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Balanceakt: gestalten und maßhalten

©Adolf Bereuter
Architektin Helena Weber und ihr Kollege Philipp Berktold haben in Lauterach im Auftrag von Klimmer Wohnbau eine Wohnanlage geplant.
Schöhner Wohnen in Lauterach

Aufgabe war die Gestaltung von Wohnräumen mit großzügigen Terrassen. Entstanden ist ein Komplex, der in der Maßstäblichkeit Bezug auf die umliegenden Bauten nimmt, sich nach innen an den Wünschen von Bauträger und Kunden orientiert und durch Gestaltung Mehrwert für Lebenszufriedenheit und Aufenthaltsqualität erzeugt.

Unweit des Jannersees plante Klimmer Wohnbau die Errichtung einer neuen Wohnanlage, die 2015 fertiggestellt wurde. Für die Gestaltung und Planung selbiger entschloss sich der Bauträger für einen kleinen Architekturwettbewerb, dem eine Kundenbefragung vorausging und nahm sich vor, jene Qualitäten, die durch die Zusammenarbeit mit Architekt(inn)en entstehen können, bei der Realisierung auch zuzulassen.

Wohnbedürfnisse sind gelernt. Sie ergeben sich aus dem, was wir kennen und dem, was wir uns wünschen – im Bereich des Finanzierbaren selbstverständlich, aber auch im Bereich dessen, was uns unsere Vorstellungskraft erlaubt und worin wir Werte erkennen, die Investitionen rechtfertigen. Das kann recht unterschiedlich sein. Dennoch orientieren sich die Raumprogramme der meisten Wohnungen, die derzeit in Vorarlberg errichtet werden, an einem sehr allgemeinen Schema. Schlafen, Essen, Wohnen, ein Gang, Sanitärräume. Kinderzimmer vielleicht. Ein Arbeitsraum wenn notwendig. Die Küche als separater Raum oder doch lieber eine Wohnküche? Garten, Balkon oder Terrasse sind meist gewünscht. Was Wohnanlagen sonst noch können könnten, ist nicht nur eine Frage dessen was sich Eigentümer und Mieter leisten können, sondern hängt auch davon ab, welche Wünsche Kommunen wie Einzelne sich auszusprechen trauen und abzuwägen, welche Aspekte des Wohnens im eigenen Leben und im Alltag der Gemeinschaft wirklich Gewicht haben. Und auch – wenn das auch niemand gerne hört – worauf vielleicht verzichtet werden könnte. Manches davon wäre durchaus realisierbar, wenn nicht jeder Einzelne für sich denkt, sondern Services und Angebote gemeinschaftlich verwaltet werden: eine kleine Werkstatt, eine Gästewohnung, bei größeren Anlagen öffentliche Dienstleistungen oder soziale Einrichtungen wie Kinderbetreuung, generationengerechte Angebote, die es alten Menschen ermöglichen, länger zu Hause leben zu können und es Familien erlauben, Kindern Freiräume zu geben. Durchwegungen um die Anlage im Dorf oder Stadtteil gut zu integrieren, Anbindungen an das öffentliche Verkehrsnetz. Ja, das geht. Vieles davon ist vielleicht noch Zukunftsmusik. Gesellschaftlicher Wandel, soziale und ökologische Notwendigkeiten werden den Weg weisen. Modelle und gelungene Beispiele gibt es bereits genug.

Zurück nach Lauterach: Städtebaulich fügt sich die Anlage mit dem klingenden Namen „Weingarten“ entlang der Riedgasse gut in die bebaute Struktur ein. Wichtig waren Philipp Berktold und Helena Weber die Maßstäblichkeit der Anlage im Kontext des Straßenzuges. Wohnanlagen haben ob ihrer Größe erheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Siedlungsteilen. Hervorzuheben sind daher auch die schmal gehaltenen Ost- und Westfassaden sowie die gegliederte Fassadenstruktur, die diese Anlage zu einer positiven Ergänzung in der Wohnumgebung auch für die Nachbarschaft macht. Die Planung von Wohnanlagen ist für Architekturschaffende ein Balanceakt aus gestalten und maßhalten. Richtlinien und Vorgaben steuern den Prozess der Planung zum allergrößten Teil. Es bleibt aktuell nur Platz für wenige gestalterische Maßnahmen.

Umso wichtiger ist es, diese punktgenau zu setzen: Auf dem Grundstück selbst planten die Architekt(inn)en eine Erschließungsachse, die die Versorgungswege gut zusammenfasst. So konnten Grünräume erhalten bleiben, die für alle Bewohner(innen) zur Lebensqualität beitragen: im Sinne von Aus- und Einblicken, Durchwegungen oder Zugängen, die mit Bäumen gesäumt sind, privaten Minigärten für die Erdgeschoßwohnungen oder einer kleinen Spielfläche für Kinder im Allgemeinbesitz. Parkflächen gibt es nur wenige, gedacht zum schnellen Ein- und Aussteigen – eine Parkgarage tut den Rest.

Die im Wettbewerb gestellte Aufgabe hieß: „Wohnen mit großen Terrassen“. Diese sind mehr als nur ein Symbol geblieben: Jede Wohnung verfügt über Außenbereiche und jene mit Balkonen über wirklich nutzbare Flächen. Zum Schutz der Privatheit dient ein großflächiges Schiebeelement aus Lochblech, hochwertig gestaltet in einem warmen Goldton. Die Bewohner(innen) der Anlage können damit selbst steuern, wie offen oder geschlossen sie ihre Außenräume halten möchten und Lichtstimmungen im Innenraum regulieren. Nach außen verleihen die Elemente dem Baukörper durch die variable Anordnung immer wieder ein neues Gesicht, das sich durch den Einsatz von nur wenigen Materialien, aber wieder zu einem harmonischen Ganzen fügt. Sonnenschutz ist ein willkommener Zusatzeffekt. Nach innen beziehen raumhohe Verglasungen die Terrassen in den Wohnbereich mit ein und lassen ihn noch großzügiger erscheinen. Die Grundrisse wurden so angelegt, dass sie nach den Wünschen der Kunden veränderbar sind. Insgesamt steht die Anlage „Weingarten“ als hochwertige Ergänzung im Wohnumfeld da. Was ringsum noch wachsen wird, bleibt spannend. Lauterach setzt als Gemeinde jedoch gute inhaltliche Akzente, die Möglichkeiten für spannende Wohnbauprojekte zulassen würden.

Daten und Fakten

Objekt: Wohnanlage Weingarten, Lauterach
Bauherrschaft: Klimmer Wohnbau, Wolfurt Architektur Philipp Berktold und Helena Weber Architekten, Dornbirn, www.berktold-architekten.at, www.helenaweber.at
Statik: gbd ZT GmbH, Dornbirn www.gbd.at
Planungsbeginn: 6/2013
Ausführung: 3/2014 – 10/2015
Grundstücksgröße: 1700 m²
Anzahl: Wohnungen 11
Wohnnutzfläche: 1010 m²
Keller: 650 m²
Bauweise: Massivbauweise Ziegel und Stahlbeton; hinterlüftete Fassadenplatten mit metallischer Oberfläche und geschoßweise versetztem Fugenbild; Flachdach mit Kiesschüttung und Solaranlage; Innenwände: Ziegel; Sonnenschutz: Raffstore; Parkettböden mit Fußbodenheizung; raumhohe Verglasungen
Besonderheiten: Jede Wohnung verfügt über mindestens ein großflächiges Schiebeelement aus Lochblech für die variable Abstufung zwischen Offenheit und Privatheit und zusätzlichen Sonnenschutz. Raumhohe Verglasungen beziehen die Terrassen in die Wohnbereiche ein
Ausführung: Baumeister: Schnetzer, Bregenz; Fassade: Kutzer, Dornbirn; Fenster: Kwert, Dornbirn; Schlosser: Wohllaib, Sulzberg-Thal; Heizung, Lüftung, Sanitär: Schneider, Lauterach; Türen: Matt, Lauterach; Fliesen: Eberle & Berti, Buch; Bodenbeläge: Fend, Wolfurt
Energiekennwert 24 kWh/m² im Jahr

(Quelle: VN / Leben & Wohnen)

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