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Buch enthüllt: Was sonst noch auf Ibiza geschah

Das Buch ist ab sofort verfügbar.
Das Buch ist ab sofort verfügbar. ©APA/Screenshot
Monate nachdem der Ibiza-Skandal die österreichische Regierung zum Sturz gebracht hat, veröffentlichen die SZ-Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer, die die ganzen sieben Stunden Videomaterial gesichtet haben, ein Buch.
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Auf 267 Seiten beschreiben die Investigativjournalisten die Ereignisse des 24. Juli 2017, als Strache und Gudenus in Ibiza waren. Die beiden Spitzenpolitiker waren im Sommer 2017 auf Ibiza in eine Falle getappt und wurden bei einem stundenlangen Gespräch mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte gefilmt. Der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" veröffentlichten am 17. Mai Teile der Aufnahmen, in denen Strache über möglicherweise illegale Parteispenden und politische Einflussnahme spricht. Wie Obermaier und Obermayer in "Die Ibiza-Affäre" schreiben, sei eine Investition der Russin in die "Kronen-Zeitung" das Hauptgesprächsthema gewesen. Von dort hätte sie die FPÖ medial unterstützen können. Im Gegenzug wollte sie aber Zusagen für eindeutig korrupte Angebote.

19 Uhr. Abendessen auf der Terrasse

Anfangs sitzen HC Strache, Johann Gudenus mit seiner Frau Tatjana, die vermeintliche Oligarchen-Nichte und ein Vertrauter der Letzteren noch auf der Terrasse der Finca. Um etwa 19 Uhr wird das Abendessen serviert: Wolfsbarsch, Sashimi, Champagner und Wein. Strache schwärmt von einem Lokal auf Ibiza: "Drei Liter Rosé, Champagner, Wodka, Austern und Kaviar. So teuer war’s net. 1.600 Euro für 12 Leute."

Themen werden ernster

Als das Gespräch ernster wird, wechseln die Herrschaften ins Innere der Finca. Dort wird ganz offen über Parteispenden gesprochen. Strache erzählt von "einflussreichen Spendern", die über "20 Millionen Euro" an die Kurz-ÖVP gespendet haben sollen. Er ergänzt: "Es werden 20 Millionen gespendet, dann wird es dem Rechnungshof gemeldet und dann 600.000 Euro Strafe bezahlt. It’s crazy."

"Wollen eine Medienlandschaft wie Orban"

Dann wird über die Umgestaltung der Medienlandschaft gesprochen. Nach ein paar Drinks - der Wodka der Luxus-Marke Beluga lockerte wohl die Zungen der Politiker - gab Strache mit seinen Kontakten nach Ungarn, besondern mit dem Ministerpräsidenten Victor Orban an. "Wenn ich was brauche, kann ich einfach anrufen", behauptet Strache. "Wir wollen eine Medienlandschaft ähnlich wie der Orbán aufbauen." Eine perfekte Überleitung zum bestimmenden Thema des Abends: Der Kauf der Kronen-Zeitung.

Verkauf der Kronen-Zeitung

Nun beginnt ein angeregtes Gespräch über die Möglichkeit, die Kronen-Zeitung zu kaufen. Schon bei einem früheren Treffen soll im Raum gestanden sein, dass die angebliche Oligarchen-Nichte die Hälfte der Zeitung kaufen solle und so die Fäden in der Hand hätte. So hätte sie dann zum Sprachrohr der Freiheitlichen werden können. "Du hast die Waffe in der Hand, dass alle dich schalten und walten lassen", so Strache. Er schätzt, dass die Russin 240 Mio. Euro zahlen müsste, im Gegenzug würde sie jedoch große Macht in Österreich erlangen.

Huren-Sager

Über kritische Journalisten scheint sich Strache keine Sorgen zu machen. "Die sind ja sowieso die größten Huren auf dem Planeten. Sobald sie wissen, wohin welche Reise geht, funktionieren sie so oder so", meint er. Sehr wichtig scheint der Runde außerdem die Diskretion, es dürfe keiner etwas erfahren, "weder Partei, noch Frauen, noch Freunde."

Auch der Kauf eines ORF-Senders wird in Betracht gezogen. "Wenn sie jetzt noch einen Fernsehsender in die Finger bekommt, bestimmt sie alles", fantasiert Strache weiter.

"What do you want?"

Jetzt geht es ans Verhandeln. "Sie macht das nicht aus Nächstenliebe zu uns", sagt Gudenus und frage die vermeintliche Russin, was sie im Gegenzug will, "What do you want?".

Nun übernimmt der Begleiter des Lockvogels das Ruder. Er fordert, dass die FPÖ, wenn sie in die Regierung komme, "staatliche Verträge zum Überpreis" vergeben soll. Nun betonen Strache und Gudenus, dass das aber immer legal ablaufen müsse.

Blaue lassen nicht locker

Immer wieder, schreiben die Autoren im Buch, versuchen die Freiheitlichen die Krone zu thematisieren. Die Russin zeigt sich unzufrieden, denn sie will einen klaren Deal. Am Schluss wird man sich nicht einig. Nach dem Abschied schickt Strache Gudenus jedoch wieder ins Haus, um es nochmals mit einer Einigung zu versuchen.

Strache behauptete in einer Aussendung Anfang der Woche, das Buch entlaste ihn. Das sehen die Autoren anders. "Als es um Korruption ging, ist er stundenlang sitzen geblieben", wird Autor Frederik Obermaier auf "oe24.at" zitiert.

Ein weiterer Punkt wird im Buch klargestellt: Niemand nimmt im Video Drogen, auch seien keine sexuellen Handlungen zu sehen.

(Red.)

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