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"Burning Man kann man nicht erklären, nur erleben"

Christian Zoll und Christina Bösch aus Lustenau als Lustenauer Abordnung auf dem Burning Man in Nevada. ©handout/Zoll
Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Freiheit, Chaos, Kunst und jede Menge Matsch: Christian Zoll beim Burning Man. Im Sonntagstalk spricht der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung über seine Zeit beim legendären Festival in der Wüste von Nevada

WANN & WO: Burning Man: Was bedeutet dieses einzigartige Festival für dich persönlich?

Christian Zoll: Burning Man ist nicht wirklich ein Festival: Es gibt kein Line-up, vor Ort kann man nichts kaufen und sehr komfortabel ist es auch nicht. Man bringt alles selbst mit und teilt mit seinen Nachbarn, Freunden und den Menschen, die eben vorbeigehen. Man lebt dort nach den zehn Prinzipien des Burning Man, darunter die "absolute Eigenverantwortung", "radikaler Selbstausdruck", "keine Spuren hinterlassen" und dem "Beschenken anderer".  Persönlich war gerade das für mich der Grund, es zu machen. Einfach mal etwas anderes erleben, außerhalb des Gewohnten und außerhalb der Komfortzone. Burning Man hat mich wirklich gefesselt und stark bereichert.

Sabrina Bösch und Christian Zoll beim Burning Man. ©handout/Zoll

WANN & WO: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das Event zu besuchen, wie schwierig waren die Vorbereitungen?

Christian Zoll: Das erste Mal habe ich von Burning Man in einer Folge von "Malcolm mittendrin" gehört, das ist aber sicher schon 15 Jahre her. Ende letzten Jahres habe ich dann zufällig etwas davon gelesen und mir gedacht, dass ich dahin will. Wir haben uns dann erkundigt und gesehen, wie viel Vorbereitung es braucht. Das Prinzip der "absoluten Eigenverantwortung" bedeutet eben, dass man sich an diesen neun Tagen in der Wüste auf niemanden anderen verlassen sollte, als auf sich selbst. Und das ist – ohne fließendes Wasser, ohne Strom und bei Temperaturen von bis zu 0 Grad in der Nacht und bis zu 36 Grad am Tag – gar nicht so einfach. Wir haben uns also über ein halbes Jahr immer wieder darauf vorbereitet, viele Erfahrungsberichte gelesen und auch mit ein paar Leuten geredet, die schon mal dort waren. Das hat sehr geholfen.

Kunst steht ebenfalls im Mittelpunkt. ©handout/Zoll

WANN & WO: Wie würdest du Burning Man jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat?

Christian Zoll: Burning Man kann man nicht erklären, man muss es erleben. Das ist auch der Grund, warum wir sehr wenige Fotos gemacht haben, denn diese können die Stimmung dort unmöglich ausdrücken. Jemandem, der noch nie dort war, würde ich es vielleicht so erklären: Stelle dir vor, über 70.000 Menschen aus aller Welt lassen ihr normales Leben komplett hinter sich und leben für etwas mehr als eine Woche in der Wüste im absoluten Nirgendwo zusammen. Man hinterlässt keinen Müll, beschenkt andere mit Essen und Trinken und gar Kleidung und alle vereint eine ähnliche Einstellung, zumindest für diese paar Tage, es sind also alle locker und offen. Man kommt, glaube ich, nirgendwo einfacher ins Gespräch über Gott und die Welt. Ich habe jeden Tag mit Menschen jeglicher Art meine Zeit verbracht, teils sehr private Dinge erfahren, gleichzeitig aber nicht einmal darüber geredet, was man beruflich macht. So was würde es im "richtigen Leben" nicht geben.

Ein Lustenauer weiß auch in der Wüste Nevadas zu überleben. ©handout/Zoll

WANN & WO: Mit welchen Problemen hattet ihr zu kämpfen?

Christian Zoll: Die größte Herausforderung war sicher das Wetter bzw. die widrigen Umstände in der Wüste. Hohe Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, unerwartete Sandstürme, bei denen die Sicht bis auf ein, zwei Meter völlig abbricht. Daneben war es auch nicht leicht, dass es kein fließendes Wasser und kein Essen zu kaufen gab. Wir mussten also alles selbst mitbringen, was für neun Tage und nur eingeschränkten Kühlmöglichkeiten auch eine Herausforderung war. Wir hatten dann aber ein Wohnmobil, was einiges erleichtert hat – auf dem Gelände gibt es nämlich auch keine Duschen.

WANN & WO: Wie war die Lage vor Ort, gerade wegen der Regenfälle, Schlamm und der erschwerten Mobilität?

Christian Zoll: Am Samstag, also zwei Tage vor dem Ende von Burning Man, hat es auf einmal stark zu regnen begonnen. Etwas, das es seit Beginn des Burning Mans in der Wüste noch nie gegeben hat. Die Straßen haben sich auf einmal zu einem klebrigen Matsch verwandelt, Fortbewegung war kaum mehr möglich. Das ist auch deshalb für viele problematisch gewesen, weil das Gelände wirklich gigantisch ist. Außerdem war keiner auf eine solche Situation vorbereitet. Die Leute vor Ort waren aber sehr solidarisch und haben geholfen, wenn es Hilfe gebraucht hat. Gegen Ende war die Stimmung gefühlt aber etwas angespannter, weil man nicht wusste, wie lange es noch dauert, bis man raus kann. Gott sei Dank hat es sich dann aber geklärt und mit Montag konnte dann geordnet das Gelände verlassen werden.

Radikaler Selbstausdruck, auch bei Sabrina und Christian Pflicht auf dem Burning Man. ©handout/Zoll

WANN & WO: Was waren deine persönlichen Highlights?

Christian Zoll: Die Stimmung und die Offenheit der Burner (die Teilnehmenden von Burning Man), die viele Kunst, die Partys, die Drohnenshows … Schwierig, wenn nicht gar unmöglich, einzelne Höhepunkte hervorzuheben!

WANN & WO: Wie ist die Stimmung vor Ort, wen trifft man auf dem Burning Man?

Christian Zoll: Die Stimmung ist extrem ausgelassen. Jeder ist so, wie er ist, man zieht sich an, wie man will. Viele sind sicherlich Kunst-affin, da das schon ein Großteil von Burning Man ausmacht. Auch sind Menschen aus der ganzen Welt vor Ort, wobei der Großteil sicher Amerikaner sind.

Der Regen verwandelte das Gelände in eine Matschwüste. ©handout/Zoll

WANN & WO: Man kennt dich ja eher im Anzug, oder leger. Wie sah dein Burning-Man-Outfit aus?

Christian Zoll: Untertags war es sehr heiß, da war ich meistens in der kurzen Hose und mit einem Wüstenschal und einer dichten Brille für eventuelle Sandstürme unterwegs. Am Abend musste man sich dann eher warm anziehen. Dann meistens mit Felljacken, bunten Outfits und leuchtend – das war sehr wichtig, sonst wurde man schnell von Fahrrädern übersehen.

Auf dem Burning Man zählt das gelebte Miteinander. ©handout/Zoll

WANN & WO: Wie waren eure weiteren Pläne, wann ging es wieder zurück nach Hause?

Christian Zoll: Wir haben Las Vegas als Ausgangspunkt gewählt, um von dort aus den Van zu mieten und alles einzukaufen und vorzubereiten. Nach Burning Man haben wir noch mal drei Tage in Vegas verbracht, dann ging’s nach Hause.

Für viele Camper kam der Regen unvorbereitet und sie mussten auf dem Gelände ausharren. ©handout/Zoll

WANN & WO: Abschließend: Wer sollte sich das Burning Man unbedingt einmal gönnen?

Christian Zoll: Jeder, der bereit ist, sich auf die Prinzipien von Burning Man einzulassen und mal etwas aus seiner Komfort-Zone kommen will. Die Vorbereitungsarbeiten sollte man aber keinesfalls unterschätzen. Ich werde jedenfalls wieder teilnehmen. 

Bevorzugtes Fortbewegungsmittel, ähnlich wie in Lustenau: das Fahrrad. ©handout/Zoll

Zur Person:

Name, Alter: Christian Zoll, 30
Wohnort, Herkunft: Lustenau
Beruf: Geschäftsführer der IV-Vorarlberg
Hobbys: Wandern, CrossFit, Skifahren, Reisen

Der Matsch fand auch gleich künstlerische Verwendung. ©handout/Zoll

(VOL.AT)

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