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Darum sollten Herzinfarkt-Patienten sehr lange Aspirin einnehmen

Acetylsalicylsäure ist einer der wichtigsten Wirkstoffe in der Sekundärprävention von Herzinfarkt & Co.
Acetylsalicylsäure ist einer der wichtigsten Wirkstoffe in der Sekundärprävention von Herzinfarkt & Co. ©Cana (Sujet)
Menschen, die einen Herzinfarkt überstanden haben, sollten langfristig niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin) einnehmen, wie eine dänische Studie ergab.

Hören Infarktpatienten zu früh auf, das Aspirin zur Verhinderung von Blutgerinnseln anzuwenden, haben sie viele Jahre hinweg ein erhöhtes Risiko für einen neuerlichen Infarkt, einen Schlaganfall und ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Die Resultate einer dänischen Studie zu dem Thema werden in den kommenden Tagen beim Jahreskongress der europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) in Amsterdam präsentiert. Die wissenschaftliche Veranstaltung (25. bis 28. August) ist einer der größten medizinischen Kongresse weltweit. Präsident der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ist der Wiener Herzspezialist Franz Weidinger.

Aspirin wichtiger Wirkstoff zur Sekundärprävention von Herzinfarkt & Co.

Der Hintergrund der wissenschaftlichen Untersuchung mit der Auswertung der Daten von 40.114 Patienten: ASS - in Dosierungen von 50 oder hundert Milligramm pro Tag - ist seit 40 Jahren einer der wichtigsten Wirkstoffe in der sogenannten Sekundärprävention von Herzinfarkt & Co. Die Acetylsalicylsäure mit bereits weit mehr als hundert Jahren Geschichte wirkt auch als Hemmstoff für das Zusammenballen von Blutplättchen. Der "Thrombozytenaggregationshemmer" verhindert somit das Auftreten von Blutgerinnseln, was die Ursache von Herzinfarkten oder ischämischen Schlaganfällen die Ursache ist. Während die Bedeutung von ASS in der Erstverhütung solcher akuter Herz-Kreislauf-Ereignisse immer mehr zurückgedrängt wird, ist ihr Wert in der Verhinderung weiterer Infarkte oder Schlaganfälle sehr gut belegt.

Doch bei weitem nicht alle Patienten nehmen das Medikament über viele Jahre hinweg ein. Anna Kristensen vom Bispebjerg und Frederiksberg Hospital in Dänemark und ihre Co-Autoren haben die Daten von 40.114 Infarktpatienten aus den Jahren 2004 bis 2017 analysiert. In Dänemark kann man über Registerdaten die Verwendung von Arzneimitteln lückenlos nachvollziehen. Alle Probanden waren älter als 40 Jahre, hatten nach dem Herz-Zwischenfall eine Ballondilatation per Katheter und einen Stent zum Offenhalten des betroffenen Koronargefäßes erhalten. Sie nahmen im ersten Jahr nach dem Ereignis ASS ein. Als kontinuierliche Sekundärprävention wurden 80 Prozent oder höhere Werte mit andauernder Einnahme gewertet.

Einnahme-Stopp bringt bis zu acht Jahre lang höhere Gefährdung

Insgesamt nahm die Einnahmefrequenz mit der Zeit ständig ab: Nach zwei Jahren betrug sie 90 Prozent, nach sechs Jahren 82 Prozent und nach acht Jahren 81 Prozent. Das Hauptergebnis, so die Europäische Gesellschaft für Kardiologie: "Verglichen mit Patienten, welche ASS verwendeten, hatten die Patienten ohne Therapie-Adhärenz nach zwei Jahren ein um 29 Prozent höheres Risiko für eine Herzattacke, für einen Schlaganfall oder Versterben, nach vier Jahren eine um 40 Prozent höhere Gefährdung, nach sechs Jahren ein um 31 Prozent höheres Risiko und nach acht Jahren um 20 Prozent häufiger solche akuten Zwischenfälle."

Die epidemiologische Studie dürfte damit auf einen anhaltend guten Effekt von ASS bei Infarktpatienten hindeuten. Sie konnte allerdings nicht klären, warum Betroffene mit der Einnahme des Medikamentes aufhörten. Hier könnten Nebenwirkungen eine Bedeutung haben. Auch ein Umsteigen auf andere Blutgerinnsel-hemmende Arzneimittel ist möglich.

(APA/Red)

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