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Casino-Kläger: Verwandte und Bekannte geprellt - 2,5 Jahre Haft

©VOL.AT/Hartinger
Jener spielsüchtige Vorarlberger, der nach einem wieder verspielten Millionengewinn das Casino in St. Gallen verklagte, musste sich am Freitag selbst vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten und wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Vorarlberger klagt Casino St. Gallen

Der 38-Jährige hatte sich zur Finanzierung seiner Spielsucht von Verwandten und Bekannten Geld erschliche und wurde in acht von zwölf Fällen schuldig gesprochen. Die Schadenssumme wurde mit 800.000 Euro beziffert, die Anklage war von 1,2 Millionen Euro ausgegangen. Von den zweieinhalb Jahren Haft muss er sechs Monate auf jeden Fall im Gefängnis absitzen, erst dann könnte der dreifache Familienvater eventuell eine Fußfessel bekommen.

Urteil nicht rechtskräftig

Dem Staatsanwalt war die Strafe zu milde, er meldete Berufung an – das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig. Auch der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit. Als mildernd wertete das Gericht die Unbescholtenheit und teilweise Schadenswiedergutmachung des Angeklagten sowie seine verminderte Zurechnungsfähigkeit aufgrund der Spielsucht. Erschwerend wirkten sich die hohe Schadenssumme sowie der lange Tatzeitraum in den Jahren 2006-07 aus.

Investition in spanische Golfanlage

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete auf schweren gewerbsmäßigen Betrug in insgesamt zwölf Fällen, der 38-Jährige bekannte sich zu sechs davon und somit teilschuldig. Er überzeugte die Geschädigten von einem Investment in eine Golfanlage in Spanien und lockte sie mit Gewinnversprechen von bis zu zehn Prozent.

Vor dem Richter beteuerte der Angeklagte seinen Glauben an den Erfolg des Projekts, gab aber zu, den Großteil des erhaltenen Geldes im Casino verspielt zu haben.

Selbst Casino St. Gallen verklagt

Er selbst hatte Anfang 2013 das Casino in St. Gallen auf Schadenersatz verklagt, weil er als Spielsüchtiger zu spät gesperrt worden sei.Der dreifache Familienvater hatte 2005 den Jackpot geknackt und die 3,5 Mio. Franken (rund 1,6 Mio. Euro) binnen kürzester Zeit wieder verspielt. Nach eigenen Angaben ging er 250 Mal pro Jahr in die Spielbank und ließ dort insgesamt 4 Mio. Euro liegen. Dieser Prozess wurde auf Herbst vertagt.

Verwandte fühlen sich nicht betrogen

Im laufenden Prozess sprach der Staatsanwalt von “hinterhältiger und perfider Täuschung” der Opfer durch den Angeklagten. Dessen Verteidiger legte im Gegenzug sechs schriftliche Erklärungen des Schwiegervaters, von dem er 230.000 Euro erhalten hatte, sowie der Tante und vier weiteren Personen vor. In diesen versicherten der Schwiegervater, von dem er 230.000  sie hätten ihm das Geld auch gegeben wenn sie von der Spielsucht gewusst hätten. Des weiteren wollen sie dem Mann eine strafrechtliche Verurteilung ersparen.

Schriftlicher Erklärung widersprochen

Einer dieser Zeugen widersprach während der Beweisaufnahme am Nachmittag der von ihm unterschriebenen Erklärung und gab zu Protokoll, er hätte nicht investiert wenn er von der Spielsucht und dem hohen Risiko gewusst hätte. Die Erklärung habe er auf Bitten des Angeklagten unterschrieben. Der Staatsanwalt kündigte daraufhin an, rechtliche Schritte gegen den Zeugen und die anderen Unterzeichner zu prüfen, im Raum steht der Verdacht der versuchten Begünstigung. (red)

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