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Beziehungen beeinflussen Gene

Joachim Bauer unterstrich im Gespräch mit Franz Josef Köb, wie wichtig die Zusammenarbeit von somatischer und psychosomatischer Medizin sei.
Joachim Bauer unterstrich im Gespräch mit Franz Josef Köb, wie wichtig die Zusammenarbeit von somatischer und psychosomatischer Medizin sei. ©Verena Kogelnig
Arzt und Psychotherapeut legte Wechselwirkung von Umwelt und Genen dar.
Joachim Bauer Das Gedächtnis des Körpers

Feldkirch Das Geheimnis liege in der Regulation der Gene, war die Essenz des Gesprächs von Franz Josef Köb mit Joachim Bauer in der Arbeiterkammer Feldkirch. Als wiederholter Gast bei der Reihe „Wissen fürs Leben“ sprach Bauer am Montag über sein Buch „Das Gedächtnis des Körpers“, das seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2002 mehrfach aufgelegt wurde. Seine Ausführungen darin stießen seinerzeit auf Gegenwind und Kritik, erinnerte sich Bauer. Doch dass nicht Gene von vornherein über unsere Gesundheit bestimmen, sondern Signale aus der Umwelt regulieren, wie aktiv Gene werden, gilt heute als anerkannt.

Lebensführung verändert Genaktivität

Gastgeber Köb befand, dass heute in der ärztlichen Praxis immer noch zu wenige der von Bauer dargelegten Erkenntnisse ernst genommen würden, weshalb er dieses ältere Buch als Gesprächsthema wählte. Mediziner und Psychotherapeut Bauer wandte seine Kernaussage, dass besonders Beziehungen die Chemie und damit die Genaktivität in unserem Gehirn verändern, auf mehrere Bereiche an. So wirke sich speziell Stress aus zwischenmenschlichen Beziehungen negativ auf Funktion und Wachstum von Nervenzellen aus. Dies könne das Auftreten von Depressionen begünstigen. In ähnlicher Weise wurzelten viele Schmerzen ohne körperlich feststellbare Ursachen in früheren Schmerzerlebnissen. Aktueller Stress führe bisweilen dazu, dass solche Schmerzen wieder aufträten. Sogar Krankheiten wie Brustkrebs hingen damit zusammen, ob vorhandene Gene aktiviert würden. Neben Beziehungen und Stress beeinflussten Übergewicht, Alkoholkonsum oder Rauchen, ob jemand an einem Tumor erkranke. „Nicht jeder, der einen Tumor hat, ist aufgrund der Lebensführung schuld daran“, stellte Bauer klar. „Aber wir können durch unsere Lebensführung das Risiko verringern.“

Vor Stress und den Folgen schützen

Der seit vorigem Jahr emeritierte Professor behandelt nach wie vor Patienten in eigener Praxis, unterrichtet als Gastdozent an einer Universität in Berlin und gibt Fortbildungen für Lehrer. Gewaltfreiem Umgang nicht zuletzt mit Kindern maß Bauer große Bedeutung zu, wobei schon Worte starke Effekte hätten. Mit Sorge bedachte er das Bestreben „politischer Gruppen“ in Deutschland und Österreich, zu alten Verhältnissen mit „Zackigkeit, Recht und Ordnung“ zurückzukehren. „Zu der Zeit wurden Kinder viel geschlagen“, beschrieb er jene alten Verhältnisse. Demgegenüber habe gerade ein fürsorglicher, zärtlicher Umgang mit Säuglingen zur Folge, dass ein Anti-Stress-Gen aktiviert werde, das im späteren Leben vor hohen Stressbelastungen und gesundheitlichen Folgen von Stress schütze. VKO

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