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Besser unscharf als daneben

Bregenz - Solange das Grau nur das Bühnenbild bestimmt, geht man mit dem Carl Maria von Weberschen "Freischütz" sicher nicht baden. Inhalt [2 MB] | Programmheft [82 KB]

Jedenfalls zeigte sich das Publikum gestern spätabends im Bregenzer Festspielhaus von der Premiere der alljährlichen Opernproduktion des Symphonieorchesters Vorarlberg und des Landestheaters durchwegs angetan, wenn auch etwas reserviert. Knorriges Jägertum, ein Bursche, der zielgenau töten muss, um ein Mädchen zu erringen und sich daher im tiefen, dunklen Wald mit dem Teufel einlässt, hat die 1821 uraufgeführte Oper schwer inszenierbar gemacht. Zwar wird am Ende mit dem lästigen Brauchtum aufgeräumt, bis dahin könnte man überholte Initiationsriten hinterfragen, entfernt sich dabei aber nicht selten von der Musik.

Ideales Ensemble

Wer einen „Freischütz“ aufs Programm setzt – und das tun derzeit sehr viele Opernhäuser – hat somit ein Problem. Das Landestheater und das Symphonieorchester, zwei Vorarlberger Institutionen, die seit Jahren pro Spielzeit für eine Oper gemeinsame Sache machen, hat sich die quasi einfachste Lösung gesucht: Alles Spielerische wird reduziert, im Bregenzer Festspielhaus regiert die Musik. Das heißt, Dietfried Bernet, der jede Möglichkeit auskostet, die zahlreichen Melodien in diesem „Freischütz“ farbenreich, aber eben nicht zu luzid verklingen zu lassen. Für die Auswahl der eigens engagierten Sänger hat man sich viel Zeit genommen. Bis auf gut überhörbare Strauchler in den kleinen Nebenrollen, steht so etwas wie ein ideales Ensemble auf der Bühne. Malin Byström führt ihre Agathe wunderschön schlank und an entsprechenden Partien dennoch satt voran. Anja Scholz gibt das oft zu verspielte Ännchen so klischeefrei, wie man es sich nur wünschen kann und es müsste schon – um beim „Freischütz“ zu bleiben – mit dem Teufel zugehen, wenn man von Christian Voigt, dem gefühlvoll-markanten Max, nicht bald viel mehr hört. Auch Kaspar ist mit Selcuk Cara sehr gut besetzt. Der Sänger kann auch noch verdammt gut spielen. Michael Wagner (Kuno), Manfred Hemm (Eremit), Markus Raab (Kilian) und Felipe Peiró (Ottokar) fügen sich zu einer Truppe, die – na ja – gemeinsam mit dem Chor hier auch zu einem Oratorium antritt. „Fließende Bilder“ nennt Regisseur und Ausstatter Andreas Hutter seine Gangart, die ihm auch schon vor diesem „Freischütz“ eigen war. Besser etwas unscharf als daneben schießen, müsste man diese Variante beschreiben und kann Gefallen daran finden.

Wenig Bilder

So man sich von einer zeitgemäßen Operninszenierung nicht auch erwartet, Antworten auf die Frage zu bekommen, was Max bzw. Kaspar, der ihn dem Teufel ausliefern will, antreibt. Im Grunde bleibt Hutter bei seiner Grisaille-Malerei (alle Kostüme samt der Bühnenschräge als einziges Ausstattungselement sind in Grau, Weiß und Schwarz gehalten) ja doch konventionell. Von schönen Tableaus sprach man früher, wenn es ein Regisseur verstand, den Chor gut aufzustellen. Hutter setzt ihn vielfältig (auch à la griechische Tragödie) ein: Volk, Wald, Raumbegrenzung und die dunklen Mächte – wer beim Kornmarktchor singt, muss flexibel sein, denn die gesamte Masse ist ja mehr oder weniger stets in Bewegung. Das erhellt sich sehr schön, wenn etwa der Brautkranz (hier auch das Kleid) von Agathe besungen wird, das verliert sich im Dunkeln, wenn Max und Kaspar nach der Wolfsschluchtszene umschlungen werden. Apropos Chor: Wolfgang Schwendinger hat vor allem seine Männer bestens im Griff. Und sonst? Man hat in Bregenz einen „Freischütz“ realisiert, der auch szenisch kompakt bleibt. Optischer Grauschleier und akustische Farbenpracht, das trifft durchaus. Vor allem, wenn diese Paarung dann im Kopf noch weitere Bilder auslöst, mit denen man hier spärlich umging . . . .

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