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Bildungsstand der Lehranfänger: Wirtschaft hilft sich selbst

Der Ausbildungsstand der Lehrlinge beschäftigt Vorarlberg.
Der Ausbildungsstand der Lehrlinge beschäftigt Vorarlberg. ©VOL.AT
Fast jeder fünfte Lehrling schafft die Lehrabschlussprüfung nicht. Landeshauptmann Markus Wallner ruft nun Ende September die Sozialpartner zum Sondergipfel ins Landhaus. In der Wirtschaft hilft man sich währenddessen selbst.
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Wallner will Sondergipfel

Heuer fielen quer durch alle Branchen 17,9 Prozent der Vorarlberger Lehrlinge bei der Lehrabschlussprüfung durch. Aus Sicht der Unternehmen hapert es meist bereits beim Lehrantritt. So kritisierte bereits im Juli Gerhard E. Blum im Rahmen der Bilanzpräsentation über den mangelnden Bildungsstand der Schulabgänger.

In den einzelnen Unternehmen ist das Bild differenzierter. Einerseits habe man sehr starke Lehrlinge, die sich bewusst für die Lehre entschieden hätten, erklärt der Leiter der Lehrlingsausbildung bei Zumtobel, Felix Stecher, gegenüber VOL.AT. Dem gegenüber stünden jedoch auch sehr kleines Mittelfeld und Jugendliche, die sich sowohl in der Schule als auch der Lehre eher schwer täten.

Industrielle hoffen auf “nüchterne Weiterentwicklung”

Bei der Industriellenvereinigung Vorarlberg sieht man die Lage auf dem Lehrlingsmarkt durchaus kritisch. “Von vielen Unternehmen erhalten wir die Rückmeldung, dass es bei vielen Bewerbungen Defizite in den notwendigen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen gibt”, sagt IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher. Hinzu komme die demografische Entwicklung und die damit verbundene Abnahme der Lehrlingszahlen – die langfristig auch dem Wirtschaftsstandort schaden würden. Eine reine Panikmache wolle man jedoch vermeiden. “Es geht um eine nüchterne Weiterentwicklung des bisherigen Erfolgsmodells Lehre, das in vielen Betrieben immer noch sehr geschätzt wird”, betont Burtscher.

Fördermaßnahmen für Lehrlinge sind Standard

“Die demografische Entwicklung ist für uns tatsächlich spürbar”, stimmt Stecher zu. Die Zahl der Jugendlichen werde immer kleiner, während die Plätze an den weiterführenden Schulen konstant bleiben. Hinzu komme, dass viele eine höhere Bildung als Garant für eine gute Zukunft des Kindes sehen. Dies hat auch seine Auswirkungen auf den Lehrlingsmarkt. Den größten Nachholbedarf ortet Stecher bei den Mathematik- und Deutschkenntnissen. Daher gehören Fördermaßnahmen bei den Lehrlingsausbildern bereits quasi zum Standard.

Fördervormittag bei Liebherr

“Die Bandbreite der Lehrlinge ist sehr groß”, bestätigt ebenfalls Unternehmenssprecher Wolfgang Pfister vom Liebherr-Werk in Nenzing. Sie reiche von Lehranfängern mit Gymnasiumsreife bis hin zu schwachen Schülern. Reagiert hat man darauf bei Liebherr mit einem zusätzlichen Vormittag für Fördermaßnahmen im ersten Lehrjahr neben der Berufsschule. Dieser ist der Themenbesprechung, Nachhilfe und den offenen Fragen der Lehrlinge gewidmet, erklärt Pfister. Das Ergebnis: Die 140 Liebherr-Lehrlingen haben einen Notenschnitt von 1,92, heuer ist von den knapp 40 angetretenen Prüflingen nur einer an einer Teilprüfung gescheitert. Von einer Durchfallquote von 17,9 Prozent ist man also weit entfernt.

 “Austausch immer sinnvoll”

Hilfreich ist natürlich auch der gute Name eines Unternehmens, weiß Stecher. So konnte die Zumtobel Group auch dieses Jahr seine Wunschkandidaten für eine Lehre beim Vorarlberger Lichttechnikhersteller gewinnen. Die Erwartungen an den Sondergipfel im September sind durchwachsen. “Ein Austausch ist immer sinnvoll”, betont Stecher. Die Unternehmen würden jedoch bereits das ihnen Mögliche leisten, nun wäre die Politik gefordert. Auch Pfister erwartet keine Allheillösung. “Es gibt viele Akteure: Die Eltern, die Schule und der Lehrling selbst”, da könne man nicht einfach eine Stellschraube drehen sondern müsse vielmehr alle in die Verantwortung nehmen. Burtscher wiederum sieht Politik, Schulen, Eltern und Betriebe in der Pflicht, die Lehre weiterzuentwickeln und attraktiver zu gestalten. Er denke hier beispielsweise an die “Lehre mit Matura”.

Getzner: “Betrieb muss Rahmenbedingungen bieten”

Für Bernd Längle, Personalleiter bei Getzner Werkstoffe ist klar, dass gute Lehrlinge die Fachkräfte von morgen sind. Daher gelte es dieses Thema laufend zu evaluieren und zu verbessern. “Das stärkt die Jugendlichen, die Betriebe und somit den Wirtschaftsstandort Vorarlberg“, so Längle

„Da unter Jugendlichen alle Facetten an Einstellungen und Motivationen vorhanden sind, gilt es in einem ersten Schritt, die richtigen Kandidaten auszuwählen”, erklärt Längle. Von über 100 Bewerbern konnte man laut eigenen Angaben bei Getzner durch Vorselektion, Vorstellungsgespräche und Kennenlerntage die Passenden auswählen.

Die Verantwortung für Jugendlichen auf die Schuleinrichtungen bzw. die Jugendlichen selbst abzuschieben, greift laut Längle zu kurz.  “Wir sehen uns vielmehr selbst in der Pflicht, den jungen Menschen Rahmenbedingungen zu bieten, in denen sie sich entfalten können und Anerkennung finden”, so Längle.

Unternehmen müssten laut Längle Lehrlingen ein interessantes und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld bieten, das ihren Ehrgeiz weckt und ihre Motivation steigert. Auch die Weiterbildung der Vorgesetzten im Umgang mit den Lehrlingen spiele bei Getzner Werkstoffe eine große Rolle für die Entwicklung des Lehrlings.  “Lässt man sich mit Engagement auf die jungen Menschen ein und nimmt das Thema ernst, dann erhält man im Gegenzug motivierte, dynamische Mitarbeiter mit ganz viel Potential und Einsatz”, ist sich Längle sicher.

Sparte Industrie über Diskussion verärgert

Der Bildungssprecher der Vorarlberger Industrie, Christoph Hinteregger (Fa. Doppelmayr), zeigt sich hingegen verärgert über die aktuelle Lehrlingsdiskussion. „Von den heimischen Industrie-Lehrlingen schaffen 9 von 10 ihre Lehrabschlussprüfungen und das waren zwischen 2011 und 2015 immerhin“, informiert Hinteregger über die Ergebnisse innerhalb der Vorarlberger Industrie.

Auch die Überprüfung des Ausbildungsfortschritts zur Mitte der Lehrzeit, wie zuletzt von der Arbeiterkammer gefordert, werde von der Vorarlberger Industrie bereits seit über 40 Jahren durchgeführt. Wesentlich ist für Industrie-Bildungssprecher Hinteregger beim Thema Qualität auch, dass nicht immer alles mit Geld gefördert werden müsse. „Das soll jede Branche für sich selbst entscheiden und wo gewünscht, eigenverantwortlich finanzieren,“ fordert Hinteregger, mit Blick auf die Ausbildungsprämie der V.E.M. – Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie. In dieser Branche wird für die positive Absolvierung des Lehrlingsleistungswettbewerbs eine Prämie von 4.500,- Euro je Kandidat an die Mitgliedsunternehmen für ihre Ausbildungsarbeit ausbezahlt.

Die Ursache für die schlechteren Ergebnisse anderer Wirtschaftssparten sieht Hinteregger primär in der Qualität der Bewerber für die Lehre. „Auch wir in der Industrie merken und können das objektiv belegen, dass das Vorwissen der Bewerber für eine Lehre in den letzten 10 Jahren messbar schlechter geworden ist. An den Ursachen dafür muss in der Pflichtschule dringend gearbeitet werden“, fordert Hinteregger abschließend.

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