Corona-Regeln im Winter: Impfpflicht auf Skipisten vorstellbar

Einer Impfpflicht für Skifahrer zeigt sich die Branche nicht abgeneigt.
Einer Impfpflicht für Skifahrer zeigt sich die Branche nicht abgeneigt. ©APA/ROBERT JAEGER
Die Tourismusbranche fordert von der Regierung, schon jetzt die Corona-Regeln für den Winter klar zu kommunizieren. Einer Impfpflicht für die Skipiste steht man dabei grundsätzlich offen gegenüber.

Im Tourismus mehren sich Stimmen, die von der Regierung Klarheit für Corona-Regeln im Winter fordern. "Wir müssen jetzt wissen, was passiert", so Anton Birnbaum, General Manager des Astoria Resort in Seefeld.

Hoteliers fürchten Quarantäne für Österreich-Urlauber

Ein "absolutes Drama" wäre es etwa, wenn Deutschland im Winter eine Quarantäne für Österreich-Urlauber einführen würde, sollten hierzulande die Fallzahlen steigen. "Dann können wir zusperren." Nicht minder deutlich wurde der Touristiker und Ex-Politiker Sepp Schellhorn.

Freilich sei "gesellschaftliche Ausgrenzung natürlich ein heißes Thema", so Birnbaum. Schlussendlich sei es aber Sache der Regierung klar zu entscheiden. "Es besteht ja eine Gefahr für die Wirtschaft, für unsere Mitarbeiter, für eine gesamte Branche - unabhängig der gesundheitlichen Folgen daraus", so der Luxus-Ferienhotel-Manager. "Ich tendiere eher dazu zu sagen, die 1-G-Regelung für alle ist gekommen. Wer Skifahren gehen will, soll sich halt impfen lassen - bis Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, aber da sind wir halt noch nicht."

Regierung soll Regeln frühzeitig kommunizieren

"Es ist notwendig, dass die Regierung jetzt entscheidet und die Entscheidung kommuniziert, nicht erst am 15. November", forderte Schellhorn. Er sprach sich im Besonderen auch für eine Impfpflicht für Besuche in der Nachtgastronomie aus - und ähnlich sehe er das für die Skipiste. Bisher gebe es aber nichts von der Bundesregierung, kritisierte der Ex-NEOS-Abgeordnete zum Nationalrat.

Die Branche kämpft aber auch mit anderen Problemen. Diese sind auf den ersten Blick zwar nicht so drastisch wie leere Betten wegen Corona, könnten sich aber mittel- bis langfristig als noch schwerwiegender herausstellen. Die Branche plagen Personal- und Nachwuchs- genauso wie Wertschöpfungssorgen. Einmal mehr forderte Schellhorn, dass endlich "mehr netto vom brutto" bleiben müsse. Dem heimischen Tourismus erwachse zudem Konkurrenz aus südöstlichen Nachbarländern. Diese könne man preislich im Gegensatz zu Westeuropa aber nicht mehr unterbieten.

Branche von Wertschöpfungssorgen geplagt

Das Wertschöpfungsproblem hänge mit Überkapazitäten zusammen. Österreich sei im Sommer wie im Winter das billigste der Alpenländer. Die Bettenzahl gehöre um ein Drittel gesenkt, meinte Schellhorn. In Südtirol sei das über die Raumordnung gelungen. Dort kosteten Betten der gleichen Kategorien wie in Österreich "um circa 85 Prozent mehr. Dort werden die Mitarbeiter besser bezahlt." Da die Raumordnung in Österreich Ländersache sei brauche es ein übergeordnetes Bundesraumordnungsgesetz. "Bei uns kosten die Mitarbeiter viel zu viel und sie verdienen viel zu wenig." Es gehöre nicht das Arbeitslosenentgelt gesenkt, sondern die Nettolöhne müssten durch eine Senkung der Lohnnebenkosten steigen.

Von den vor Corona rund 230.000 Mitarbeitern waren 80.000 aus Osteuropa. Davon würden aber nur an die 30 Prozent wieder nach Österreich zurückkehren, berief sich Schellhorn auf Angaben des AMS. "Das verschärft das Thema Entlohnung", sagte Schellhorn. Noch vor dem Winter müsse daher der Faktor Arbeit entlastet werden, war Schellhorn wieder ganz Politiker. Geschehe das nicht, "werden im Winter Betriebe tageweise schließen, von denen man dies niemals angenommen hätte und manche gar nicht aufsperren", warnte er. Er selbst brauche heuer erstmals selbst in einem seiner größeren Ski-Gastrobetriebe mit 1.500 Sitzplätzen wegen eines Mitarbeitermangels einen Ruhetag.

Kaum Nachwuchs: Kürzere touristische Ausbildung gefordert

Auch Astoria-Manager Birnbaum bedauerte bei der Veranstaltung des Gastro-Großhändlers Metro am Rande des Forum Alpbach am Montag, dass viele Mitarbeiter nach den Lockdowns nicht mehr zurückgekehrt seien. Um die Mitarbeiter müsse regelrecht gerungen werden, über die Löhne sei das aber mehr als eng. Das Thema Besteuerung der Gehälter sei daher wichtig. Bei 200 Euro mehr brutto kämen bei Mitarbeitern mit Überzahlung, was die meisten seien, oft nur 50 Euro netto heraus. "Kernpunkt ist, es wurde 30 Jahre lang verabsäumt, Nachwuchs zu bilden", so Birnbaum. Incentives für die Mitarbeiter, wie etwa bessere Unterkünfte, Betriebskindergarten oder Bereitstellen von Sharing-Autos funktionieren nicht, sagte Schellhorn: "Das ist sofort ein geldwerter Vorteil." Er habe daher einen geplanten Betriebskindergarten und Mitarbeiter-Chalets wieder abgesagt.

Beim Nachwuchsthema sprachen sich beide Touristiker dafür aus, dass es auch eine kürzere touristische Ausbildung brauche. Es müsse nicht mehr drei Jahre lang gelernt werden, wie vor dem Gast flambiert, tranchiert, filetiert werde - denn das werde gar nicht mehr nachgefragt. Eine Einjährige Heranführung ins "Hospitality Management" wäre oft ausreichend, glauben die beiden Touristiker. Beide äußerten auch Bedenken, dass die mittlere Gastronomie und Hotellerie immer kleiner werden könnte und am Ende praktisch nur mehr Luxus und ganz billig bleiben könnte.

Schellhorn warnte außerdem vor einem weiteren Problem: Viele Übergaben stünden an. Einerseits hätten viele ein Nachwuchsproblem, andererseits könnten viele nicht zusperren weil ein hoher Verkehrswert einem niedrigen Buchwert entgegenstehe - das würde zu vermehrten Privatkonkursen ehemaliger Touristiker führen.

Es brauche also einen politischen Plan für den Tourismus. Dieser müsse einen "Schulterschluss zwischen Produzenten, Händlern und Tourismus" umfassen, um die Wertschätzung und -schöpfung zu steigern, so Schellhorn.

Auch Gewerkschaft drängt auf Planungssicherheit

Auch die Gewerkschaft vida fordert von der Regierung Planungssicherheit für den kommenden Winter ein. "Gibt es nicht umgehend ein Konzept mit Corona-Szenarien, riskiert die Bundesregierung tausende weitere Arbeitslose", sagte vida-Gewerkschafter Berend Tusch am Mittwoch. Die Branche hat ein massives Mitarbeiterproblem.

Mehrere Lockdowns führten dazu, dass sich Tourismus-Beschäftigte beruflich umorientierten - mit der Folge, dass den Betrieben in der laufenden Sommersaison tausende Mitarbeiter fehlen. Selbst Gewerkschafter Tusch räumte ein, dass angesichts der unsicheren Lage keinem Arbeitnehmer geraten werden könne, in der Branche zu bleiben. "Die Kolleginnen und Kollegen sind teilweise seit 15 Monaten in Kurzarbeit oder haben ihren Job verloren", so Tusch.

Der Arbeitnehmervertreter fordert einen Fixkostenzuschuss für Beschäftigte und die Weiterführung der Kurzarbeit. "Anstatt wie vor dem zweiten Lockdown im November Menschen auf die Straße zu setzen, muss im Fall der Fälle auf Kurzarbeit gesetzt werden." Die Branche müsse zudem attraktiver werden durch höhere Ist-Löhne und ein besseres Rahmenrecht wie durch die Umsetzung der im Kollektivvertrag vorgesehenen Fünf-Tage-Woche sowie der Berücksichtigung von Vordienstzeiten, fordert Tusch. Die Vorschläge würden seit Jahren auf dem Tisch liegen, doch die Arbeitgeber würden abwinken.

(APA/Red)

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