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Bildungsstandards: So wird bewertet

Die einzelnen Kriterien, nach welchen die Tests durchgeführt werden, im Überblick. AUSGANGSWERT: Als Ausgangswert wurden die Resultate einer sogenannten "Baseline-Testung" mit allerdings nur rund 10.000 Schülern im Jahr 2009 herangezogen und der Durchschnittswert mit 500 festgelegt.

Seither haben sich die Resultate der Schüler verbessert – auf einen Österreich-Schnitt von 535. Mögliche Erklärungen für diese Verbesserung sind Auswirkungen bereits gesetzter bildungspolitischer Maßnahmen oder aber höheres Engagement der Schüler bei der ersten “echten” Überprüfung.

BILDUNGSHINTERGRUND: Der Bildungshintergrund hat starken Einfluss auf die Ergebnisse: Immerhin zwölf Prozent der Akademikerkinder erreiche die höchste Kompetenzstufe 3, aber nur ein Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Umgekehrt verfehlen nur sechs Prozent aller Akademikerkinder die Standards (Kompetenzstufe “Unter 1”), aber 37 Prozent der Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss.

BUNDESLÄNDERVERGLEICH: Das beste Bundesländer-Ergebnis erzielte Oberösterreich (548 Punkte), gefolgt von Salzburg (545), Tirol (543) und Niederösterreich (541). Im Mittelfeld liegen die Steiermark (534) und das Burgenland (532), am Ende Vorarlberg (527), Kärnten (522) und Wien (517). Der Österreich-Schnitt liegt bei 535 Punkten. Bezieht man Umstände wie den Migrations- und den sozialen Hintergrund der Schüler mit ein (“fairer Vergleich”), zeigt sich ein etwas anderes Bild: Zwar schneiden auch hier die Oberösterreicher weit über dem Erwartungswert ab und liegen an der Spitze, auch Tirol und Salzburg liegen besser als erwartet. Wien und Vorarlberg befinden sich dagegen in etwa im Rahmen der Erwartungen, Niederösterreich und die Steiermark etwas darunter. Signifikant schlechter als von der Schülerpopulation zu erwarten sind die Ergebnisse im Burgenland und vor allem in Kärnten.

“FAIRER VERGLEICH”: Für diesen wird nicht der absolute Punktewert herangezogen, sondern das aufgrund der Zusammensetzung der Schülerpopulation “erwartbare” Ergebnis. Grob gesprochen: Für eine Schule/ein Bundesland, wo viele Schüler Migrationshintergrund, die Eltern häufig nur einen Pflichtschulabschluss und verhältnismäßig gering qualifizierte Jobs haben, wird ein geringeres Ergebnis erwartet als in einer Schule/einem Bundesland, wo vor allem “einheimische” Akademikerkinder unterrichtet werden. Ziel ist eine bessere Einordnung der Leistungen an einer Schule bzw. in einem Bundesland.

GESCHLECHTERUNTERSCHIED: Burschen erreichten einen Schnitt von 539 Punkten, Mädchen 532. Deutliche Unterschiede gibt es in der Spitzengruppe: In der höchsten Kompetenzstufe sind 60 Prozent Burschen und 40 Prozent Mädchen.

GETESTETE SCHÜLER: Insgesamt wurden für die Erhebungen 79.678 Schüler in den vierten Klassen Hauptschule/Neue Mittelschule/AHS-Unterstufe im Fach Mathematik getestet. Das entspricht rund 92 Prozent aller Schüler dieser Schulstufe. Rund drei Prozent waren von der Überprüfung ausgenommen (z.B. außerordentliche Schüler, behinderte Schüler), rund fünf Prozent waren am Testtag abwesend oder haben die Schule gewechselt.

KOMPETENZSTUFEN: Die höchste Kompetenzstufe (Stufe 3: “Standards übertroffen”, Mindestpunktanzahl 691) erreichen 4,8 Prozent – insgesamt sind das ca. 3.800 Schüler. 52, 6 Prozent (42.000 Schüler) schafften Stufe 2 (“Standards erreicht”, Mindestpunktezahl 518), 25,9 Prozent (20.600 Schüler) Stufe 1 (“Standards teilweise erreicht”, Mindestpunktezahl 440). 16,7 Prozent (13.300 Schüler) liegen auf der Kompetenzstufe “Unter 1” (“Standards nicht erreicht”).

LEISTUNGSSTREUUNG: Die schlechteste Schule (eine Hauptschule) erreichte knapp über 350 Punkte, die beste knapp unter 700 (eine AHS). Die beste Hauptschule erreichte immerhin den vierten Gesamtrang und rund 670 Punkte, die schlechteste AHS nur rund 440 Punkte.

MIGRANTEN: Insgesamt haben 18 Prozent der getesteten Schüler Migrationshintergrund. Sie erreichen einen Mittelwert von 480 Punkten, “einheimische” Schüler kommen im Schnitt auf 67 Punkte mehr (547). Der Leistungsabstand zwischen Migranten und Einheimischen an den Pflichtschulen (Hauptschulen/Neue Mittelschulen) beträgt 68 Punkte, an den AHS ist er geringer (42 Punkte). Insgesamt erreichen 35 Prozent der Migranten die Standards nicht, bei den Einheimischen sind es 13 Prozent.

NEUE MITTELSCHULEN (NMS): Die Ergebnisse der NMS werden nicht extra ausgewiesen. Begründung: Nur 67 der 1.400 getesteten Schulen waren bereits NMS, auf Bundesländerebene wären Schulen sonst identifizierbar geworden.

“PROBLEMZONEN”: Im Pflichtschulbereich sind das die Hauptschulen/Neuen Mittelschulen (NMS) in Wien mit einem Mittelwert von 441 Punkten (Ö-Schnitt: 504 Punkte). Dort erreichen 51 Prozent der Schüler die Bildungsstandards nicht (Kompetenzstufe “Unter 1”; Ö-Schnitt: 24 Prozent). An Kärntner Pflichtschulen (491 Punkte) sind es ebenfalls überdurchschnittliche 28 Prozent. Im AHS-Bereich sind die Leistungsdifferenzen nicht so eklatant – verhältnismäßig wenige Top-Leistungen gibt es aber in Wien (acht Prozent der AHS-Schüler auf der obersten Kompetenzstufe; Ö-Schnitt: elf Prozent), dem Burgenland und Kärnten (je neun Prozent).

SCHULTYPEN: Die AHS-Unterstufenschüler erreichen im Schnitt 600 Punkte, die Hauptschüler bzw. Schüler an den NMS 504 Punkte (Gesamt-Schnitt: 535 Punkte). An den AHS übertreffen elf Prozent die Standards und erreichen die höchste Kompetenzstufe 3, an den Pflichtschulen ist es nur ein Prozent. Umgekehrt erreicht an den AHS nur ein Prozent die Standards nicht (Kompetenzstufe “Unter 1”), an den Pflichtschulen ist es fast ein Viertel (24 Prozent). Besondere Problemzone sind die Hauptschulen/NMS in Wien. An ihnen erreichen 51 Prozent der Schüler die Bildungsstandards nicht.

“VORBILDER”: Im AHS-Bereich erreichen die Oberösterreicher die besten Leistungen (629 Punkte): 19 Prozent übertreffen die Standards (“Kompetenzstufe 3”; Ö-Schnitt: elf Prozent), null Prozent erreichen sie gar nicht “(Kompetenzstufe “Unter 1”; Ö-Schnitt ein Prozent). Im Pflichtschulbereich liegt Tirol ex aequo mit Oberösterreich an der Spitze (521 Punkte) und erreicht (gleichauf mit Salzburg) den besten Wert bei den Risikoschülern: Nur 17 Prozent erreichen die Standards nicht (Ö-Schnitt: 24 Prozent).

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