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Bildende Künstler aus dem Bezirk Feldkirch. Hannes Ludescher (74) „Im Stein sind Malerei und Bildhauerei eins“

Hannes Ludescher vor seiner "Filmkulisse"
Hannes Ludescher vor seiner "Filmkulisse" ©Yasmin Ritter
Der Maler und Bildhauer Hannes Ludescher über die Einmaligkeit seiner fliegenden SteineSuldis. Die VN- Heimat präsentiert bekannte Maler und Bildhauer aus dem Bezirk Feldkirch und ihre Arbeit. 
Hannes Ludescher und seine fliegenden Steine

Was für ein einzigartiger Blick von der sonnigen Terrasse der Ludeschers in Suldis auf eine atemberaubende Berglandschaft und was für ein unglaubliches Atelier! Ich behaupte sogar, dass dieses Atelier weltweit einzigartig ist. Beim Eintritt bekommt man das Gefühl sich mitten in einer Filmkulisse zu befinden. Es sieht alles so echt aus, trotzdem weiß man, dass es das nicht ist. Selbst der Künstler erscheint sehr klein in seinem Atelier, an dessen Wänden die Steine/Felsen stehen und hängen, manche scheinen zu schweben. Mit dieser schieren physikalischen Unmöglichkeit, dass solche Brocken sich so schwerelos in dieser Lage befinden, beschäftigt sich Hannes Ludescher seit 32 Jahren. Studiert hat er an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, unter anderem bei Fritz Wotruba, einem der bekanntesten österreichischen Bildhauere des 20. Jahrhunderts. “Schon vor dem Studium habe ich Aquarelle gemalt, aber auf der Uni war das verpönt. Ich durfte auch keine Steine angreifen, nur mit Ton arbeiten, das habe ich nicht mitgemacht”, erinnert sich Ludescher.

Unglaublich echt

Der Arbeitsprozess beginnt mit der Suche im oft unwegsamen Gelände, setzt sich fort mit dem exakten Vermessen von Fundobjekten und endet in äußerst zeitaufwendigen Konstruktionen aus Zweigen von Bambus oder Weide aus Ludeschers Garten. “Meine Objekte sind 1:10 Vergrößerungen von aufgelesenen, handgroßen Steinen aus ganz Europa und der Vorarlberger Gebirgswelt. Es benötigt viel Handwerk, viel Korrektur und noch mehr Geduld, aber es macht großen Spaß”, beschreibt der Künstler seine Tätigkeit. Wenn das Gerüst aus Zweigen fertig ist, umgibt er es mit drei Schichten Papier, den Schluß bildet chinesisches Kalligraphiepapier, welches er naturalistisch bemalt. “Ich blicke stolz auf meinen Werdegang zurück, denn mein Weg mit den fliegenden Steinen ist einmalig. Jeder Künstler sucht eine Einzigartigkeit und es ist schwer diese zu finden. Ich kreiere Körper, die ihre Schwere und Härte liegen lassen und den Luftraum erobern”, erklärt Hannes Ludescher.

Obwohl der Künstler sich ausschließlich dieser einen Sache widmet, ist er in seinen Möglichkeiten alles andere als eingeschränkt. Im Gegentei: Kein Stein gleicht dem anderen. Weder in der Natur noch auf dem Papier. Die Steine ermöglichen dem Künstler einen qualitativen Sprung ins Reich der Freiheit. Er befreit sich vom Anspruch, mit einem Höchstmaß von Selbstbestimmung seinen künstlerischen Weg gehen zu müssen. Hannes Ludescher wiegt sich in Sicherheit, sich mit dem Vorgefundenen abzufinden und daraus das Beste zu machen, auch wenn es so unbedeutend und unsichtbar ist wie ein Stein im Gebirge. “Ich mache das seit so vielen Jahren, weil ich es liebe. Ich werde damit nie aufhören. Diese Kombination zwischen Malerei und Bildhauerei ist interessant und es ist relativ neu beides in Einklang zu bringen”, erklärt der Künstler und hebt lächelnd mit einer Hand einen mannshohen Felsen.

yas

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