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Bregenzer Seestadt will mit Seewasser heizen

(VN) Bregenz -  Seestadt soll Energie aus dem Bodensee ziehen. Die Bewilligung ist ungewiss.
Neues Energiekonzept im Überblick

Die Bregenzer Seestadtsoll ab 2013 Menschen anziehen. Büros, Wohnungen und Geschäfte stehen dann bereit. Alle verbrauchen Energie. Um den Verbrauch zu decken, will die Stadt mittels spezieller Wärmepumpen Energie aus dem Bodensee holen und damit die im Wasser gespeicherte Umweltwärme nutzen. Im Winter könnte dem See Wärme, im Sommer Kälte entzogen werden. Heizen, Kühlen und Warmwassernutzung wären möglich. Mit mindestens zwei Megawatt Leistung wird gerechnet.

Bregenzer Stadtwerke verantwortlich

Verantwortlich sind die Bregenzer Stadtwerke, die im Besitz der Landeshauptstadt stehen. Das Investitionsvolumen kann Bürgermeister Markus Linhart noch nicht nennen. Das Projekt müsse aber jedenfalls wirtschaftlich sinnvoll sein. „Die Energieprobleme wären damit nicht gelöst, aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung, weil wir erneuerbare Energien verwenden. Wichtig ist aber, dass dadurch der Temperaturhaushalt des Bodensees nicht durcheinandergebracht wird“, sagt er. Mindestens zwei Leitungen – bis zu 50 Zentimeter dick – würden unter der Wasseroberfläche mehrere Hundert Meter weit in den See verlegt werden. Das Projekt steckt erst in der Planungsphase, in den kommenden Monaten wird es noch auf Machbar- und Wirtschaftlichkeit geprüft. Als Vorbild dient die Stadt Zürich. Denn das Wasser aus dem Zürichsee ist dort bereits Heiz- und Kühlquelle, etwa für das Redaktionsgebäude der NZZ. Die Voraussetzungen seien in Bregenz allerdings noch besser, erklärt Vizebürgermeister Gernot Kiermayr: „Weil das Ufer hier flacher abfällt.“ Er zeigt sich realistisch, dass das Bregenzer Vorhaben schlussendlich realisiert werden kann.

Bewilligung für Projekt in Bregenz steht aus

Die wichtigste Hürde muss das Projekt jedoch noch nehmen: Die internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB), in der alle Anrainerländer Mitglied sind, muss es bewilligen und damit bestätigen, dass sich durch die Wasserentnahme der Bodenseewärmehaushalt nicht verändert. Weil das Wasser mit einer anderen Temperatur zurückströmt, als es entnommen wurde, könnten Tiere und Pflanzen im See gestört werden. Thomas Blank von der Fachabteilung Wasserwirtschaft des Landes vertritt Österreich in den Fachgremien der IGKB. „Wir unterstützen die Prüfung des Projekts, auch im Hinblick auf die angestrebte Energieautonomie Vorarlbergs“, sagt er. Es gebe bereits ähnliche Projekte am Bodensee, etwa in Friedrichshafen oder Rorschach, die bewilligt sind. Blank gibt aber zu bedenken, dass derartige Vorhaben im Fachgremium kritisch gesehen werden. „Es gibt einen strengen Maßstab und eine aufwändige Prüfung. Es geht hier auch um eine Grundsatzdiskussion. Was lässt man zu?“ Schließlich gebe es auch andere Städte rund um den Bodensee, die ähnliche Ideen wälzen, was in der Summe zu einem Problem führen könnte. Bis zum Sommer soll eine Entscheidung über das Bregenzer Anliegen getroffen werden.

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