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Corona als Killer der Club-Kultur?

Treffen in ungewohntem Ambiente: WANN & WO sprach mit Bunt-Boss Nani Mock und Daniel Schweighofer vom Rauch Club über die aktuelle Situation im Feldkircher Nachtleben
Treffen in ungewohntem Ambiente: WANN & WO sprach mit Bunt-Boss Nani Mock und Daniel Schweighofer vom Rauch Club über die aktuelle Situation im Feldkircher Nachtleben ©KO/W&W
Szenegastronomen wie Nani Mock (Bunt) und Daniel Schweighofer (Rauch Club) kämpfen ums blanke Überleben und pochen auf alternative Outdoor-Konzepte für Club-Betreiber.

Von Joachim Mangard (Wann&Wo)

WANN & WO: Nachtleben in Corona-­Zeiten: Wie seid ihr in die Club-Kultur gestartet?

Nani Mock: Club-Kultur wäre übertrieben, der Buntergrund bleibt angesichts der aktuellen Lage geschlossen. Wir haben uns an die gegebene Situation angepasst und sind angesichts der treuen Kunden, die unsere bunte Atmosphäre genießen, dankbar. Eine Rückkehr in ein „Nachtleben“ im herkömmlichen Sinn bleibt unter diesen Vorkehrungen aber undenkbar.

Daniel Schweighofer: Der Rauch Club hat seine Pforten bis auf Weiteres geschlossen, allein die inzSperrstundenverordnung mit einem Ende um 23 Uhr widersprach der Feierkultur. Die Anpassung auf 1 Uhr hilft uns enorm, da in dieser Zeit der meiste Umsatz gemacht wird.

WANN & WO: Wie habt ihr euer Konzept angesichts der aktuellen Verordnungen angepasst?

Nani Mock: Natürlich halten wir uns an sämtliche Vorgaben. Glücklicherweise verfügt das Bunt über einen wunderschönen Garten, der dankbar angenommen wird. Die jüngsten Verordnungen lassen auch wieder einen reduzierten Getränkeausschank am Tresen zu. Wir versuchen, unsere Betriebszeiten so gut wie möglich zu nutzen. Schon allein aus dem Grund, um unsere treuen Mitarbeiter zu halten und niemanden zu feuern. Zu viele Verbote im Nachtleben sind aber keineswegs sinnvoll. Ganz im Gegenteil.

WANN & WO: Wie meinst du das?

Nani Mock: Man öffnet damit meiner Meinung nach eine Büchse der Pandora. Einerseits entlässt man unsere Gäste in diese viel zitierte „neue Normalität“. Die Menschen sehnen sich wieder nach persönlichem Kontakt und Austausch. Wenn dann um 23 Uhr der Zapfenstreich fällt – sowohl für Gäste als auch für unser Personal ist dann Schluss – muss mir aber niemand erzählen, dass die Leute dann nach Hause gehen. Gefeiert wird inoffiziell weiter, sei es unter freiem Himmel oder in Privatwohnungen. Ohne Aufsicht, ohne Einschränkungen und ohne restriktive Maßnahmen. Ich denke, hier wird auf die Polizei noch viel Arbeit zukommen. Auch mit der kürzlich getroffenen erweiterten Sperrstunde.

WANN & WO: Also würde ein „kontrolliertes“ Nachtleben unter der Einhaltung der Auflagen eurer Meinung nach mehr Sinn machen?

Daniel Schweighofer: Eine Sperrstundenbeschränkung bedeutet für ein Nachtlokal enormen Umsatzverlust. Umso dankbarer sind wir um unsere Stammgäste, die uns trotz Maskenpflicht und der speziellen Situation die Treue halten. Ich denke aber auch, dass sich die Clubgänger mit Fortdauer einer sinkenden Infektions-Entwicklung, immer weniger an Maßnahmen halten. Mit der neuen Regelung ist uns schon viel geholfen, weil wir ein bis zwei Stunden länger ausschenken dürfen – in einem kontrollierten Umfeld, wohlgemerkt.

WANN & WO: Wie steht es um eure betriebliche Situation?

Daniel Schweighofer: Natürlich können wir nicht wirklich planen. Die Gesundheit unserer Gäste und Mitarbeiter steht selbstverständlich auch bei uns an erster Stelle. Setzt man die Vorgaben oder Weisungen der Regierung dann aber in die Praxis um, hat man manchmal das Gefühl, dass nicht ganz zu Ende gedacht wurde.

Nani Mock: Ich möchte hier nur ein Beispiel nennen. Um 23 Uhr mussten laut Polizei nicht nur sämtliche Gäste das Lokal verlassen haben, auch das Personal musste dann bereits gehen und konnte beispielsweise weder putzen, aufräumen oder fertig machen. Also müssen wir mindestens eine halbe Stunde vor gesetzlichem Schluss den Laden dicht machen, um den Abend sauber abzuschließen. Falls nämlich am nächsten Tag eine Kontrolle des Gesundheitsamts ins Haus steht, würden wir wiederum in den Clinch mit den Behörden kommen.

WANN & WO: Clubkultur lebt von durchtanzten Nächten, Begegnung, ausgelassenem Feiern und direktem Körperkontakt. Undenkbar in Zeiten wie diesen. Wie sieht euer Blick in die Zukunft aus?

Daniel Schweighofer: Wir sind uns bewusst, dass Covid-19 im intensiven Nachleben, gerade in beengter Club-Atmosphäre, eine ideale Möglichkeit zur Verbreitung findet. Deshalb suchen wir auch in Gesprächen mit der Stadt Feldkirch nach Alternativen, um unser Überleben zu sichern. Die Kultur der Montfortstadt definiert sich zu großen Teilen aus einer einzigartigen Innenstadt-Gastronomie, inklusive umfangreichem Angebot an Nachtlokalen oder Cafés. Und letztlich geht es auch um Arbeitsplätze – ein Großteil unserer Mitarbeiter profitiert jetzt vom Kurzarbeits-Angebot. Aufgrund fehlender Perspektiven hat in unserer Branche aktuell aber niemand eine Jobgarantie.

Nani Mock: Wenn unser Vermieter ZM3 uns nicht diesen Vertrauensvorschuss gewähren würden, wäre wahrscheinlich jetzt schon Schluss. Ich denke aber, dass sie unsere Arbeit und das jahrelange Engagement honorieren. Aus unternehmerischer Sicht bin ich mit der Erweiterung meines Angebots in Form der Eröffnung des klassischen Nachtclubs Buntergrund schon ein Risiko eingegangen. Aufgrund der Nichtraucherregelung folgte die nächste große Investition in Form einer modernen und kostspieligen Belüftungsanlage. Und nun verschwindet der Buntergrund als wahrscheinlich schönster Club im Feldkircher Untergrund.

WANN & WO: Die Stadt Berlin eröffnet den vor dem Ruin stehenden Club-Betreibern Freiflächen, auf denen sie unter Auflagen die Club-Kultur im Freien wiederaufleben lassen. Wie hat Feldkirch auf ein von euch adaptiertes Konzept einer ähnlichen Läsung reagiert?

Daniel Schweighofer: Grundsätzlich stehen die Verantwortlichen dem Ganzen positiv gegenüber, unser Vorschlag wurde zumindest nicht von Vornherein abgeschmettert. Natürlich gilt es hier viele Faktoren zu berücksichtigen. Städte in Vorarlberg könnten sicherlich genügend Freiflächen anbieten, um für Clubbetreiber, denen der totale Umsatzverlust droht, Möglichkeiten zu schaffen, um unter freiem Himmel ein Angebot fürs Nachtleben zu kreieren. Das heißt aber nicht, dass wir im Reichenfeld die Nacht zum Tag machen wollen. So steht beispielsweise auch eine Art „Silence Disco“-Konzept im Raum, das den umliegenden Anrainern entgegenkommen würde.

Nani Mock: Auch wenn es uns die Umstände alles andere als einfach machen: In der Krise sucht die Feldkircher-Nachtgastronomie, gerade von Seiten des Rauch Clubs und der Bunt Bar, einen gemeinsamen Weg, um unsere Existenz und die Club-Kultur zu retten.

Nani Mock und Daniel Schweighofer

In den letzten Jahren haben die beiden Barkeeper, Clubbetreiber und Szenegastronomen ihrerseits durch ihre Tätigkeiten im Bunt, Buntergrund, Rauch Café oder Rauch Club der Feldkircher Gastronomie ihren Stempel aufgedrückt. Im Zeichen der Club-Kultur bündeln die beiden Institutionen angesichts der Krise ihre Kräfte.

Offene Fragen …

Gerade in Bezug auf die jüngsten Verordnungen stehen in der Gastronomie, speziell im Nachtleben, kontroverse Fragen in Raum. Hier eine Auswahl unklarer Themen, aus Sicht der beiden Szene-Gastronomen:

  • Bei Hochzeiten sind inzwischen 100 Personen erlaubt: Wie sieht hier die Regelung der Tischverteilung in Bezug auf gleiche Haushalte in Relation zur herkömmlichen Gastronomie aus? Wie unterscheidet sich die Tanzverordnung im Vergleich zu Clubs?
  • Private Feierlichkeiten in Clubs? Unter welchen Auflagen (z.B. Sperrstunde) dürfen Private die nun leerstehenden Club-Lokalitäten anmieten?
  • Freiflächen für Club-Betreiber? Wie steht es um alternative Freiflächen als Kompensation für Clubbetreiber.

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