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Countdown für die neue Röhre läuft

Anhand des schematischen Plans erläutert Bauleiter Steinhauser im VN-Gespräch den Stand der Dinge und die weiteren Schritte.
Anhand des schematischen Plans erläutert Bauleiter Steinhauser im VN-Gespräch den Stand der Dinge und die weiteren Schritte. ©Peter Strauß
In gut einem Monat wird der Verkehr im Pfändertunnel in den Westulm umgelegt.

Bregenz. (stp) Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – an beiden Portalen des Pfändertunnels künden derzeit die intensiven Adaptierungsarbeiten an, dass sich bald „etwas tun wird“. Der Verkehr wird in gut einem Monat nämlich in die neue Röhre geleitet, damit im alten Tunnel die erforderlichen Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt werden können. Auch das wird noch einmal rund ein Jahr dauern, dann ist das Tunnelprojekt im Endausbau fertiggestellt – zweiröhrig.

Auf „Probefahrt“

Gut einen Monat vor der Verkehrsumlegung in die neue Tunnelröhre ging die VN-Heimat mit Bauleiter Jürgen Steinhauser auf „Probefahrt“. Der Bludenzer Techniker war beim Projekt „zweite Pfänderröhre“ von Anfang an dabei und hat vor rund einem halben Jahr Michael Höllriegl als Bauleiter abgelöst. „Zur Not“, so Steinhauser, könnte in der neuen Röhre bereits heute gefahren werden, aber bis zur offiziellen Inbetriebnahme sind noch jede Menge Restarbeiten zu erledigen und das gesamte System – von der Lüftung bis zur Verkehrslenkung – zu überprüfen. Und die Wände müssen noch einmal gewaschen werden, denn „die Arbeiten im Tunnel wirbeln jede Menge Staub auf – im wahrsten Sinne des Wortes – und der schlägt sich seit geraumer Zeit natürlich an den Wänden nieder.“ Und wie zur Bestätigung dieser Feststellung trübt sich im letzten Teil der Fahrt die Sicht deutlich ein – im Abschnitt vor dem Südportal wird noch eifrig gewerkt und es stehen noch staubige Arbeiten auf dem Plan.

Heimische Unternehmen

Firmenaufschriften auf den Fahrzeugen machen deutlich, dass in der jetzigen Bauphase vermehrt heimische Unternehmen tätig sind. „Von unserer Firma sind nur noch etwa zwei Dutzend Mitarbeiter hier, den drastischen Personalabbau ersieht man auch daran, dass die Wohncontainer bereits abgebaut werden konnten“, erläutert Steinhauser mit einem Verweis auf den leeren Platz am Nordportal. Die Spezialisten für den Vortrieb und die „groben“ Arbeiten im Tunnel haben das Ländle größtenteils längst verlassen und sind auf anderen Tunnelbaustellen tätig. Trotzdem ist die Zahl der im Tunnel tätigen Arbeiter nicht geringer geworden, im Gegenteil: „Das schwankt zwar, im Schnitt sind jedoch etwa 60 Leute am Arbeiten, und das sind eigentlich mehr als in manchen früheren Bauphasen.“

Modernste Technologie

Was ist anders als in der „alten“ Röhre? – „Wir haben modernste Technologie eingesetzt, das beginnt bei der Beleuchtung, die auf LED umgestellt wurde, und geht bis zur ausgeklügelten Steuerungstechnik“, so Steinhauser während der „Probefahrt“, die er beim künftigen „Verkehrsknotenpunkt“ unterbricht. „Die Systeme sind so konzipiert, dass wir im Notfall – etwa bei einem schweren Unfall – den Verkehr von einer Tunnelröhre in die andere umleiten können. So könnte künftig eine Unfall- oder Baustelle umfahren werden. Generell ist es möglich, innerhalb kürzester Zeit wieder auf Gegenverkehr in einer der beiden Röhren umzuschalten, sollte dies durch besondere Ereignisse notwendig werden.“

Erst im Sommer 2013

Das ist aber bei der Inbetriebnahme der neuen Tunnelröhre Ende Juni 2012 noch Zukunftsmusik. „Diese markanten Verbesserungen in der Verkehrsabwicklung und die verbesserte Sicherheit wird jedoch erst nach Sanierung der alten Röhre wirksam werden – und bis dahin bleibt noch einiges zu tun.“ Auch die Mineure haben ihre Arbeit noch nicht restlos erledigt, sie müssen noch die sogenannten Querschläge, die Verbindungsstollen zwischen Ost- und Westulm, fertigstellen. Diese begehbaren Verbindungen – ein Teil davon ist für Einsatzfahrzeuge befahrbar, einer sogar im Notfall für den gesamten Verkehr, auch für Lkw – müssen noch durchgeschlagen werden. Bisher war dies ja nicht möglich, weil von der alten Röhre aus nicht gearbeitet werden konnte.“

Kein Stein auf dem anderen

Stichwort in der alten Röhre arbeiten: dort wird ab Juli zwar nicht bildlich, aber zumindest sicherheitstechnisch, kein Stein auf dem anderen bleiben, denn die gut 30 Jahre alte Tunnelröhre, die zwar nach der Brandkatastrophe im April 1995 nachgerüstet wurde, entspricht nicht mehr heutigen Sicherheitsstandards. „Die alte Röhre wird auf den Stand der neuen aufgerüstet, das kann nicht mit ein paar Korrekturen geschehen, da müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden“, erklärt Steinhauser. Will heißen, der gesamte Tunnel muss überarbeitet werden. „Da ist eine geplante Bauzeit von rund einem Jahr knapp genug bemessen, aber ich denke, das schaffen wir auch noch, so wie wir bisher alle terminlichen Vorgaben geschafft haben.“ Der weitere Terminplan sieht vor, dass die eigentlichen Tunneladaptierungen bis Februar 2013 erledigt sein sollten, dann bleibt noch knapp ein halbes Jahr für die Ausstattung.

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