"Brauchen die richtigen Typen"

Für Altachs Coach Georg Zellhofer zählt neben der Qualität eines Spielers auch dessen Charakter und Mentalität.

VN: Ihr erster Eindruck von der Mannschaft?
Georg Zellhofer:
Ich sehe es durchaus von der positiven Seite. Was wirklich fehlt sind Führungsspieler, die auch den anderen helfen können. Einen solchen sehe ich im Moment nicht.

VN: Wie wollen Sie bei einer Mannschaft, die es gewohnt ist, zu verlieren, den Schalter umdrehen?
Zellhofer:
Es kann nur über Qualität gehen. Wir müssen die richtigen Typen finden, die uns weiterhelfen. Charakter, Mentalität und Qualität müssen passen, dann kann es ein gegenseitiges Befruchten geben. So ehrlich müssen wir sein: Altach fehlt die Qualität. Stände der Klub auf Platz drei in der Tabelle, hätte es keine Trainer- bzw. Spielerdiskussion gegeben.

VN: Drei Spieler, TomហJun, Markus Kiesenebner und Josef Schicklgruber wurden bereits definitiv verpflichtet. Entsprechen diese Ihren Ansprüchen?
Zellhofer:
Absolut, wenngleich sie aus verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten sind.

VN: Heißt konkret?
Zellhofer:
Kiesenebner ist für den Klub kein finanzielles Risiko, er hat einen leistungsbezogenen Vertrag unterschrieben. Bei ihm zählt in erster Linie der Faktor Gesundheit. Ist er gesund, dann kann er uns viel helfen. Er ist ein Wettkampftyp, braucht nicht viele Spiele.

VN: Und Josef Schicklgruber?
Zellhofer:
Viele sehen bei ihm nur sein Alter (Anm. d. Red.: 41 Jahre), für mich aber zählt folgendes: Wir haben nicht viel Zeit, Pepi kennt die Liga und die Stürmer in- und auswendig. In Sachen Lufthoheit zählt er in Österreich zu den Besten, er spricht die richtige Sprache. Er ist ein absoluter Matchtyp.

VN: Was wissen Sie über den Tschechen Jun?
Zellhofer:
Ich beobachte ihn schon lange und habe viele Informationen über ihn eingeholt. Mit 26 Jahren ist er im besten Alter und er will, das ist wichtig. Vor seiner Unterschrift ist er nach Altach gefahren und hat sich alles angeschaut, ohne dass wir es wussten – das gefällt mir.

VN: Ist Petr Vorisek, einer Ihrer Lieblingsschüler, auch ein Thema?
Zellhofer:
Ihn zu bekommen, wäre eine Supersache für Altach, aber die Chancen stehen nicht so gut. Immerhin ist er Kapitän bei Sparta Prag.

VN: Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?
Zellhofer:
Eine wichtige Personalie ist für uns eine hängende Spitze, ein Typ wie Muratovic bei Sturm. Damit wären wir von der Spielweise weitaus variabler als mit zwei Spitzen. Wichtig ist es, wie gesagt, noch drei, vier Qualitätsspieler zu bekommen. Damit auch die anderen spüren, dass sie davon profitieren und sich so Vertrauen in die eigene Stärke aufbauen können.

VN: Wie würden der Mensch Zellhofer den Trainer Zellhofer charakterisieren?
Zellhofer:
Schwierig zu beantworten. Du selbst glaubst, so zu sein und dann höre ich in Gesprächen mit anderen gegenteilige Meinungen. Wobei, Peitschenknaller bin ich sicher keiner. Wichtig ist mir gegenseitiger Respekt, und dass ich einem Spieler bei einem Wiedersehen in die Augen sehen kann.

VN: Was haben Sie als Trainer der beiden Wiener Großklubs Rapid und Austria gelernt?
Zellhofer:
Bisher meine schönste Zeit. Keine Sekunde möchte ich missen. Die Mentalität beider Klubs könnte unterschiedlicher nicht sein. Rapid ist Religion, wenn du da Platz sechs belegst, ist es zu wenig. Die Austria ist anders, ruhiger. Als ich kam, war der Klub Tabellenletzter, Sponsor Magna hat sich zurückgezogen. Zeitweise haben wir mit acht Österreichern gespielt. Oft wird vergessen, dass in der Zeit Ertl, Gercaliu oder Schiemer zu Teamspielern wurden.

VN: Was hat der Mensch Zellhofer in dieser Zeit gelernt?
Zellhofer:
Wien ist anders, dort pulsiert in Österreich die Fußballwelt, auch was die Medien betrifft. Ruhe gibt es nur bei Erfolg.

VN: Und jetzt Altach. Viele sprechen da von einem Abstieg?
Zellhofer:
Das sehe ich nicht so. Aber wenn ich zehn Leute frage, dann kann ich es eh neun nicht recht machen. „Was ist schon Altach?” oder „Warum tust du dir das an? – damit wurde ich natürlich konfrontiert. Ich aber sage: Dieser Klub hat ein Ziel, für das alle arbeiten, vom Co-Trainer angefangen bis hin zu den Freiwilligen. Deshalb geht derzeit in der Geschäftsstelle das Licht um 7.30 Uhr an um um 1.30 Uhr in der Nacht aus.

 

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