Bregenzer Festspiele: KAZ-Auftakt mit Blasmusik und "Geräuschtheater"

Bregenz - Mit einem Open-Air-Konzert und einem musikalischen Aktionstheater des britischen Komponisten Benedict Mason haben am Samstagabend die Bregenzer Festspiele ihre Reihe Kunst aus der Zeit (KAZ) gestartet.
Processional

Spielen sie nicht Detektiv, erwarten sie keine Geschichte, hatte die Künstlerische Leiterin von KAZ, Laura Berman, die Besucher darauf vorbereitet, sich unvoreingenommen auf ein Sammelsurium von ethnischer Musik, Instrumenten, Geräuschen und Stimmen einzulassen. Das Thema von “De hleeo durum daree durem dittm da herum” sei Bewegung, eine musiktheatralische Antwort auf die Frage, wo die Musik in Zeiten von Migration und Globalisierung bleibe. Letztendlich müsse jeder selbst seine Antwort darauf finden.

Eine davon könnte lauten, dass Mason uns die buchstäbliche Ruhelosigkeit unserer Zeit bewusst macht. Von überall und fast zu jeder Zeit strömen Geräusche – mal musikalisch, mal verbal, dann wieder von Maschinen oder Gegenständen – auf uns ein. Zwei Stunden lang “fahren” Geräusche an den Zuschauern vorbei. Besen von Straßenkehrern oder Bowlingkugeln werden ebenso zur Wahrnehmungskulisse wie eine Amtshandlung an einer Geigespielerin durch den Zoll an einem x-beliebigen Flughafen. Mit der raschelnden Zeitung in der Hand spazierende Passanten, Straßenmusikanten, die unvermittelt durch eine Seitentür hereinkommen, aus einer ganz anderen Ecke tönt wie durch das geöffnete Fenster eines Nachbarhauses ein Beat. Verschiedene Hörner, Gitarren, Zither, Hackbrett, vor allem aber ein Cello und eine Violine geben so etwas wie einen Rahmen und zitieren regionales Volksgut, Pop und unterschiedlichste Kulturen. Bevor manche Szenen in Weltmusik-Gedusel abzugleiten drohen, stört Mason gezielt durch den nächsten Kontrapunkt. Ein Wettkampf, oder einfach: der Alltag des akustischen Inputs, dem wir ausgeliefert sind.

Mason komponiert Unikate für einen bestimmten Ort, wo sie dreidimensional wahrgenommen werden sollen. Die völlig leere, 37 mal 47 Meter große Werkstattbühne, nur an einer Seite von fünf Sitzreihen und dem Regieplatz “angeknabbert”, ist eine ideale Spielwiese für ihn. Pechschwarz, sparsamster Lichteinsatz, um in der Tiefe des Raumes Akzente für die gerade Handelnden zu setzen.

Zum Auftakt von KAZ waren zuvor für die sogenannte Open-Air-Komposition “Processional” von Moritz Eggert drei regionale Blaskapellen, eine Jazz Big Band sowie die Blechbläser der Wiener Symphoniker durch Bregenz marschiert bzw. hatten sich gemeinsam am Vorplatz des Festspielhauses zu einem gemeinsamen Konzert getroffen. Mit rund 900 Besuchern war dies die bisher erfolgreichste Einzelveranstaltung im Rahmen der Festspielreihe KAZ.

Das Musiktheater “De hleeo …” wird ein zweites Mal am Sonntag um 20 Uhr aufgeführt.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Bregenz
  • Bregenzer Festspiele: KAZ-Auftakt mit Blasmusik und "Geräuschtheater"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen