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Aus der Lochauer Geschichte: Vor 120 Jahren wurde die „Alte Schule“ eingeweiht

Um 1900 wurde die „Alte Schule“ mit einem großen Fest feierlich eröffnet. Für die damalige Zeit war das neue Schulhaus mit Gemeindekanzlei ein prachtvolles Bauwerk.
Um 1900 wurde die „Alte Schule“ mit einem großen Fest feierlich eröffnet. Für die damalige Zeit war das neue Schulhaus mit Gemeindekanzlei ein prachtvolles Bauwerk. ©Ortsgeschichtliche Sammlung Lochau/BMS
Lochau. Die „Alte Schule“ im Lochauer Ortszentrum feierte ihren 120. Geburtstag. Die Einweihung der neuen Volksschule am 6. November 1900 war für die ganze Bevölkerung ein großes Fest sowie ein prägendes Ereignis in der Ortsgeschichte.
Aus der Lochauer Geschichte: Vereinshaus „Alte Schule“ - 120 Jahre alt

Handschriftliche Aufzeichnungen in der vom jungen Oberlehrer Josef Faißt, Schulleiter in Lochau und Hauptbetreiber für diesen Schulhausneubau, sehr gut geführten Schulchronik geben heute umfassende Auskunft über die damaligen Ereignisse.

Rohbau im Jahre 1899

So schreibt er unter anderem: „Noch anfangs des Jahres 1899, also im Winter, wurde mit dem Bau des neuen Schulhauses begonnen, im Sommer wurde der Rohbau erstellt und unter das Dach gebracht und im folgenden Winter 1899/1900 zur Austrocknung so belassen. Im Frühjahr und im Sommer 1900 wurden die Arbeiten bei dem im Winter brach liegenden Schulhausneubau wieder aufgenommen. Alle möglichen Werkleute von hier waren vollauf damit beschäftigt an dem Eingeweide zu arbeiten, um mit Beginn des Schuljahres 1900/01 fertig zu werden und den festgesetzten Termin nicht zu überschreiten. Denn bis anfangs November 1900 musste derselbe bezogen werden.“

Durch die Systemisierung der Schule Lochau von einer zweiklassigen zu einer dreiklassigen Volksschule im Jahre 1899 kamen auch zwei Lehrerstelle zur Neubesetzung. Nicht weniger als elf Lehrer und Lehrerinnen bewarben sich:

„Ist Lochau doch einer der schönsten Posten im ganzen Land in jeglicher Beziehung. Das herrliche, neue Schulhaus, die II. Gehaltsklasse, die herrliche Lage am Bodensee zwischen zwei nahe gelegenen Städten zog die Lehrerschaft mächtig an.“

Großes Einweihungsfest

Die Einweihung am 6. November 1900 wurde als Jahrhundertereignis natürlich entsprechend gefeiert. Ein ausgefeiltes Festprogramm – beginnend mit einer Prozession von der Kirche zum Schulhaus, dann die Einweihung mit Musikstücken des Musikvereines und des Kirchenchores, lange Gedichte, das gemeinsame Absingen eines eigenen vierstrophigen Schulhaus-Weiheliedes samt Böllerknall sowie Ansprachen der Behördenvertreter und der Dorfprominenz – endete mit der Besichtigung der prächtigen Schulräumlichkeiten, also einem „Tag der offenen Tür“, wie man heute zu sagen pflegt.

Die Schulchronik berichtet außerdem, dass es auch für die Lehrerschaft ein ganz besonderer Freudentag war:

„Dieser Freudentag für die ganze Gemeinde war auch ein Freudentag für die Lehrerschaft. Die Stunde der Befreiung aus unserem verpesteten Winkel im alten Schulhaus – gemeint ist hier das alte Schulhüsle – hatte für uns Lehrer geschlagen. Jetzt konnten wir die herrlichen, lichten und geräumigen Lehrsäle beziehen, hatten dazu noch eine Lehrkraft mehr und infolgedessen auch weniger Kinder in einer Klasse“.

Die I. Klasse hatte 48 Kindern, die II. Klasse 44 Kindern und in den getrennten III. Klassen saßen 47 Mädchen und 29 Knaben, insgesamt hatte Lochau im Jahre 1900 also zusammen 168 Schulkinder, 74 Knaben und 94 Mädchen.

Kostenrahmen

Das Schulhaus wurde nach den gesetzlichen, wohl geprüften Plänen von Maurermeister Melchior Deuring und Zimmermeister Gebhard Schedler um den mit der Gemeinde vereinbarten Preis von 25.000 Gulden oder 50.000 Kronen erstellt. Beide aber äußerten später des Öfteren, dass sie „am Schulhaus nichts verdient hätten“. Wenn man da an die heutigen meist üblichen Kostenüberschreitungen sowie die obligatorischen Terminüberschreitungen gerade bei öffentlichen Bauten denkt, muss man dies doppelt schätzen.

Über 60 Jahre, von 1900 bis 1966, lernten dann die Lochauer im heutigen Vereinshaus „Alte Schule“ das Lesen, Schreiben und Rechnen. Viele Klassenbilder dokumentieren die Schulgeschichte samt der Entwicklung unserer Gesellschaft und wecken Erinnerungen. Der „Ortsgeschichtliche Verein“ sammelt und verwahrt dies alles im alten Schulhüsle und hält die „Zeugen der Vergangenheit“ auch für interessierte Besucher präsent.

 

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