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Bregenz: So reagieren die Bewohner auf den Masterplan für die Südtirolersiedlung

Wie sehen Bewohner die Pläne von Stadt und Vogewosi?
Wie sehen Bewohner die Pläne von Stadt und Vogewosi? ©VOL.AT/Mayer
Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Vogewosi und Stadt Bregenz stellten ihren Masterplan für die Zukunft des Wohnens in der Südtirolersiedlung vor. Nicht alle Bewohner sind davon sonderlich begeistert.
So soll es mit der Südtirolersiedlung weitergehen

Vogewosi und Stadt Bregenz planen, einen Teil der Siedlung neu zu bauen, ein Teil soll stehen bleiben. Der Südtirolerplatz mit dem Torbogen soll als städtebauliches Denkmal stehen bleiben. Das sagen die Bewohner der Siedlung.

"Bei uns wird man umbauen"

Das Ehepaar Fulterer wohnt schon seit rund 45 Jahren in der Siedlung. Ihre Wohnung liegt am Südtirolerplatz. "Bei uns wird man umbauen wahrscheinlich", meint Hans-Karl gegenüber VOL.AT. Seit 1979 sind sie da, haben vieles selbst renoviert und sich ein Zuhause geschaffen. Auch das Beisammensein mit Nachbarn, die man schon lange kenne, schätzen sie.

Das Ehepaar Fulterer wohnt seit 45 Jahren in der Siedlung. ©VOL.AT/Mayer

"Wir freuen uns, wenn's renoviert wird. Wir möchten aber dann auch gerne wieder zurück", meint Renate. 172.000 Schilling habe das Bad gekostet, der Kachelofen 40.000 Schilling, schildert sie. "Das haben wir halt investiert, damit wir es fein haben. Es ist halt alt, aber es ist wunderbar zum Wohnen." Im unteren Stock gebe es eine Wohnung, die ständig schimmle, dort seien schon mehrere Familien wieder ausgezogen. Das habe aber auch mit dem Heizen zu tun. "Wir haben keinen Schimmel", verdeutlicht das Paar.

Renate Fulterer lehnt am Kachelofen. Diesen ließ das Paar selbst einbauen. ©VOL.AT/Mayer

"Auf die Straße kommen wir nicht"

Die beiden haben kein Interesse daran, weit fortzuziehen, insbesondere da ihr Enkel gerade in die Nähe gezogen ist. Sie möchten zumindest in der Gegend bleiben. Was die Vogewosi plant, ist von Bedeutung. "Ich finde es großartig, dass ein Teil einfach stehen bleibt, da es auch eine Geschichte hat." Es sei notwendig, immer wieder zu renovieren und zu arbeiten.

Die steile Stiege ist nicht ideal. ©VOL.AT/Mayer

Ein Punkt, der ihnen an ihrer Wohnung bisher nicht gefällt, ist die Stiege. Diese geht steil rauf zu ihnen in den ersten Stock, auch das Stiegenhaus ist eng. Dort im Alter hochzukommen, werde immer schwerer, so Hans-Karl gegenüber VOL.AT. Man merke teils auch, dass die Vogewosi teilweise nicht mehr viel gemacht habe – etwa bei den Türen, die sie selbst eingebaut haben. Unsicherheit gibt es bei ihnen keine. "Ich denke, auf die Straße kommen wir nicht. Wir werden was anderes bekommen, aber es sollte halt halbwegs für uns passen", so Frau Fulterer. Sie sind gerne in der Siedlung, aber auch eine moderne Wohnung mit Lift oder Balkon wäre für sie gut.

"Super Gegend"

Gebhard Kleber wohnt ebenfalls in der Südtirolersiedlung und ist zufrieden mit den Neubauplänen. Auch die Anpassung bezüglich der Heizung, gefällt ihm. "Mir passt es gut, dass man hier neu baut", meint er. Man wisse nur nicht, bis wann das passiere. "Man hat gestern telefoniert. Es kann drei Jahre sein, es kann 10 Jahre sein. Man weiß nichts Genaues." Noch einmal umzuziehen in einen Neubau wäre gut.

Die Wohnungen zu sanieren, sei wahrscheinlich nicht rentabel, so Kleber.
Die Wohnungen zu sanieren, sei wahrscheinlich nicht rentabel, so Kleber. ©VOL.AT/Mayer

Ihm gefällt seine Wohnung in der Siedlung. "Super Gegend", meint er. Schon 22 Jahre lang wohnt er in der Südtirolersiedlung und meint: "Ich bin gerne da." Es gebe viele ältere Leute "denen es nicht passt", so Gerhard Kleber und fügt hinzu: "Sie täten lieber noch bleiben und nicht erneut umziehen. Mir ist es recht."

Große Unsicherheit bei Verica von "verlockend"

Verica Milenkovic führt seit acht Jahren den Friseursalon "verlockend" inmitten der Südtirolersiedlung. Sie selbst wohnt ebenfalls in der Siedlung, allerdings nicht in einer Wohnung der Vogewosi, sondern direkt über dem Salon.

Die Unsicherheit sei schon groß.
Die Unsicherheit sei schon groß. ©VOL.AT/Mayer

Sie habe einige alleinstehende und geschiedene Kundinnen, die in der Siedlung wohnen. "Sie haben hier eine günstige Wohnung", gibt sie zu verstehen. "Ich habe schon etwas Angst, dass die dann irgendwann das Doppelte zahlen und nicht mehr zum Friseur können", verdeutlicht Vera, wie sie genannt wird. Auch, dass sie durch die Baustelle weniger Arbeit haben könnte, befürchtet sie bereits. Sie hoffe jedenfalls, dass ihr Friseurgeschäft nicht wegfalle.

"Was tun sie, wenn sie plötzlich das Doppelte zahlen? Ich lasse es auf mich zukommen" ©VOL.AT/Mayer

Sie müsse bleiben, da das ganze Haus unter Kredit stehe. "Das ist meine Existenz", betont sie. "Ich finde es schade, dass die alten Menschen, die ewig hier wohnen, nochmal eine Veränderung bekommen und vielleicht herausgerissen werden. Ob es da nicht eine andere Lösung gibt?"

Video: Bewohner im Gespräch

"Dann haben wir nur noch 80, jetzt haben wir 280"

"Gestern haben wir den Flyer bekommen, dass es jetzt abgerissen wird", erklärt Jasmine Morscher. Die Taxifahrerin wohnt in der Südtirolersiedlung und ist Mitbegründerin der Initiative für deren Erhalt. "Der Friseur bleibt stehen als einziges. Der wird auch eine Freude haben, weil nachher die ganzen Kundschaften wegfallen", so Morscher.

Dass die Wohnungen hochmodern seien, schlage sich sicher auch im Preis nieder, befürchtet sie. ©VOL.AT/Mayer

"Man hat uns nicht informiert, welche Seite zuerst abgerissen wird, ob man dann derweil in eine andere Wohnung kommt." In dem Formular sei zudem von 400 Wohnungen die Rede. "80 davon werden wieder Sozialwohnungen sein." Das sei das verpflichtende Kontingent der Vogewosi. Es gebe also nicht 120 Wohnungen mehr, sondern genau zweihundert Sozialwohnungen weniger. "Dann haben wir nur noch 80, jetzt haben wir 280", so Morscher.

"Das ist einfach der Burner"

Sie kenne Frauen, die 70 Jahre alt seien und ewig in der Siedlung wohnen. "Die haben Geld reingesteckt, die wohnen schon das Leben lang da. Wo will man die hinsiedeln?" Sie wundert sich auch, ob man die Investitionen in die eigene Wohnung irgendwie ersetzt bekomme. Das sei alles eine Geldfrage, wie auch der Umzug in eine womöglich teurere neue Wohnung. "Das ist einfach der Burner", meint sie.

Die Stimmung bei ihren Nachbarn sei miserabel. Auch ihre 87-jährige Mutter sei nicht begeistert. "Sie ist noch zu fit für ein Altenheim. Was soll sie jetzt? Betreutes Wohnen? Und ich bin an einem anderen Ort, was weiß ich wie viele Kilometer weg", so die Bregenzerin. "Für uns, die wir hier wohnen, ist es echt ein Drama." Die Mitglieder der Initiative und die Bewohner würden versuchen, zusammenzukommen und eine Lösung zu finden. "Auf alle Fälle werden wir uns nochmal zusammensetzen", verdeutlicht Jasmine Morscher abschließend.

(VOL.AT)

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