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BMW-Sauber stellte neuen Boliden vor

Das BMW-Sauber-F1-Team hat am Dienstag Vor­mittag in Valencia das neue Auto für die kommende Saison offiziell vorgestellt. Christian Klien bleibt weiterhin Testfahrer.

Der Hohenemer übernimmt im bayrisch-schweizerischen Team wie im Vorjahr die Rolle des Test- und Ersatzfahrers an der Seite von Robert Kubica (POL) und Nick Heidfeld (GER). Damit geht der 25-jährige Vorarlberger in seine sechste Saison als Formel 1-Profi.

Christian Klien wird den neuen F1.09 noch diese Woche erstmals fahren und bis zum Saisonstart (29.3.09 in Melbourne) noch weitere Tests absolvieren.

Christian Klien zum neuen Auto: “Beim ersten Rollout eines neuen Autos ist immer ein bisschen Herzklopfen dabei. Die Latte liegt in der kommenden Saison hoch wie nie, da wir jetzt als Siegerteam gesehen werden. Seriöse Aussagen über die Konkurrenzfähigkeit können wir aber erst machen, wenn alle Teams gemeinsam mit den neuen Autos testen. In meiner Rolle als dritter Pilot bin ich voll in alle Abläufe beim Testen und am Rennwochenende eingebunden. Durch die rigorose Beschränkung der Testtage ist es natürlich ein Bonus, wenn man als Ersatzpilot schon einige Jahre Rennerfahrung mitbringt. Mein Ziel bleibt klar ein Renncockpit und ich werde alles daran setzen, mich in diesem perfekten Umfeld, in dem ich mich jetzt befinde, auch dafür zu empfehlen.”

Interview mit Christian Klien:

War die Formel 1 Ihr Kindheitstraum?
Als Kind war ich sportlich sehr vielseitig. Egal ob Fußball oder Ski fahren, ich habe so ziemlich jeden Sport betrieben, den man in Vorarlberg machen kann. Der Funke ist übergesprungen, als ich etwa acht Jahre alt war. 1991 habe ich in Hockenheim mein großes Vorbild Ayrton Senna getroffen. Mein Vater und ich haben uns durch ein Loch im Zaun ins Fahrerlager geschlichen. Kaum drinnen, lief ich Senna direkt in die Arme. Ich trug ein T-Shirt von Harley Davidson und eine Salzburgring-Kappe. Ayrton kam spontan auf mich zu und forderte meinen Vater auf, doch ein Foto von uns beiden zu schießen. Er war sehr geduldig und konnte anscheinend Gedanken lesen, denn wir hatten uns nicht getraut, ihn um ein gemeinsames Foto zu bitten. Das hat damals viel in mir ausgelöst. Ich war von da an ein echter Motorsport-Fan und begann bald mit dem Kart fahren. Das Foto von Ayrton Senna und mir hängt übrigens immer noch groß bei mir zuhause.

Wie war Ihr Weg in die Formel 1?

Wir waren am Anfang völlig unbedarft, also keine richtige Motorsportfamilie. Es war auch alles eher als Zeitvertreib gedacht. Die ganze Familie war im Wohnwagen immer dabei. Wir sind quer durch Mitteleuropa gefahren. Meine Mutter hat gekocht, meine Schwester mit anderen Mädchen gespielt, mein Vater war anfangs Mechaniker und Rennstallbesitzer in einer Person. Überall anders sind die Profis mit ihren Motorhomes und ihrem sauteuren Equipment aufgekreuzt. Am anderen Ende stand meine kleine Bastlertruppe. Es war alles eher ein Spiel für mich. Aber als ich den anderen die Pokale weggeschnappt habe, wurden manche ziemlich ernst. Von da an wusste ich: Jetzt habe ich etwas gefunden, was ich anscheinend wirklich kann und was mir unendlich viel Spaß macht. Robert Kubica und seine Familie standen übrigens auch immer bei den belächelten Bastlern wie wir.

Kann man Formel-1-Fahrer heutzutage züchten?

Jeder Fahrer braucht zum einen Talent und zum anderen die richtige Förderung zum richtigen Zeitpunkt. Wenn kein Talent da ist, dann ist jede Förderung sinnlos. Aber viele starke Konkurrenten von früher sind nie auch nur in die Nähe der Formel 1 gekommen, weil sie falsch oder gar nicht unterstützt wurden. Ich war einige Jahre Teil des Nachwuchsprogramms von Red Bull, wo unglaublicher Leistungsdruck herrschte. Am Ende war ich der erste Fahrer, der durch dieses Programm in die Formel 1 befördert wurde. Dafür werde ich Red Bull immer dankbar sein. Auch wenn sich unsere Wege später getrennt haben, habe ich zu den zentralen Personen bei Red Bull nach wie vor ein ausgezeichnetes Verhältnis. Jetzt ist meine neue Familie das BMW Sauber F1 Team. Ich fühle mich hier voll integriert und kann meine Erfahrung einbringen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Teamkollegen?

Robert kenne ich, wie gesagt, schon seit unseren gemeinsamen Kart-Tagen. Wir sind viel gegeneinander gefahren. Auch später in der Formel Renault und Formel 3. Er war immer sehr schnell. Wir haben füreinander viel Respekt. Anders als unser Poker-König bin ich in der Freizeit doch eher für richtigen Sport, wie zum Beispiel Ski fahren am Arlberg. Nick ist schon viel länger dabei. Er war schon Formel-1-Testfahrer, als Robert und ich noch im Kart saßen. Aber wir arbeiten auch sehr professionell zusammen, und er hat wirklich eine Menge Erfahrung.

Hat die Formel 1 Ihr Leben verändert?

Ich versuche immer, beide Beine am Boden zu behalten. Uns Vorarlbergern sagt man nach, sehr bodenständig und fleißig zu sein. Daher hatte ich nie ein Problem mit dem so genannten Ruhm. Als ich in die Formel 1 kam, war es zunächst ein kleiner Schock, dass wildfremde Menschen mich plötzlich erkannten und ansprachen. Ich hatte wegen der Formel 1 erst wenige Wochen zuvor meine Arbeitsstelle als Blechschlosser aufgegeben. Das kam alles ziemlich abrupt. Im Wesentlichen verändert sich der Lebensstil: Statt mit dem Mofa zur Arbeit zu fahren, sitze ich seitdem halt hunderte Stunden in Flugzeugen, um woanders zu arbeiten. Das Wichtigste ist nur, dass du als Mensch derselbe bleibst. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Haben Sie auch manchmal Angst?

Im Cockpit eigentlich nicht. Sonst könnte ich diesen Job nicht machen. Ich habe nur manchmal ein ungutes Gefühl, wenn ich etwas nicht selbst kontrollieren kann. Als Kind schon hatte ich Riesenangst vor Achterbahnen. Da kriegt man mich auch heute noch nicht rein. Als hilfloser Passagier in so einem Ding – nein danke!

Was war das Verrückteste, das Sie je gemacht haben?

Das geht in dieselbe Richtung. Ich habe mich mal als Passagier in einen Kunstflieger schnallen lassen. Hannes Arch hat mich damals in Budapest dazu überredet, mit seinem Doppelsitzer mit zu fliegen. Das war hart an der Grenze. An G-Kräfte sind wir ja an sich gewöhnt. Aber mit dem Kopf nach unten ein paar Meter über der Donau einen Außen-Looping zu fliegen, das ist schon eine andere Kategorie. Das Wichtigste war, dass das Frühstück drin geblieben ist. Das war nicht immer bei allen Formel-1-Piloten der Fall.

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