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Buchpräsentation Natascha Kampusch

Natascha Kampusch und Dorit Wilhelm im Gespräch im Anschluss an die Lesung.
Natascha Kampusch und Dorit Wilhelm im Gespräch im Anschluss an die Lesung. ©VN/SAMS
Erinnerung bleibt, aber Leben ist wieder bunt. Buchpräsentation von Natascha Kampusch lockte rund 400 Zuhörer an.

Mäder. (VN-mm) Obwohl ihre Selbstbefreiung bereits zehn Jahre zurückliegt, ist das Interesse an Natascha Kampusch und ihrer Geschichte nach wie vor groß. Das zeigte auch eine im Rahmen von „Mäder trifft …“ organisierte Lesung. Sie brachte rund 400 Besucher aus allen Teilen des Landes in den J.-J.-Ender-Saal.

Als die Hauptdarstellerin des Abends ins Rampenlicht tritt, begleitet sie lang anhaltender Applaus auf dem Weg zum Mikrofon. Mit einem Lächeln nimmt Kampusch ihren Platz ein. Schnörkellos ihre Einleitung: „Danke für die Einladung nach Mäder. Es freut mich, hier sein zu dürfen.“ Dann liest sie aus ihrem neuen Buch „10 Jahre Freiheit“.

Ungeschminkt erzählt sie darin, wie schutzlos ausgeliefert sie sich nach achteinhalb Jahren Kellerverlies draußen fühlte. „Jeder wusste besser über mich Bescheid als ich selbst“, führt Kampusch aus. Dabei wollte sie nur ein neues Leben beginnen. Aber: „Ich habe unterschätzt, wie oft ich noch meiner Vergangenheit begegnen würde.“ Ebenso gut weiß Kampusch, dass sich dieses Kapitel nie ganz abschließen lässt. Doch zumindest rücke die Person ihres Entführers immer mehr in den Hintergrund.

Freiheit ist in der Seele

Von gestohlener Zeit will Kampusch nicht reden. Man könne versuchen, Erlebnisse nachzuholen, sich eine neue Geschichte aufzubauen. Daran arbeitet sie. Was die junge Frau aber als Verlust betrachtet, ist jener der Jugend. „Die wurde mir gestohlen“, sagt sie. Sie habe versucht, etwas davon nachzuholen. Doch als Person des öffentlichen Interesses erwies sich das als schwierig.

Trotz allem hat sie sich eines bewahrt, nämlich die Freude an Kleinigkeiten. Ein Sonnenuntergang, der Mond, bunte Farben – das sind Dinge, die ihr Herz berühren. Sie wollte auch nie eine andere Identität, um dem Fluch ihrer Geschichte zu entkommen. „Ich wollte ich bleiben“, bekräftigt sie. Und auf die Frage, was Freiheit für sie bedeutet, sagt Kampusch: „Freiheit ist in der Seele. Freiheit ist, wenn Gedanken frei sein können.“ Ein Stück Freiheit ist es auch, die Opferrolle ablegen zu können. Kampusch hat das getan, indem sie sich für Kinder und Frauen engagiert. In Colombo ließ sie mit eigenem Geld ein Kinderkrankenhaus errichten. Etwas für andere tun können, daraus schöpft die Wienerin ebenfalls Kraft.

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