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Begleitet in der Dämmerung

Götzis - Maria Greußing ist dement. Mit 88 Jahren lebt sie noch daheim. Bei guter Pflege geht das. Was ist der Mensch? Maria Greußing hebt den Kopf. Wie viel mehr als die Summe seiner Jahre?

Ausdruckslos blickt sie aus trüben Augen. Begründet Stärke seine Würde? Ihre Hand zittert unablässig. Oder die Persönlichkeit? Ihre Tochter führt ihr die Gabel an den Mund. Wie einem Kind.

Jeden Nachmittag um 15 Uhr gibt’s Kuchen und Kaffee in Götzis, Gartenstraße 8. Seit Maria Greußing 2002 am Herzen operiert wurde, ist das so. Lisbeth Heinzle’s Mutter ist 88 Jahre alt. Schleichend hat sie die Demenz ihrer Gegenwart beraubt. Die Vergangenheit liegt hinter Nebelschleiern.

Lebensabend daheim

Gäbe es die beiden böhmischen Pflegerinnen nicht, die sich alle 14 Tage abwechseln, lebte Maria Greußing wohl kaum mehr zuhause. Im Nachbarhaus kam sie zur Welt. Hier richteten sie ihre Werkstatt ein. Was für eine? Es dauert seine Zeit, aber dann sagt sie: „Eine Schreinerei.“

Tochter Lisbeth nickt. „Ich war 13, als wir hier eingezogen sind.“ Fast alles haben sie damals selber gemacht. Und auf viel verzichtet. Wenn andere Kinder den Schulbus nahmen, sind Lisbeth und ihre drei Geschwister zu Fuß gegangen. „Das schadet euch nix“, hat die Mama gesagt. „Und du hoscht o g’spart“, fasst Lisbeth sie heute am Arm. „Früher“, sagt Maria Greußing nach einer Weile, „hot ma anders g’spart wie hüt.“ Aber wie anders, das weiß sie nicht mehr.

Auf leisen Sohlen

Die Demenz kam leise wie ein Dieb in der Nacht. Im Spital wurde offenbar, dass sich die Frau, die ein Leben lang hart gearbeitet hat, nicht mehr zu Recht fand. Zuhause versuchte sie, mit Holz und Papier im Backofen Feuer anzufachen. Als Lisbeth Heinzle im Sozialzentrum Hohenems einen Vortrag über Demenz besuchte, erkannte sie die Situation ihrer Mutter wieder.

Rasch haben sich die vier Geschwister im Grundsatz verständigt. „Unsere Mama hat uns alles gegeben, was sie konnte. Jetzt sind wir an der Reihe.“ Die Umsetzung erforderte Geduld und Feingefühl.

Demente Menschen brauchen vertraute Umgebung. „Im Mobilen Hilfsdienst kamen stets neue Personen“, die Maria Greußing zuweilen auch mit dem Besenstiel des Hauses verwies. Seit einem Jahr garantiert nun die böhmische Hilfe Konstanz. Mili und Alena weiß Maria Greußing einzuordnen. Sie leben mit ihr, kochen mit ihr, baden sie, bringen sie zu Bett. Zwei Stunden nachmittags haben sie frei. Dann wechseln sich die vier Geschwister in der Betreuung ihrer Mutter ab.

„Die Mama ist ruhiger geworden seither“, sagt Lisbeth Heinzle und führt ihre Mutter rund um den Wohnzimmertisch. Ein Ritual. Die Katze „Mausele“ sieht schläfrig zu. Manchmal tapst sie auch hinterher, wenn Maria Greußing vormittags immer wieder in den Keller steigt. Ein Ritual. Um die gut verschlossenen Türen nochmals abzusperren? Wer weiß? Wer weiß überhaupt, was in ihr vorgeht? Hinter diesen Augen, die der graue Star längst abgedunkelt hat?

Aber vielleicht ist das alles auch gar nicht so wichtig. Vielleicht zählt jedes einzelne „Hoi Oma“ mehr, das ihre Enkelin Stephanie ihr täglich von der Wohnungstür entgegen ruft. Der vertraute Klang ihrer Stimme. Die Erinnerung aus einer anderen, früheren Welt. Maria Greußing hat den Kuchen inzwischen aufgegessen. Und Kaffee getrunken.

Zehn Jahre Pflege daheim

Das Projekt „Pflege daheim“ wird heute zehn Jahre alt. Ab 13.30 Uhr sind alle betreuenden und pflegenden Angehörigen herzlich in Batschuns zum Jubiläum willkommen. U. a. spricht Logotherapeutin Inge Patsch über Lebensfreude.

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