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Brutaler Raub in Gaißau: "Cold-Case"-Ermittlungen führten zu Täter

Erst im Dezember 2020 konnte der Täter ausgeforscht werden.
Erst im Dezember 2020 konnte der Täter ausgeforscht werden. ©APA, handout/Sicherheitsdirektion
Ermittlungen des Landeskriminalamtes Vorarlberg und des Bundeskriminalamtes Wien führten zur Klärung eines brutalen Raubüberfalles, der vor mehr als 17 Jahren in Gaißau verübt wurde.
Brutaler Raub in Gaißau
Kriminalisten hoffen auf "Aktenzeichen XY..."

Trotz damaliger massiver Fahndungsmaßnahmen und einer Ausstrahlung des Falles in der Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" blieb der Täter über viele Jahre unerkannt. Im Juni 2020 konnte ein jetzt 62-jähriger Mann aus Oberösterreich ausgemittelt und im Dezember 2020 festgenommen werden.

Der mit erheblicher Gewalt gegen das Opfer gerichtete Raubüberfall hatte sich am 19. Juni 2003 nach Mitternacht auf dem Parkplatz vor dem Lokal "Herbert’s Imbissstube zur Traube" in Gaißau zugetragen. Der Inhaber einer Verputzerfirma aus Höchst war Gast in dem Lokal und wurde wenig später Opfer dieser schweren Straftat. Er hatte zunächst am Tresen für sich und einen ihm gut bekannten Lokalgast ein Bier bestellt und wollte dann die Zeche bezahlen, als er bemerkte, dass seine Geldtasche fehlte, und er diese offensichtlich bei einer Kundschaft liegen gelassen hatte. Der Geschäftsmann hatte an diesem Abend jedoch Firmengeld in der Höhe von 3.000 Euro bei sich. Er bezahlte deshalb die Rechnung vom Firmengeld, mit einer 200 Euro-Banknote, stammend aus einem Bündel von 15 Stück 200 Euro-Scheinen.

Neben dem Geschäftsmann und dem einheimischen Gast hielten sich noch weitere Gäste im Lokal auf, darunter ein unbekannter Mann, der spätere Täter. Diesem blieb der Umstand, dass der Inhaber der Verputzerfirma einen größeren Geldbetrag bei sich hatte, nicht verborgen. Der Geschäftsmann verließ vorzeitig das Lokal. Als der Gastwirt Sperrstunde machte, entließ er den Unbekannten und späteren Täter durch die Nebentüre in den Gastgarten, mit der Aufforderung, dort sein Bier auszutrinken. Der Gastwirt und ein letzter einheimischer Lokalgast blieben derweil noch bis zum Schluss der Aufräumarbeiten im Lokal.

Täter erbeutete 3.000 Euro

Nachdem der unbekannte Mann sein Bier ausgetrunken und den Gastgarten verlassen hatte, wurde er auf den im Fahrzeug sitzenden Inhaber der Verputzerfirma aufmerksam. Der unbekannte Täter entschloss sich, ob des größeren Geldbetrages, den er bei dem im Fahrzeug sitzenden Geschäftsmann vermutete, die günstige Gelegenheit wahrzunehmen und diesen auszurauben. Unter Verwendung einer vollen Bierflasche, die der Täter dem Geschäftsinhaber im Fahrzeug auf den Kopf schlug sowie eines am Tatort aufgefundenen, Holzbrettes und eines Kantholzes, mit dem der Täter noch auf das Opfer eindrosch, gelang es dem Täter vom Opfer 3.000 Euro zu erbeuten. Der Wirt der Imbissstube und der noch im Lokal verbliebene letzte Gast fanden kurz darauf den neben dem Fahrzeug am Boden liegenden Inhaber der Verputzerfirma in bewusstlosem und stark blutenden Zustand vor. Der Firmeninhaber wurde durch die massive Gewalteinwirkung des Täters auf Kopf und Gliedmaßen schwerst verletzt.

2020: Fall wieder aufgenommen

Alle Ermittlungsschritte und Überprüfungen von Hinweisen aus der Bevölkerung nach Ausstrahlung der Sendung "Aktenzeichen XY" führten zu keinem Erfolg. Anfang 2020 wurden die Ermittlungen zum "Cold-Case-Fall" vom Landeskriminalamt Vorarlberg mit Unterstützung der Beamten des Bundeskriminalamtes abermals aufgenommen. Das damalige Fahndungsblatt wurde für ein neuerliches internationales Fahndungsersuchen aktuell aufbereitet und im Juni 2020 an sämtliche europäische Interpol-Stellen übermittelt. Von den seinerzeit am Tatort gesicherten biologischen Spuren konnte DNA extrahiert werden.

Der Täter war aus der angrenzenden Schweiz von Rheineck kommend mit einem Fahrrad und persönlichen Gegenständen über die Holzbrücke nach Gaißau eingereist und hatte diese Gegenstände letztlich auf der Flucht in der Nähe des Tatortes zurückgelassen. Aufgrund der Umstände konnte geschlossen werden, dass das gewonnene DNA-Profil mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Täter stammte. Dieses DNA-Profil wurde deshalb nochmals an die umliegenden europäischen Staaten zum Abgleich mit Profilen in den jeweiligen nationalen DNA-Datenbanken übermittelt. Am 25. Juni 2020 teilte Interpol Bern mit, dass das DNA-Profil mit einer Person übereinstimmt, die polizeilich erfasst worden war.

handout/Sicherheitsdirektion

Festnahme des Mannes (62)

Es handle sich dabei um einen 62-jährigen Österreicher. Weitere Abklärungen ergaben, dass der Gesuchte in verschiedenen europäischen Staaten, wie Deutschland, Norwegen, Schweiz, Luxemburg, Holland und Italien, als Wander- und Gelegenheitsarbeiter, Obdachloser und Bettler unterwegs war. Aufgrund der internationalen Kontakte im Rahmen der kriminalpolizeilichen Amtshilfe konnte Mitte Dezember 2020 der Aufenthaltsort des Österreichers an einem französischen Ort südlich des Genfer Sees festgestellt werden.

Am 22. Dezember 2020 kam es zur Festnahme des Mannes. Der 62-Jährige wurde am 15. Jänner 2021 von Frankreich über die Schweiz nach Österreich ausgeliefert. Der Beschuldigte zeigte sich bei der Vernehmung durch Beamte des Landeskriminalamtes Vorarlberg größtenteils geständig. Er wurde schließlich über Anordnung der Staatsanwaltschaft Feldkirch am 16.01.2021 in die Justizanstalt Feldkirch eingeliefert.

(VOL.AT)

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