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Kurt Dornig: "Dominant ist immer die Linie"

Kurt Dornig macht Holzschnittarbeiten
Kurt Dornig macht Holzschnittarbeiten ©Yasmin Ritter
Die VN-Heimat präsentiert bekannte Maler und Bildhauer und ihre Arbeit. Der Zeichner und Gestalter Kurt Dornig (55) über Minimalismus und seine gestalterische Vielseitigkeit.
Kurt Dornig

Dornbirn/Bregenz „Alle meine Freunde waren großartige Fußballspieler, nur ich nicht. Mir war bald klar, dass ich ein anderes Talent entwickeln muss, wenn ich je eine Freundin haben will. Zeichnen brachte mir die Anerkennung die andere durch den Sport bekamen. Damit war mein Weg vorgegeben“, erinnert sich Kurt Dornig mit Augenzwinkern. Bereits mit 20 Jahren machte er sich als Grafikdesigner selbständig. Aber gezeichnet hat der Künstler, der sich selbst nicht als solcher, sondern einfach als Gestalter wahrnimmt, solange er denken kann. Später entstanden Reiseskizzen und Aktzeichnungen, die oft das Ausgangsmaterial für Druckgrafiken bilden.

Ein klarer Strich

Seit einigen Jahren hat sich Dornig einem neuen Sujet zugewandt: der Natur. Die Wiedergabe der auf Wanderungen gesammelten Zweige, Gräser und Äste geriet dabei von der Fingerübung zur meditativen Erfahrung. „In der linken Hand halte ich die Pflanze, in der rechten den Pinsel. Der Strich entsteht in einem Schwung, die Arbeitsweise ähnelt der eines Kalligraphen. Dabei darf man sich keinen Fehler erlauben“, erklärt Dornig. Unter dem Titel „Winter“ zeigt der Künstler die reduzierte Formensprache erstarrter Natur und nähert sich dem Thema durch verschiedene grafische Techniken an. Die Suche nach dem idealen Medium führt von der exakten Füllfederzeichnung über großformatige Tuschpinselarbeiten hin zu bemalten und geschnittenen Linoldruckplatten, die so zu Unikaten werden. Das Zurückführen auf das Wesentliche steht dabei im Mittelpunkt. So entstehen Blätter von bestechender Klarheit und Eleganz.

„Meine Arbeiten leben von der Linie. Ich bin Minimalist, versuche mit einfachen Strichen und möglichst sparsamen Mitteln die Form zu erfassen und ihr einen Ausdruck zu verleihen“, beschreibt er seine Zeichnungen. Der Minimalismus in der Linienführung mit gleichzeitigem Verzicht auf die Wiedergabe von Perspektive und Schatten verfolgt das Ziel, die Idee eines Objekts, dessen geistigen Inhalt, zu erfassen. Die Weichheit oder Härte der Linie und die Tiefe beziehungsweise Helligkeit des Strichs sollen das Wesen der Dinge entkleiden. Was weggelassen wird, ist dabei oft wichtiger als das Dargestellte. Die Umsetzung fordert ein Höchstmaß an Konzentration, erfolgt dann aber schnell, sicher und zügig. „Dabei muss meine innere Balance stimmen. Nur wenn ich ausgeglichen bin gelingt die Übung“, beschreibt Dornig den Prozess.

Buchmensch

In seinem Beruf als Grafikdesigner steht Dornig fest auf der angewandten Seite. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Konzeption und Gestaltung von Büchern. Das eigene Interesse an der Kunst erleichtert auch hier das Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche der von ihm betreuten Künstler*innen, Museen und Verlagen. So entstanden bereits weit über 100 individuelle Publikationen, von denen viele international ausgezeichnet wurden.

Kunst und Pandemie

„In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, wie achtlos die Österreichische Politik mit Ihren Kunstschaffenden umgeht. Das ist leider sehr ernüchternd und ich wünsche mir da viel mehr Wertschätzung. Man sollte nicht vergessen, dass unser Land nicht nur von einer starken Wirtschaft und einer schönen Landschaft lebt, sondern auch von einem reichen Kulturerbe“, meint Kurt Dornig, der Zeichner, Illustrator, Gestalter und eben doch Künstler. „Ob ich ein Buch, ein Plakat oder eine Zeichnung gestalte ist im Grunde einerlei. Das bin immer ich, das ist meine Leidenschaft für Gestaltung und meine immerwährende Suche nach der perfekten Form.“

yas

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