AA

Austria-Präsident Nagel gegen 16er-Liga

©VMH/Klaus Hartinger
Am Donnerstag ist "Lostag" für den österreichischen Fußball. Rückkehr zur bereits abgesegneten Zehnerliga ohne Amateurklubs oder eine Aufstockung der ADEG Erste Liga auf 16 Vereine.

VN: Anlässlich der ÖFB-Präsidiumssitzung hat sich die Bundesliga klar gegen eine 16er-Liga ausgesprochen. Jetzt soll anlässlich der außerordentlichen Jahreshauptversammlung die 16er-Liga beschlossen werden. Wie passt das zusammen?
Hubert Nagel: Aus meiner Sicht gar nicht. Als Aufsichtsratsmitglied darf ich leider nicht alles sagen, was mir auf der Zunge liegt. Nur eines: Auf das Abstimmungsverhalten, vor allem auf jenes des Liga-Präsidenten, bin ich gespannt.

VN: Verstehen Sie die Großklubs, die ihre Amateurteams „parken“ wollen?
Nagel: Nein. Erstens gibt es seit einem Jahr den Beschluss, gefasst mit dem ÖFB, für die Rückkehr zur Zehnerliga. Zudem ist vom Vorschlag von Rapid-Manager Hörtnagl und seinen Mitgliedern der Zukunftswerktstatt – in dem Zusammenhang ist Werkstatt wirklich der richtige Name – nichts geblieben. Anfangs hieß es, bei einer Aufstockung könne in Ruhe gearbeitet werden, war von einem Absteiger und von der Abschaffung der Regionalligen, die viel Geld verschlingen, die Rede. Von dem ist nichts mehr übrig. Geblieben ist allein die Zahl 16 – aber keine Begleitmaßnahmen, keine Strukturen. Einziges Lockmittel ist die Einmalzahlung durch den ÖFB – das ist wie ein Stück Käse für die Maus. Mit einer Reform und einer entsprechenden Vorbereitung hat dies nichts mehr zu tun. Ich erinnere mich daran, dass wir für die Zehnerliga drei Jahre Anlaufzeit investiert haben. Ich prophezeie den Großen schon heute: Ihre Amateurmannschaften haben nichts davon, wenn wir die Liga auf Regionalliga-Niveau senken. Da wäre mir lieber, ich schlucke die „Krot“ und lasse maximal zwei Amateurteams in der Zehnerliga zu.

VN: Anders gefragt: Verstehen Sie die Regionalliga-Klubs, die auf einen Direktaufstieg pochen?
Nagel: Die Austria ist auch nicht direkt aufgestiegen, ist sogar drei Mal gescheitert. Dennoch war ich nie dagegen. Meister zu sein ist schön, aber ein Aufstieg ist für mich nicht zwingend notwendig. Österreichs Fußballmeister ist doch auch nicht automatisch in der Champions League.

VN: Fürchten Sie denn die 16er-Liga?
Nagel: Weshalb sollte ich mich fürchten? Aber ich fürchte die Folgen für den österreichischen Fußball. Jene Klubs, die für eine Zehnerliga sind, überleben eine solche in finanzieller Hinsicht. Doch jene, die für eine 16er-Liga votieren, werden auch dort nicht überleben. Die Austria ist in einer 16er-Liga Meister geworden. Klubs mit vielen Zuschauern haben es zudem leichter, wenn dann die TV-Gelder wegfallen. Eines ist auch klar: Viele sprechen vom Halbprofitum. Aber schauen sie doch nach Dornbirn. All jene Spieler, die einen Job haben, hören auf. Und noch etwas: Die Akademie-Spieler sind nicht besser geworden, weil sie weniger, sondern weil sie intensiver trainieren wie früher.

VN: Wie schätzen Sie die Stimmungslage bei den Klubs vor der Abstimmung ein?
Nagel (schmunzelt): Gestern konnte ich wieder einen Präsidenten überzeugen. Ich hoffe, er hält sein Wort. Insgesamt glaube ich aber, dass es ziemlich offen ist.

VN: Wie könnte eine Reform für Sie ausschauen?
Nagel: Ich bin ein Verfechter einer dritten Liga – allerdings mit Begleitmaßnahmen. Akademie-Spieler sollten für zwei Jahre gratis bei Drittligaklubs spielen dürfen. So könnten sich die jungen mit älteren Spielern messen, quasi als letzter Abschnitt ihrer Ausbildung. Erst danach müsste eine Ablöse gezahlt werden. Auch in Sachen Infrastruktur wäre der Übergang damit abgefedert. Von der Landesliga in die Erste Liga ist infrastrukturell doch reiner Blödsinn. Was wir brauchen ist ein gesundes Fundament, wo die Klubs Zeit haben zu wachsen. Keine Kunstklubs, die drei Jahre leben, wenn sich grad ein Millionär findet. Für mich muss ein BL-Klub über eine gesunde Jungend­abteilung verfügen. Dann ist auch der Abstieg kein Problem. Wenn die Austria in eine dritte Liga absteigen würde, wäre das nicht das Nirvana. Ein Abstieg in eine Landesliga aber würde bedeuten, dass wir das Büro und alles andere, was aufgebaut wurde, auflösen müssten.

VN: Ein Wort zur Verlosung des Hauptsponsors. Wird es mehr einbringen als bisher?
Nagel: Davon gehe ich aus. Allerdings ist das Ganze mit viel Arbeit verbunden. Das Problem ist die Zeit, denn schon am 7. Juli ist die Verlosung.

VN: Aber neue Spieler kommen schon vorher?
Nagel: Mit den beiden LASK-Spielern Benjamin Freudenthaler und Emanuel Schreiner sind wir uns einig. Zwei Stürmer werden noch kommen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg Sport
  • Lustenau
  • Austria-Präsident Nagel gegen 16er-Liga
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen