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Corona geht auch der Seele an die Nieren

©KHBG
Das Team der Abteilung Innere Medizin 3 am Landeskrankenhaus Feldkirch hat in einer eigenen Studie untersucht, ob und wie sehr die Pandemie Vorarlbergs Dialysepatienten nicht nur körperlich, sondern auch emotional belastet.
Dialysestation am LKH Feldkirch

Die Ergebnisse machen einmal mehr deutlich, wie wertvoll neben der medizinisch-fachlichen auch die menschlich-emotionale Seite in der Betreuung von Patienten ist. Die Sozialkontakte der Dialysepatienten sind ohnenhin, aufgrund ihrer Krankheit, sehr eingeschränkt und sie werden zur Gruppe der Corona-Hochrisikopatienten gezählt, schreibt Oberarzt Emanuel Zitt in einer Aussendung. Vor allem die Immunabwehr bei Dialysepatienten sei geschwächt.

Isolation unmöglich

„Die Dialyse ist für unsere Patienten ein Muss. Sie müssen aufgrund dieser lebensnotwenigen Behandlung Kontakt mit anderen Menschen haben“, betont der Oberarzt Emanuel Zitt. „Bei der Dialyse wird eine Teilmenge des Blutes aus dem Körper geleitet. Über einen Filter werden Giftstoffe, die normalerweise über die Nieren ausgeschieden werden, ausgewaschen. Das gereinigte Blut wird wieder zurückgeleitet.“

Der Mensch dahinter

Für das Team des Landekrankenhaus Feldkirchs ist vor allem ein Aspekt in der medialen und wissenschaftlichen Information zu kurz gekommen: Wie kammen die Patienten selbst damit zurecht?

„Dieses Thema ist lange zu wenig zur Sprache gekommen. Infektionszahlen, Inzidenzen, Beatmungsplätze. Kaum jemand hat berichtet, wie der Mensch dahinter das alles verkraftet.“ Für die kleine Studie wurde ein Fragebogen mit 22 Fragen erstellt. Wichtig sei ihnen dabei der Sichtwechsel weg von organischen Folgen hin zu psychischen Belastungen gewesen, so Dr. Zitt. Die Auswertung der knapp 150 ausgefüllten Fragebogen hat auch bei internationalen Fachmagazinen Interesse geweckt.

Viele Sorgen aber kaum Panik

Die Studie hat ergeben, dass sich Vorarlbergs Dialysepatienten kaum von Historie und Panik leiten lassen haben. „Die Gelassenheit führen wir auf eine Mischung aus Alter, Lebenserfahrung und dem Gefühl, gut aufgehoben zu sein, zurück. Die Patienten haben sich zwar Sorgen über eine mögliche Infektion gemacht, aber nur ein Drittel hat es als einschneidende, zusätzliche Belastung empfunden. Die Menschen haben die Dialyse während der Pandemie sogar als Abwechslung erlebt, als Möglichkeit, den eigenen vier Wänden zu entfliehen.“ Dies bestätigt, dass die Mediziner wichtige Ansprechpartner sind. Laut der Studie haben auch die Mitpatienten eine bedeutende Rolle gespielt. Zudem wurden auch die teils strengen Sicherheitsauflagen der Dialysestation ohne weiteres mitgetragen.

Gute Antikörperantwort

Per August 2021 sind in Vorarlberg 33 Dialysepatienten an Corona erkrankt, vier davon sind verstorben. Vollständig Geimpfte sind nicht erkrankt. Ganze 98 Prozent dieser haben mit Antikörpern reagiert. Normalerweise ist die Reaktion von Dialysepatienten auf Impfungen gering, da die Immunabwehr ja eingeschränkt ist, bilanziert Dr. Zitt.

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