AA
Der Lotterien-Anbieter Sazka des Milliardärs Karel Komarek strebt seit 2015 die Mehrheit an den Casinos Austria an.
Der Lotterien-Anbieter Sazka des Milliardärs Karel Komarek strebt seit 2015 die Mehrheit an den Casinos Austria an. ©APA - Robert Jäger

Casinos: Österreich überlässt Tschechen Novomatic-Anteil

Die ÖBAG verzichtet auf ihr Vorkaufsrecht. Ex-Grünen-Chefin Glawischnig ging bei Novomatic in Bildungskarenz. Eine Rückkehr danach wird "stark bezweifelt".
Finanzminister will Austro-Lösung
Casinos Austria werden tschechisch

Die tschechische Mehrheit bei den Casinos Austria ist fix. Die Staatsholding ÖBAG, mit 33,2 Prozent zweitgrößter Aktionär, verzichtet auf ihr Vorkaufsrecht. Der größte Aktionär, die tschechische Sazka-Gruppe, kommt damit durch die Übernahme des Novomatic-Anteils auf zumindest 53,2 Prozent. Sazka und ÖBAG haben einen Syndikatsvertrag geschlossen, wie die ÖBAG am Freitag mitteilte.

Vetorecht für ÖBAG

Konkret erhält die ÖBAG ein Vetorecht bei einer Reihe von Punkten. So soll das "Österreich-Paket" die Zentrale, den Steuersitz sowie die Standorte und Arbeitsplätze absichern. Weiters bekommt die ÖBAG ein Nominierungsrecht sowohl für den Aufsichtsrats- als auch den Vorstandschef. Auch die Sport- und Kulturförderung bleibe erhalten. Die Laufzeit des Vertrags beträgt 15 Jahre.

"Ruhe hineinbringen"

Das Abkommen der beiden Kernaktionäre soll Ruhe in den teilstaatliche Glücksspielkonzern bringen und der ÖBAG Mitsprache bei wichtigen Entscheidungen sichern. Damit "stellen wir sicher, dass in Zukunft nicht mehr der Streit zwischen Eigentümern, sondern ausschließlich das Wohl und das weitere Wachstum des Unternehmens im Mittelpunkt stehen", erklärte ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid in der Aussendung.

Unruhe bei den Casinos Austria

Stichwort Syndikatsvertrag

Unter einem Syndikatsvertrag, wie ihn ÖBAG und Sazka bei den Casinos Austria geschlossen haben, versteht man im Wirtschaftsleben eine Vereinbarung unter Eigentümern, Entscheidungen im Unternehmen gemeinsam, also einstimmig, zu treffen. Ein Syndikatsvertrag wird deshalb auch Stimmbindungsvertrag genannt. Die Republik Österreich hat mehrere solcher Verträge geschlossen.

In der Staatsholding ÖBAG, die die Beteiligungen an Telekom Austria, Casinos Austria, OMV, Post, Bundesimmobilien und Verbund verwaltet, gibt es zwei Syndikatsverträge. Ihre Anteilsrechte an der OMV hat die Staatsholding mit Co-Aktionär Mubadala, dem Staatsfonds aus Abu Dhabi, syndiziert. Bei der Telekom Austria hat sich der Staat mit dem mexikanischen Mehrheitseigentümer America Movil zusammengetan.

Ein anderer Syndikatsvertrag, der derzeit medial präsent ist, besteht zwischen den Wiener Stadtwerken und der EVN. Zusammen mit der EVN halten die Wiener knapp über der Sperrminorität am börsennotierten Stromkonzern Verbund. Seit 2010 haben die beiden Aktionäre ihre Stimmrechte gebündelt.

Die Länder Wien und Niederösterreich, die je 20 Prozent am Wiener Flughafen halten, haben ebenfalls vereinbart, mit einer Stimme zu sprechen und Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Auch bei den Casinos gab es bereits Stimmbindungsverträge. Jener zwischen den beiden Großaktionären Novomatic und Sazka endete aber im Streit.

Oft gehen die Vereinbarungen in Syndikatsverträgen über die reine Stimmbindung hinaus. Bei den Casinos verpflichten sich die beiden Partner, dass die Casinos-Zentrale in Österreich bleibt und es zu keinem Jobabbau und keinen Gehaltseinbußen der Beschäftigten kommen soll. Die ÖBAG bekommt außerdem ein Nominierungsrecht sowohl für den Aufsichtsrats- als auch den Vorstandschef.

Chronologie der Eigentümerstruktur

Die Eigentümerstruktur der Casinos Austria ist äußerst kompliziert. Vorkaufsrechte der Aktionäre untereinander, Ringbeteiligungen sowie Stimmbindungsverträge machen Vorgänge im teilstaatlichen Glücksspielkonzern undurchsichtig. Seit 2015 ist es zu etlichen überraschenden Wendungen gekommen.

Wichtige Schritte zur heutigen Eigentümerstruktur:

2015 - Um die Casinos Austria bahnt sich ein Bieterkampf an: Ein tschechisches Konsortium um den Milliardär und Sazka-Eigentümer Karel Komarek steigt ein und will weiter aufstocken. Auch der niederösterreichische Glücksspielriese Novomatic mischt mit.

Die Staatsholding ÖIAG, die zwischenzeitliche ÖBIB, die nun ÖBAG heißt, wiederum übernimmt den Drittel-Anteil (33,2 Prozent), den die Nationalbank über die Münze Österreich an den Casinos Austria hält.

2016 - Die MTB Privatstiftung von Maria Theresia Bablik überträgt ihren 17,2-prozentigen Casinos-Anteil an Novomatic.

2017 - Die Sazka-Gruppe wird größte Eigentümerin der Casinos Austria. Der Mühlenkonzern LLI und die UNIQA - beide gehören zum Raiffeisen-Reich - verkaufen ihre Anteile an die Tschechen, die damit durchgerechnet 34 Prozent halten.

2018 - Sazka stockt weiter auf, indem sie einen Teil der Anteile der ehemaligen Kirchenbank Schelhammer & Schattera (Grawe-Gruppe) übernimmt. Der Sazka-Anteil steigt damit auf über 38 Prozent.

2019 - Novomatic verkauft seinen Anteil an Sazka.

2020 - Sazka und ÖBAG vereinbaren einen Syndikatsvertrag. Sazkas Mehrheit an den Casinos ist damit fix.

Glawischnig in Bildungskarenz

Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig hat laut einem Medienbericht beim Glücksspielriesen Novomatic eine Auszeit genommen. Das Nachrichtenmagazin "trend" berichtete am Freitag in seiner aktuellen Ausgabe, Glawischnig sei derzeit bis November auf Bildungskarenz. Eine Rückkehr danach werde unternehmensintern "stark bezweifelt". Glawischnig war für die APA zunächst nicht erreichbar.

Novomatic-Pressesprecher Bernhard Krumpel bestätigte auf APA-Anfrage die Bildungskarenz bis Ende des Jahres. Er sagte, er gehe danach von einer Rückkehr aus. Andere Informationen würden ihm nicht vorliegen. Laut "trend" soll Glawischnig dem niederösterreichischen Konzern als Aufsichtsrätin der deutschen Novomatic-Tochter Löwen Entertainment verbunden bleiben.

Novomatic-Eigentümer Johann Graf hat sich nach dem Aufkommen der Casinos-Affäre von Österreich abgewendet. Die Tochter Admiral mit 1.500 Mitarbeitern soll verkauft werden. Vor wenigen Tagen verließ überraschend Novomatic-Chef Harald Neumann das Unternehmen.

Graf, Neumann und Novomatic werden in der Causa Casinos von der Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) als Beschuldigte geführt. Sie sollen mit der FPÖ vereinbart haben, den FPÖ-Politiker Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos zu machen, um dafür Glücksspiellizenzen zu bekommen. Die Vorwürfe werden bestritten.

Verantwortungsmanagerin

Novomatic hatte Anfang 2018 bekanntgegeben, dass Glawischnig den Bereich "Corporate Responsibility und Sustainability" übernimmt. Sie selbst bezeichnete sich damals als "Verantwortungsmanagerin", sie wolle sich für Novomatic um ökologische und juristische Fragen sowie um verantwortungsvolles Spielen kümmern. Aus den Reihen der Grünen hatte es damals heftige Kritik gehagelt. Glawischnig trat wegen des Novomatic-Jobs aus der Partei aus.

(APA)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Wirtschaft
  • Casinos: Österreich überlässt Tschechen Novomatic-Anteil
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen