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Brachflächenrecycling gegen überschießenden Bodenverbrauch

Österreich ist Europameister im Zubetonieren (Symbolbild).
Österreich ist Europameister im Zubetonieren (Symbolbild). ©APA
In Österreich wird statistisch gesehen jeden Tag eine Fläche von 20 Hektar - das entspricht 30 Fußballfeldern oder einem durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betrieb - "zubetoniert".

Bei gleichbleibendem Bodenverbrauch würde es in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr geben. Maßnahmen, um diese Entwicklung zu stoppen, haben Experten in einer Studie erarbeitet, die am Mittwoch präsentiert wurde.

Alles muss scheinbar neu sein

“Österreich ist Europameister, was das Verbauen von Böden betrifft. Zugleich gibt es einen Rekord an leer stehenden beziehungsweise verfallenen Immobilien”, erklärte Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, in deren Auftrag die Studie von IHS (Institut für Höhere Studien) und KIHS (Kärntner Institut für Höhere Studien und wissenschaftliche Forschung) durchgeführt wurde. Er warnte bei einer Pressekonferenz in Wien vor der steigenden Gefahr durch Überschwemmungen und Dürre, da versiegelte Böden weder Wasser noch Kohlendioxid aufnehmen können.

Fläche von Wien steht ungenutzt leer

Österreichweit sind schätzungsweise 50.000 Hektar Fläche ungenützt. Dabei handelt es sich um leer stehende Gewerbe- und Industrieflächen sowie Wohnimmobilien. Das Ausmaß entspricht mehr als der Fläche von Wien. Bodenflächenrecycling sollte nun die Devise heißen – das Revitalisieren von Brachflächen bei gleichzeitiger Reduktion des Bauens auf der grünen Wiese.

Studienautorin Beate Friedl vom KIHS erachtet ein Bündel an Maßnahmen für notwendig. “Zuerst sind die bebauten und gewidmeten Flächen zu nutzen, ehe neue Flächen erschlossen und gewidmet werden. Erforderlich ist weiters, die Potenziale und die Möglichkeiten der Innenentwicklung in allen Orten auszuweisen”, sagte die Wissenschafterin. Obergrenzen für den Verbrauch an Flächen sollten verbindlich festgelegt und eine kommunale Nachweispflicht eingeführt werden.

Die öffentliche Hand muss fördern

Ohne Förderung durch die öffentliche Hand wird eine Revitalisierung der Brachflächen nicht durchführbar sein, erklärten Friedl und ihr Co-Autor Alexander Schnabl vom IHS. Er hat anhand einer angenommenen Förderquote von 50 Prozent – betreffend die Mehrkosten einer Revitalisierung im Vergleich zur günstigeren Alternative des Bauens auf der grünen Wiese – und 100 Millionen pro Jahr, die zehn Jahre lang zur Verfügung gestellt werden, volkswirtschaftliche Effekte errechnet. Bei voller Ausschöpfung der Förderquote ergäbe sich durch die Milliarde eine Wertschöpfung von 2,14 Milliarden Euro, es entständen 24.000 Vollzeitjahresarbeitsplätze. An Steuern und Abgabe würden 680 Millionen Euro an die öffentliche Hand zurückfließen, also zwei Drittel des Zuschusses. Daneben würden sich die Kommunen Kosten für Aufschließungen ersparen. Ausgeweitet werden müssten die Kapazitäten in drei Sektoren: In der Beseitigung von Umweltverschmutzungen, Abbrucharbeiten und Test- und Suchbohrungen.

Nationalbankpräsident Claus Raidl mahnte als Unterstützer der Initiative der Hagelversicherung, die gesellschaftspolitische Verantwortung wahrzunehmen. Der springende Punkt sei, wie gefördert werde: Indirekt durch die Möglichkeit, Investitionen von der Steuer abzuschreiben, oder direkt, was mit Bürokratie verbunden sei. Welche Stelle fördert, war nicht Thema der Studie. “Es gibt auf jeden Fall einen positiven Effekt für die Wirtschaft. Der Staat sollte sich die Förderung überlegen”, sagte der Nationalbankpräsident. “Wir sollten eine Diskussion darüber beginnen, wie wir Anreize schaffen. Ich bin gegen Zwang.”

(APA)

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