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Bregenz in Finanznöten: Kosten für Investitionen explodieren

©VN/Canva
Die Stadt Bregenz will in einem Konsolidierungsprozess bis 2026 jährlich fünf Mio. Euro einsparen. Gleichzeitig schnellen die Kosten für die Bauprojekte in die Höhe.

Grund sei die verschlechterte finanzielle Situation aufgrund der Pandemie, informierte die Stadt nach dem Stadtvertretungsbeschluss in einer Aussendung. Bregenz weise wie viele Gemeinden ein strukturelles Haushaltsdefizit auf, sinkende Ertragsanteile und steigende Ausgaben hätten die Lage zuletzt verschärft. Zudem werden das neue Hallenbad und der Festspielhaus-Ausbau teurer.

Der Konsolidierungsprozess sei bereits im Juni 2021 eingeleitet worden, zunächst durchforstete dazu das Beratungsunternehmen BDO/ICG Integrated Consulting den Haushalt, dann wurden in Arbeitsgruppen Einsparungspotenziale identifiziert und ein Konsolidierungsziel erarbeitet. Die Corona-Krise werde die Stadt noch einige Jahre begleiten, so Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ). "Um nach dem Prinzip der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit zu arbeiten, haben wir deswegen bis 2026 Einsparungspotenziale von insgesamt 20 Millionen Euro beschlossen", sagte Ritsch. Es werde aber weder einen Leistungskahlschlag geben noch eine Schließungswelle von Gemeindeeinrichtungen, auch keine Kündigungen. Gespart werden soll durch eine effizientere Verwaltung und durch Nichtnachbesetzungen bei Pensionierungen oder Austritten.

Ausbau des Festspielhauses

Die verschobenen Investitionen belasten nun das derzeitige und künftige Budgets stärker, zumal einige Vorhaben aufgrund der Preisentwicklung im Baubereich teurer werden als veranschlagt.

Bis 2024 soll die dritte große Ausbaustufe beim Bregenzer Festspielhaus abgeschlossen sein. Dabei wird die Werkstattbühne modernisiert und durch einen Zubau ergänzt, die Außentribüne wird komplett erneuert, die Seebühne generalüberholt, Fassaden und Flachdächer des Bestandes werden saniert, die Bühnentechnik im Hauptgebäude sowie der Küchen- und Gastrobereich modernisiert.

Wie Bürgermeister Michael Ritsch berichtet, sind nunmehr im Rahmen des Großprojektes weitere Auftragsvergaben erfolgt. Dazu zählen die gesamten Baumeisterarbeiten für die Erneuerung der Außentribüne um 5,7 Millionen Euro netto sowie die Holzbauarbeiten für das Mehrzweckgebäude neben der Werkstattbühne um 685.000 Euro netto, in dem unter anderem eine Montagehalle für die Herstellung der Bühnenbilder untergebracht wird.

Mehrkosten

In der Stadtvertretungssitzung vom 31.3.2022 wurde aber auch der Umstand thematisiert, dass es bis zur Fertigstellung der Baustufe III aufgrund der aktuellen Preisentwicklungen zu entsprechenden Mehrkosten kommen wird. Deren Berechnung ist noch nicht abgeschlossen. In der ursprünglichen Schätzung vom Juni 2021 wurden Gesamtkosten von 60,5 Millionen Euro veranschlagt. Nach den derzeitigen Entwicklungen sind jetzt erneut Gespräche mit den Subventionsgebern Bund und Land notwendig.

Hallenbad-Neubau startet im Herbst

Nach Abschluss der Erdbewegungen samt Baugrubensicherung soll im Oktober dieses Jahres der endgültige Startschuss für den Neubau des Hallenbades samt Sauna in Bregenz erfolgen. Das Großprojekt, das auch die Sanierung der bestehenden Freibadeanlagen umfasst, stand jetzt erneut auf der Tagesordnung der Stadtvertretung am 31. März. Das teilte Bürgermeister Michael Ritsch mit.

Demnach wurden die Baumeisterarbeiten mit Pfahlfundierung und Erstellung von Spundwänden zur Wasserrückhaltung beschlossen. Sie belaufen sich auf rund 18,5 Millionen Euro netto. Gleichzeitig wurde über die zu erwartenden Kostensteigerungen diskutiert, die auf der Preisbasis 2022 rund 11,5 % betragen und eine Gesamtinvestition von rund 68,1 Millionen Euro erwarten lassen. Berücksichtigt man die Indexierung von Bauleistungen bis zur Fertigstellung 2025, ist mit weiteren Kostenanpassungen zu rechnen. Schließlich trägt sich die Stadt mit dem Gedanken, die bislang geplante Energiebereitstellung mittels Seewassernutzung, Blockheizkraftwerk und modellierbarer Biogasheizung noch durch eine großflächige Fotovoltaikanlage zu ergänzen. In Summe führt das zu möglichen Projektkosten von knapp 72 Millionen Euro.  

Pipeline-Ausbau

Der rund 900 m lange Abschnitt stellt die Stadt als Projektbetreiberin und Bauherrin vor große Herausforderungen. Auf zwei Dritteln der Strecke soll – ähnlich wie beim ersten Teilstück – ein ökologisch wertvolles Flachufer entstehen. Dafür müssen aber ca. 100.000 m3 Schüttmaterial in den Seegrund verbaut werden. Außerdem ist die Anlage einer rund 280 m langen neuen Ufermauer notwendig. Rad- und Fußwege werden wie bisher konsequent voneinander getrennt. Attraktivität und Aufenthaltsqualität werden unter anderem auch durch Sitzbänke, Duschen und eine entsprechende Grünraumgestaltung erhöht. So sollen auch standorttypische, schattenspendende Pflanzen einen ökologischen Mehrwert schaffen.

Kostenschätzungen gehen von einer Gesamtinvestition von ca. 9,2 Millionen Euro aus. Nach Abzug der Förderungen durch Bund und Land in Höhe von 6,1 Millionen Euro verbleibt für Bregenz zunächst ein Aufwand von 3,1 Millionen Euro. Der städtische Anteil soll durch finanzielle Beteiligungen von Lochau, Hörbranz, Hohenweiler, Möggers und Eichenberg in den Jahren 2023 bis 2025 nochmals um 850.000 Euro auf 2,25 Millionen Euro reduziert werden.

Fortsetzung der Quartiersentwicklung

Erst kürzlich hat die Stadt ein weitgehend verkehrsfreies Zentrum beschlossen. Mit der dritten Etappe der Quartiersentwicklung Leutbühel wird die Umsetzung dieses Plans jetzt noch konkreter. Wie Bürgermeister Michael Ritsch mitteilt, habe man den Umbau der Rathausstraße, Anton-Schneider-Straße und Bergmannstraße bis zum Sommer 2023 beschlossen.

Die Arbeiten für das Baulos III der Quartiersentwicklung starten im September dieses Jahres. Sie kosten für die ca. 3.100 m2 in der Rathausstraße und in der Anton-Schneider-Straße knapp 2,9 Millionen Euro. Für die Neugestaltung der Bergmannstraße im Ausmaß von rund 1.300 m2 müssen weitere 924.000 Euro ausgegeben werden.

(APA/VOL.AT)

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