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"Bin bei BMW voll involviert"

Der Hohenemser Formel1-Pilot Christian Klien bereitet sich im Ländle konditionell auf die neue Saison vor.

VN: Nach dem Gespräch wartet wohl schon wieder der Konditionstrainer auf Sie?
Christian Klien:
Durch Daniel bleibe ich fit. Hier im Olympia­stützpunkt haben wir alles, was wir brauchen. Am Dienstag „hetzte” er mich durch die Rappenloch-Schlucht ins Ebnit und dann auf die Hohe Kugel durch 70 cm Schnee.

VN: Bei BMW-Sauber ist für nächstes Jahr vertraglich bereits alles unter Dach und Fach. Du kannst also erstmals in deiner F-1-Karriere Weihnachten und Neujahr gelassen entgegenblicken.
Klien:
Außer bei Jaguar im ersten Jahr war es wirklich immer der Fall, dass ich vor Weihnachten nicht wusste, was ich im darauffolgenden Jahr machen werde. Diese Ungewissheit war unangenehm und bedrückend. Heuer kann ich endlich gelassen in den Winter gehen, mich viel besser vorbereiten und natürlich auch etwas besser schlafen.

VN: Wie weit sind die Verträge mit Peugeot gediehen?
Klien:
Noch ist nichts unterschrieben. Peugeot hat aber großes Interesse bekundet und ich denke, dass es wieder so wie heuer ablaufen wird, dass ich also wieder ein bis zwei Rennen fahren werde. Im Jänner werden wir zusammensitzen und alles besprechen, die Termine fixieren und alles mit BMW abstimmen. Das Highlight – die 24 Stunden von Le Mans – erst im Juni, also haben wir noch etwas zeitlichen Spielraum. Ich bin erst wieder letzte Woche in Paul Ricard beim 30-Stunden-Funktionstest involviert gewesen. Zusammen mit Wurz, Lamy und Montagny haben wir ohne ein einziges Problem 6300 Kilometer im Renntrimm abgespult. Ich war sieben Stunden im Cockpit, davon drei Stunden am Stück in der Nacht. Das ist mental sehr anstrengend, weil du ganz alleine auf der Strecke bist, ohne einen einzigen Gegner. Das ist dann wirklich nur mehr harte Arbeit.

VN: Du hast jetzt bereits deine fünfte F1-Saison hinter dir, warst bei fünf Teams (Jaguar, Red Bull, Tests bei Spyker, dann Honda und aktuell bei BMW-Sauber). Wo hast du dich bisher am wohlsten gefühlt?
Klien:
100-prozentig bei BMW-Sauber! Durch die Nähe zu Hinwil und München ist es viel einfacher, Kontakt zum Team aufzunehmen. Die ähnliche Mentalität und die Sprache helfen sehr viel. Ich konnte mich in extrem kurzer Zeit voll ins Team involvieren. Zudem gefällt mir gut, dass es bei BMW ganz klare Strukturen gibt, sehr professionell und zielorientiert gearbeitet wird. Die Ziele werden auch erreicht und so macht es als Test- und Ersatzfahrer viel Spaß, weil dadurch deine Arbeit Sinn macht.

VN: Heuer wurde erstmals kein einziger Ersatzfahrer bei den zehn Teams gebraucht. Keine guten Aussichten für ein Renn-Comeback?
Klien:
Fahrerrochaden oder Unfälle mit verletzten Piloten sind nicht vorhersehbar. Das kann 2009 wieder ganz anders kommen. Aber generell spekulierst du als Ersatzfahrer in erster Linie nicht auf einen Renn­einsatz. Die Aufgabe ist ganz klar die Weiterentwicklung des Autos.

VN: Gibt es eine Klausel, dass du, sollte dir ein anderes Team Renneinsätze anbieten, aus dem Vertrag rauskommst? Klien: Natürlich! Das ist bei jedem Testfahrer-Vertrag ganz normal, das wenn du ein anderes Renncockpit offeriert bekommen solltest, du dann – nach Rücksprache mit deinem Team – aussteigen kannst.

VN: Stammpilot Nick Heidfeld war im Spätsommer eine Zeit lang für 2009 ein Wackelkandidat. Hat es in dieser Phase vermehrt Gespräche mit dir gegeben?
Klien:
Nein! Es war so, dass die neuen Fahrerverträge heuer hinausgezögert wurden und die Presse sofort Spekulationen anstellte. Hinter den Kulissen ist das Team immer voll hinter Heidfeld gestanden. Das hat ihm sehr geholfen, seine Krise zu überwinden.

VN: Der andere Einsatzfahrer, Robert Kubica, hat zuletzt das Team mehrfach dahingehend heftig kritisiert, dass die Weiterentwicklung am Auto gegen Saisonende zu wenig forciert wurde. Wie siehst du das?
Klien:
Bis zur Saison­mitte waren wir auf dem Level von Ferrari und McLaren. In der zweiten Hälfte hatten wir gleich zwei Evolutionsstufen, die nicht das gebracht haben, was wir uns insgeheim erhofft hatten. Deshalb haben wir etwas den Anschluß verloren, aber man kann sicherlich nicht behaupten, dass ein Stillstand eingetreten wäre.

VN: Was steht heuer noch auf dem Programm und wann findet die Präsentation des neuen Boliden statt?
Klien:
Ich werde kommende und übernächste Woche jeweils in Jerez weitere Testfahrten mit dem BMW-Sauber-Renner absolvieren. Die Präsentation ist momentan auf den 20. Jänner auf der Rennstrecke von Valencia angesetzt. Da könnte sich aber, aufgrund der momentanen politischen und finanziellen Turbulenzen in der Formel 1, noch etwas ändern.

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