehr Komplimente sie bekommen, umso mehr bemühen sie sich.

Michael Nasahl (41), Weißgurt
Ich habe jahrelang Fußball gespielt und Mannschaftssport gemacht. Seit zwei Jahren habe ich nach etwas gesucht, dass mir Spaß macht und gut für meinen Körper ist. Durch Zufall bin ich zum Taekwon-Do gekommen. Ich bin seit Februar dabei und mir gefällt, dass hier alles drin ist – es heißt ja auch „Fuß, Hand und Geist“. Anfangs erschlägt es einen fast – so viele Techniken. Aber der Ansatz ist gut, ganz ohne Druck. Man versucht einfach, das Beste aus sich herauszuholen.

Nina Mihala (9), Weiß-Gelb-Gurt
Ich mache seit fast einem Jahr Taekwon-Do. Es macht mir Spaß und nach meiner Prüfung war ich sehr stolz! Tim und Daniel find ich toll, sie können uns gut trainieren. Aber sie können auch ganz schön streng sein.

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