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Beichtstuhl an Feldkircher Schule sorgt für Aufregung

Tomaselli: "Beichte ist ein Instrument der Angst und Kontrolle. Ich finde, die Beichte gehört in die Kirche und nicht an eine Schule",
Tomaselli: "Beichte ist ein Instrument der Angst und Kontrolle. Ich finde, die Beichte gehört in die Kirche und nicht an eine Schule", ©Facebook-Screenshot / Grüne Vorarlberg
In der Mittelschule Feldkirch-Oberau steht ein Beichtstuhl, in dem die Schüler Buße tun können. Die Vorarlberger Grünen-Politikerin Nina Tomaselli ortet darin eine "Gefahr für die Religionsneutralität".

Gitterfenster, Kniebank und eine Aufschrift "Komm! Gott befreit dich!"
In der Mittelschule Feldkirch-Oberau steht ein mobiler Beichtstuhl in der Schulbibliothek, in dem die Schüler Buße tun können. Ein Beichtstuhl in einer öffentlichen Schule ist eher ungewöhnlich und sorgt nun für Sorgen bei den Eltern, aber auch für Aufregung bei den Grünen.

Religionsneutralität gefährdet?

"Gefährdet die Schulbeichte die Religionsneutralität?" Diese Frage hat die Vorarlberger Nationalratsabgeordnete Nina Tomaselli (Grüne) in einer parlamentarischen Anfrage Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) gestellt. Wie sie dem "Standard" mitteilte, sollte ihrer Meinung nach der römisch-katholische Religionsunterricht ohne Beichte auskommen.

Minister Heinz Fassmann.

Die Beichte sei nicht Teil des Lehrplans. Die Beichte gehöre zwar zu einem der heiligen Sakramente, doch ist sie in den Lehrplänen der 6- bis 14-Jährigen im Rahmen des katholischen Religionsunterrichts nicht vorgesehen. Auch der mögliche Gruppenzwang wird von der Grünen-Politikerin angesprochen. Die Kinder könnten sich zur Teilnahme an der Schulbeichte gezwungen sehen. "Es ist nicht gewährleistet, wenn man in der Schule beichtet, dass sich kleine Kinder "nicht ,Nein' sagen trauen", befürchtet Tomaselli gegenüber VOL.AT entsprechenden Gruppendruck und -zwang auf die Kleinsten.

"Instrument der Angst und Kontrolle"

"Beichte ist ein Instrument der Angst und Kontrolle. Ich finde, die Beichte gehört in die Kirche und nicht an eine Schule", schreibt Tomaselli auf Facebook. Es mangele an gesetzlichen Regelungen. "Ob eine Beichte zu einem besonderen Anlass des schulischen oder staatlichen Lebens zu zählen ist, darf zumindest stark bezweifelt werden. Aufgrund welcher rechtlicher Rahmenbedingungen also, werden Schulbeichten noch immer während der Unterrichtszeit durchgeführt?", lautet eine ihrer Fragen in ihrem parlamentarischen Antrag.

Weiterer Auszug aus dem parlamentarischen Antrag

"Die Freiheit eines selbstbestimmten Lebens ohne Zwänge gehört zu den höchsten Gütern in unserer Gesellschaft. Die individuelle Freiheit erfährt dort eine Grenze, wo die Freiheit des anderen eingeschränkt wird", steht in ihrem Antrag geschrieben. Unter anderem sehe die österreichische Verfassung die Religionsfreiheit vor, die allen Menschen ermöglicht, frei von Religion leben zu dürfen.

Wie stehen die juristischen Chancen für ein Beichtverbot an Schulen?

Verfassungsjurist Karl Weber von der Universität Innsbruck gibt gegenüber dem "Standard" dem Vorstoß von Tomaselli kaum eine Chance. Gemäß Staatsgrundgesetz hat jede anerkannte Religionsgemeinschaft das Recht, eigenen Religionsunterricht abzuhalten. Inhaltlich darf der Staat dabei nicht eingreifen, solange nicht gegen Gesetze verstoßen wird.

Eltern besorgt wegen der Beichten

Mehrere Eltern hätten sich wegen des Beichtstuhls in Feldkirch Sorgen gemacht und an sie gewandt, erklärt Nina Tomaselli, wie sie auf das Thema stieß. Noch bis Jänner dieses Jahr sei der Beichtstuhl in der Schule im Einsatz gewesen.

Pfarrer nahm in Schule die Beichte ab

Ein namentlich nicht genannter Pfarrer besuchte über viele Jahre die Feldkircher Schule, damit Schüler im Rahmen des Religionsunterrichts ihre Beichte ablegen können. Der Pfarrer kommt laut "Standard"-Informationen inzwischen nicht mehr in die Schule, der Beichtstuhl steht aber immer noch dort. Ob er noch für Beichten benutzt wird, kann die Schulleitung nicht sagen.

Beichtstuhl gibt es noch immer

Die Mittelschule Oberau bestätigte auf VOL.AT-Anfrage, dass es den Beichtstuhl gibt. Räumte gleichzeitig aber auch ein, dass die Schule kein Mitspracherecht in der Religionsunterrichts-Gestaltung habe.

Bildungsdirektion nicht im Bilde

In der Bildungsdirektion Vorarlberg wusste man vom Beichtstuhl in der Schule bisher noch nichts wie eine VOL.AT-Anfrage ergibt. Wie Elisabeth Mettauer-Stubler vom Büro der Amtsführenden Präsidentin im Landesschulrat gegenüber VOL.AT sagt, habe man davon zum ersten Mal gehört. Laut Mettauer-Stubler wolle man das jetzt prüfen und sich dann dazu äußern.

"Feldkirch ist eine Ausnahme"

Annamaria Ferchl-Blum, Leiterin des Schulamts der Diözese Feldkirch, relativiert die Aufregung im Gespräch mit dem "Standard": "Die Freiwilligkeit ist oberstes Prinzip. Sowohl was die Teilnahme am Religionsunterricht als auch was die Beichte angeht." Sie habe vom mobilen Beichtstuhl in Feldkirch gehört, allerdings stelle der eine Ausnahme dar.

Beichten finden noch an vielen Schulen statt

Laut der NR-Abgeordneten Nina Tomaselli ist die Schulbeichte an der Feldkircher Mittelschule bei Weitem kein Einzelfall: "Recherchen von mir ergaben, dass Beichten noch an vielen Schulen gang und gäbe sind. An wie vielen genau, dazu gibt es keine Zahlen. Wie kann das im Jahr 2020 sein?", echauffiert sich die Politikerin über religiöse Beichten an Schulen.

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