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Beklemmung in Bild und Text

Feldkirch - Neue Walk-Tanztheaterproduktion im alten Hallenbad Feldkirch: "Der Process".

VN: Herr Horner, Frau Walk, warum haben Sie sich in der heurigen Walk-Tanztheaterproduktion für die Umsetzung von Kafkas „Der Process“ entschieden?

Horner: Na ja, eigentlich war Kafka nach Haushofers „Wir töten Stella“ und Peter Bichsels „Geschichten“ im Vorjahr gar nicht so abwegig. Es war fast schon eine logische Folge. Bei mir ist es immer so, dass ich die Geschichte lieben muss, damit ich sie umsetzen kann. Ich liebe Kafka sehr und von allen seinen Erzählungen liebe ich am meisten „Der Process“.

Walk: Wir haben uns ja schon in den letzten Produktionen immer mit Figuren beschäftigt, die in seltsame Situationen geraten. Es geht bei uns immer um Wirklichkeit, um Wirklichkeitsverschiebung. Dieses surreale Moment haben wir immer drin. Müller: . . . Aber immer mit dem Spiegel auf die Realität.

VN: Darf ich fragen, an was für ein Manuskript Sie sich halten – es gibt ja mehrere Versionen?

Horner: Wir halten uns an Max Brods erste Fassung, also an den Roman.

Walk: Hanspeter hat den Text bearbeitet, aber nicht dramatisiert. Es ist eine simple Form der Erzählung, stringent. Aber wir haben den Bogen natürlich aufgespannt. Weit aufgespannt.

VN: Wie darf man sich den Abend dann vorstellen? Horner: Es wird ein dreigängiges Menü für die Besucher geben. Wir haben in der Mitte des Raums eine Tafel für 60 Leute eingerichtet – dort wird das Publikum von der Küche des Restaurants Rauch in Feldkirch mit einem italienisch-vegetarischen Menü verwöhnt. Wir wollten eine kühle, aber festliche Atmosphäre. Und in das Essen hinein bricht das Stück. So wie „Der Process“ ja quasi auch unvermittelt in das Leben K.’s einbricht. Kafka kann bei aller Beklemmung aber auch sehr humorvoll sein. Und die unvermittelte, aber doch klare Erotik lässt sich durch den Tanz gut ausdrücken. Wir werden mit einer Girlie-Tänzertruppe Power ins Geschehen bringen und mit sechs Beamern noch eine weitere Ebene der Wahrnehmung erschließen. Sie sehen, es passiert ziemlich viel – nimmt in der Dichte auch zu. Und endet in der Katastrophe.

VN: Wird die „Türhüterlegende“ vorkommen?

Horner: Ja, sie wird von Klaus Schöch gesprochen – aber als Band abgespielt. Die Parabel ist ja in der Geschichte von zentraler Bedeutung. Quasi wie eine Zusammenfassung von „Der Process“, wenn man so will.

VN: Klaus Schöch soll als Richter in Erscheinung treten. Der Richter respektive das Gesetz sind im Roman eigentlich entpersonifiziert.

Horner: Richter wäre zu eng gefasst. Schöch schwebt irgendwo, ist da, aber nicht da. Wenn ich den Prozess verfilmen würde, wäre Klaus Schöch ja der Allererste, den ich besetzen würde. Er strahlt eine natürliche Autorität aus. Er ist im Stück stark vertreten, aber eben nicht fassbar.

VN: „Der Process“ lässt ja viele Deutungen zu. Geben Sie in der Umsetzung dem Publikum Ihre persönliche Deutung mit auf den Weg oder bleibt die „Exegese“ jedem selbst überlassen?

Horner: Ich glaube, dadurch, dass wir es nicht in Dialogform umsetzen, vermitteln wir zwar die Bilder, die ich ausgewählt habe – aber in dem Sinn nicht den Inhalt. Man hat ja bei Kafka oft das Gefühl: „Ah, okay, jetzt hab ich’s verstanden“, aber im nächsten Moment ist das Gefühl wieder weg. Dadurch, dass wir mit Bildern arbeiten, bleibt sogar noch mehr offen, meiner Einschätzung nach. Wir wollen „Der Process“ nicht erklären, sondern zeigen, wie fantastisch diese Geschichte ist.

VN: Die Beklemmung, die Katastrophe in Form der Exekution K.’s – wie geht das mit einem netten Abendessen zusammen?

Horner: Indem wir den Zuschauern zuerst das Essen servieren (lacht). Nein, das Essen wird ganz schick und appetitlich, überhaupt nicht beklemmend. Für mich war und ist, Kafka zu lesen, immer ein Genuss. Klar beklemmt es mich, aber so ist eben auch das Leben.

Müller: Wir arbeiten ja auch mit einem veränderlichen Raum. Die Stühle des Publikums haben Rollen, wir bespielen praktisch 360 Grad.

Walk: Man darf sich das nicht so vorstellen, dass wir das Publikum in irgendeiner Weise angreifen oder attackieren. Wir beziehen das Publikum gerne ein, aber nie so, dass sich jemand angegriffen fühlen muss. Wir lassen ja auch frei, wie weit man sich einlässt.

VN: Frau Müller, wie wird die Ausstattung aussehen?

Horner: Die 60 Besucher am Tisch sind von ungewöhnlichen, fast unfassbaren Theatermaterialien umgeben. Wir arbeiten mit Tüll und durchsichtiger Folie, um gewisse Lichtbilder zu schaffen. Einerseits entstehen diese durch den Einsatz von Scheinwerfern, aber eben auch durch jenen von Beamern. Wir bedienen auch das Labyrinth, schaffen durchsichtige Grenzen. Es wird in vielen Momenten eher filmisch erscheinen.

VN: Wie sieht es mit dem Platz aus? 60 Besucher im Publikum sind nicht viel.

Walk: Ja, wir haben praktisch nur die Hälfte der Plätze vom letzten Jahr – und da waren wir immer voll. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, früh genug zu reservieren.

Die Premiere der Walk-Tanztheaterproduktion „Franz Kafka. Der Process“ findet am 8. November im alten Hallenbad in Feldkirch statt. Regie: Hanspeter Horner, Ausstattung: Ursula N. Müller, Produktion: Brigitte Walk, Tänzerin: Yukie Koji. Karten: Musikladen und Feldkirch Tourismus. Infos: www.walktanztheater.com.

Der Schweizer Regisseur Hanspeter Horner inszeniert.

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