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Bruder Jakob, schläfst du noch? - Kritik und Trailer zum Film

Filmemacher Stefan Bohun hat vier Brüder - respektive nur mehr drei. Schließlich hat sich der ältere, Jakob, umgebracht. Zwei Jahre später kommen die verbliebenen Geschwister in jenem Tiroler Bergtal zusammen. Entstanden ist so ein sehr persönliches Werk über Trauer, das Geschwistersein und über Männlichkeit im Jahr 2018.

Stefan und seine Brüder. Was klingt wie ein Thomas-Mann-Roman, umschreibt die Hauptcharaktere des persönlichsten Dokumentarfilms des Kinoherbsts: “Bruder Jakob, schläfst du noch?” ist ein Werk über die Trauer, das Geschwistersein und über Männlichkeit im Jahr 2018. Ein Film, den Regisseur Stefan Bohun mit seinen drei Brüdern drehte – nachdem sich der fünfte umgebracht hatte. Ab Freitag im Kino.

Bruder Jakob, schläfst du noch? – Kurzinhalt zum Film

Der Anlass ist der Selbstmord des älteren Bruders Jakob, der einst als Anästhesist nach Portugal ausgewandert war. Zwei Jahre später kommen seine verbliebenen vier Brüder in jenem Tiroler Bergtal zusammen, in dem sie in ihrer Kindheit Urlaube verbrachten, bevor sich die Eltern scheiden ließen. Und dessen Foto Jakob kurz vor seinem Suizid als letztes Profilbild ins Internet stellte.

Das idyllische Tal wird für die vier Hinterbliebenen zum Ausgangspunkt einer Reise, in der ihre eigenen Beziehungen zueinander mindestens ebenso im Fokus stehen wir ihr Verhältnis zum toten Bruder, der einst in den Süden ging, dort aber immer von Sehnsucht erfüllt blieb. Die unterschiedlichen Erinnerungen der Geschwister an das Familienleben, die jeweiligen Rollen der einzelnen Mitglieder, Verletzungen und Kränkungen, Erlebnisse und Lachen – alles lassen die vier Brüder in ihren Gesprächen vor dem geistigen Auge des Zuschauer revuepassieren.

Bruder Jakob, schläfst du noch? – Die Kritik

Sind die Reflexionen bisweilen etwas stilisiert, kommen sie dennoch zum Kern, ziehen den Betrachter in die Geschichte dieser Familie, die so alltäglich wie berührend ist. Unterfüttert wird diese Familienaufstellung durch eingestreute Archivaufnahmen, poetische Sequenzen, wenn die Vier “You’re innocent when you dream” von Tom Waits gemeinsam in Jakobs einstigem OP singen oder durch Jakobs Briefe aus dem Off, die von seiner Freundin Lilia gelesen werden. Sie erhellen das Leben des Ausgewanderten in Portugal, das den Brüdern ansonsten großflächig verschlossen blieb. Ihre persönliche Reise wird letztlich in dem billigen Motelzimmer in Porto enden, in dem sich Jakob umgebracht hat. Und doch widersteht der Film der einfachen Erklärung, der simplen Herleitung oder Psychologisierung.

So entsteht gemäß dem auf das Kinderlied reflektierenden Titel “Bruder Jakob, schläfst du noch?” ein vielstimmiger Kanon aus unterschiedlichen Erinnerungen und Perspektiven auf das Leben und die Vergangenheit. Ein Abschied und ein Wiedersehen. Sind sich Stefan und Produzent David immer schon nahe gewesen, kam sich der ältere Bruder Matthias immer etwas im Abseits vor. So ist “Bruder Jakob, schläfst du noch?” auch ein Männerfilm, den man in dieser Form selten im Kino findet. Kein Actionspektakel mit Ballerei, sondern ein kluges Werk, das der Frage nachspürt, was Männlichkeit heute bedeutet, was es heißt, Vater zu sein und zu werden, was die Rolle eines Bruders charakterisiert. Tränen gibt es erst am Schluss, und doch löst sich nicht alles. Letztlich zeigt “Bruder Jakob” das Leben, und das hat meist keine einfachen Lösungen. Und das ist ja auch schön. Denn die völlige Lösung bedeutet den Tod.

>> Alle Spielzeiten auf einen Blick

(APA/red)

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