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Aus einem besonderen Holz geschnitzt

Zahlreiche Wegkreuze – darunter auch drei in Gisingen – hat der rüstige Rentner in seiner Werkstatt aus seinem liebsten Material Holz gefertigt.
Zahlreiche Wegkreuze – darunter auch drei in Gisingen – hat der rüstige Rentner in seiner Werkstatt aus seinem liebsten Material Holz gefertigt. ©Emir T. Uysal
Johann Öttl – ein Tiroler Tausendsassa in Gisingen.
Aus dem Leben von Johann Öttl

FELDKIRCH Mit den Worten „Bei uns hat man seinerzeit …“ beginnen viele Erzählungen von Johann Öttl. Der ehemalige Tiroler Bergbauernbursche blickt auf ein sehr abenteuerliches Leben zurück, das er 2017 auch in einer Biografie niederschrieb – ein Leben, geprägt von schweren Schicksalsschlägen, gespickt mit ehrgeizigen Plänen und gefüllt mit viel Freude über die kleinen Dinge im Leben.

Der heute 87-Jährige war der Jungbauer eines Tiroler Bergbauernhofes und wurde mit 28 Jahren durch einen schweren Arbeitsunfall aus der für ihn vorprogrammierten Bahn geworfen. Mit viel Glück kam der junge Öttl wieder auf die Beine. Doch sein Lebensinhalt wurde notgedrungen in eine total andere Richtung gelenkt. „Nach der Diagnose des Arztes war es für mich nicht mehr möglich, schwere Gegenstände zu tragen“, erinnert sich Johann Öttl zurück. So versuchte er sein Glück als Feldarbeiter bei ehemaligen Gebrüder Hilti in Vorarlberg. Danach hat er eine Maurerlehre angefangen, obwohl er nichts Schweres heben oder tragen durfte. „Es war irgendwie sehr widersprüchlich“, resümiert Öttl. Er hatte Pläne, wollte hoch hinaus, doch ohne eine fundierte grundlegende Ausbildung war dies unmöglich. Nach der Lehre hat er sein Handwerk in einer höheren Schule vertieft und anschließend drei Jahre Praxis-erfahrung gesammelt, um die Prüfung zum Maurermeister abzuschließen. „In acht Jahren vom Lehrling zum Baumeister“, fasst Öttl seine berufliche Laufbahn stolz zusammen.

Prämie in Musik investiert

Dass er die Bauleitung bei der Errichtung des Landhauses übernommen hat, war wohl eines der größten Projekte. Drei Firmen waren dort für insgesamt drei Jahre Bauzeit beauftragt worden. Binnen 14 Tagen hat Öttl, wie er erzählt, einen neuen Plan für die Ablauforganisation erstellt. Seine Idee bedeutete „die Einsparung von 3,5 Millionen Schilling und einem Jahr Bauzeit“. Nach der Machbarkeitsprüfung waren die Projektverantwortlichen so dankbar, dass sie Öttl die Pendlerfahrt als Anerkennung ausbezahlt haben. Die rund 45.000 Schilling hat der leidenschaftliche Musiker in ein neues Tenorhorn investiert. „Ich komme aus einer musikalischen Familie“, merkt Öttl an. „Noch bevor ich nach Vorarlberg gekommen bin, war ich bereits sechs Jahre Kapellmeister in meiner Heimatgemeinde.“ Heute ist der Wahl-Gisinger aktives Mitglied des Musikvereins Gisingen.

Andenken für die Nachwelt

Neben der Liebe zur Musik war Johann Öttl schon als Kind ein leidenschaftlicher Bastler. So hat er immer wieder kleine Kästchen oder Werkzeuge wie Holzrechen für die Familie hergestellt. „Das Material Holz lag mir schon immer.“ Im fortgeschrittenen Alter hat er schließlich die Schnitzerei für sich entdeckt. Zwei Jahre nach einem Schnitzkurs kam im Jahr 2000 die erste Anfrage: „Ein verfallenes Alpkreuz im Stanzer Tal Tirol musste neu hergestellt werden.“ Nach dem ersten Feldkreuz folgten zwölf weitere in Koblach, Amerlügen, Mauren, Schaan, Muntlingen oder Südtirol. Auch in Gisingen befinden sich drei Wegkreuze, geschaffen aus den Händen des eifrigen Pensionisten: in der Terstgasse, am Grenzweg und im eigenen Garten in der Austraße. Als bisher größtes Projekt hat der talentierte Holzkünstler den heiligen Sebastian für die Gisinger Dorf-
kirche nachgeschnitzt. Dabei ist in 150 Stunden Arbeit eine 1,2 Meter große Figur aus Lindenholz entstanden, die nun in der Sebastiankirche besichtigt werden kann. Auch heute noch schnitzt Johann Öttl die unterschiedlichsten Figuren aus Holz. Die Leidenschaft zum Material ist also geblieben und lässt den Tausendsassa vital wirken wie eh und je.

 

Zur PersonJohann Öttl Geboren 16. März 1933 in Kapl (Tirol)
Familie seit 57 Jahren verheiratet mit Veronika, 2 Kinder, 4 Enkeltöchter
Hobbys Schnitzerei und Musik, Bergwandern
Biografie „Das Schicksal stellte die Weichen“

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