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Burgenland beendet Corona-Lockdown am Montag

Das Burgenland wird den Ost-Lockdown mit 18. April beenden.
Das Burgenland wird den Ost-Lockdown mit 18. April beenden. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Das Burgenland wird im Gegensatz zu Wien und Niederösterreich den Ost-Lockdown nicht bis 2. Mai verlängern. Das gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil am Mittwoch bekannt.
Wien und NÖ verlängern Lockdown

Am Montag öffnen die Schulen und der Handel wieder, gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt.

Burgenland verlängert Ost-Lockdown nicht

"Die Zahlen gehen massiv zurück", dies sollte sich auch bald auf die derzeit noch hohe Auslastung der Intensivstationen auswirken, so Doskozil. Geplant ist, die Testkapazität noch zu erhöhen. Er appellierte an die Bevölkerung, weiterhin verantwortungsvoll zu sein.

Coronatests in Schulen und Betriebe

Konkret sollen etwa die Schüler drei Mal und die Lehrer zwei Mal pro Woche getestet werden. In Absprache mit der Wirtschaftskammer sollen auch in Betrieben auf freiwilliger Basis zwei Mal pro Woche getestet werden. Bei der Wirtschaftskammer bedankte sich Doskozil für den "Schulterschluss".

Doskozil verweist auf positive Entwicklung im Burgenland

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betonte der Landeshauptmann. Das Burgenland habe bei der Sieben-Tages-Inzidenz und den täglichen Fallzahlen eine nahezu "perfekte Entwicklung" zu verzeichnen. "Wir gehen nach unten, wir sind unter den besten drei Bundesländern, was diese Entwicklung betrifft", sagte Doskozil. Zudem habe sich die Lage in den anderen Bundesländern nicht so entwickelt, wie prognostiziert. Immerhin seien diese der Ostregion nicht in den Lockdown gefolgt.

Zeitverzögerter Rückgang in den Spitälern

Der Rückgang bei den Zahlen werde sich jetzt zeitverzögert auf die Auslastung der Normalbetten und danach auch auf die Intensivstationen auswirken. Doskozil betonte, dass er auf eine Strategie setzen wolle, mit der Bevölkerung mit der Pandemie leben zu lernen. "Ich komme für mich persönlich zu dem Ergebnis, dass es höchstwahrscheinlich ein Fehler ist, dass wir die Pandemie so nach dem Motto entweder öffnen oder schließen, entweder schwarz oder weiß beurteilen. Das wird nicht die Lösung sein", so der Landeshauptmann.

Er bedankte sich bei den Burgenländern für die Einhaltung der Maßnahmen über Ostern. Nun, da die Zahlen zurückgehen, wolle er den Menschen eine Perspektive bieten. Gleichzeitig müsse man aber weiter ihre Verantwortung einfordern.

Doskozil will insbesondere aufs Testen setzen und spricht sich für Zugangstests aus. Die Städte Neusiedl am See und Parndorf sollen außerdem zu einer gemeinsamen Region zusammengefasst und durchgetestet werden. "Wir wollen 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung regelmäßig testen", sagte Doskozil. In dieser Region könne man dann beobachten, was Öffnungsschritte bewirken - "was passiert in welcher Situation".

Dennoch könne aber niemand garantieren, dass die im Burgenland gesetzten Schritte zum Erfolg führen, meinte Doskozil. "Ich muss an dieser Stelle auch ganz klar sagen, wenn das nicht funktioniert, dann müssen wir auf die Stopptaste drücken", betonte der Landeshauptmann, der sich auch bei Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bedankte, mit dem die Maßnahmen abgesprochen seien.

Reaktion von Wiens Bürgermeister Ludwig

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nahm die Vorgangsweise im Burgenland zur Kenntnis. "Ich entscheide für Wien, Landeshauptmann Doskozil für das Burgenland. Wir beide haben die politischen und gesundheitlichen Konsequenzen für unser Handeln in unseren jeweiligen Bundesländern zu tragen", hielt er in einem Statement fest. Der Wiener Stadtchef hatte Anfang der Woche eine Verlängerung der Maßnahmen verkündet und an Niederösterreich und das Burgenland appelliert, den Ost-Lockdown gemeinsam fortzusetzen.

Er zeigte sich auch heute überzeugt, dass es richtig war, in der Bundeshauptstadt auf Öffnungsschritte zu verzichten: "Solange die Auslastung auf Wiens Intensivstationen so hoch ist, wie sie derzeit eben ist, wäre es unverantwortbar in Wien die Schutzmaßnahmen zurückzunehmen." Er sei, so hob er hervor, grundsätzlich immer für bundeseinheitliche Regelungen eingetreten. Das tue er auch weiterhin: "Diesen Standpunkt habe ich auch vertreten, als Wien jenes Bundesland mit den geringsten 7-Tages-Inzidenzen war."

Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp forderte Ludwig hingegen auf, dem Beispiel zu folgen: "Der Burgenländische SPÖ-Landeshauptmann Doskozil scheint erkannt zu haben, dass dieses kompromisslose Mittragen der Kurz-Maßnahmen zu einer immer schlimmer werdenden Abwärtsspirale für die eigene Bevölkerung führt."

Reaktionen zur Öffnung im Burgenland

Die Wirtschaftskammer und der Handelsverband begrüßen die Öffnungsschritte. ÖVP-Landesparteiobmann Christian Sagartz erklärte in einem Statement, die ÖVP habe Verständnis dafür, dass es für die Wirtschaft Planungssicherheit brauche. Es brauche aber auch die Sicherheit, dass das Gesundheitssystem der Krise standhält. Grünen-Klubchefin Regina Petrik bezeichnete Doskozils Entscheidung als "völlig unverständlich und unverantwortlich".

FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer begrüßte das Ende des Lockdowns. Es sei wichtig, schrittweise zur Normalität zurückzukehren. Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) hält den Schritt des Nachbarbundeslands angesichts der sinkenden Zahlen im Intensivbettenbereich sowie bei den Infektionen für "angebracht und verständlich".

Michael Lang, Präsident der Ärztekammer Burgenland, steht der Entscheidung ambivalent gegenüber. "Ich halte den Schritt nicht für grundlegend falsch, sondern für kühn", sagte er im Gespräch mit der APA. Man müsse die Situation in den Spitälern im Auge behalten und bereit sein, "schlagartig die Reißleine zu ziehen", sollten die Zahlen dort steigen, so Lang. Andererseits könne er das Argument nachvollziehen, dass die Inzidenzen und Fallzahlen nicht schlecht seien und man deshalb einen Schritt zurück zur Normalität anstrebe.

Für Diskussionen sorgte am Mittwoch auch, dass das Krankenhaus Oberwart eine Kühlzelle angemietet hat, um zusätzlichen Platz für Verstorbene zu schaffen, wie der "Kurier" berichtet hatte. Das sei eine "reine Vorsichtsmaßnahme", hieß es seitens der KRAGES. Man wolle nicht verantworten, dass man in der Pathologie nicht genug Platz habe, was bisher aber auch noch nicht der Fall gewesen sei.

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(APA/Red)

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