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Aus der Lochauer Geschichte: Schulbeginn an der VS Lochau vor 75 Jahren

Die 2. Klasse der Volksschule Lochau mit Klassenlehrerin Gabriele Ivancich im Schuljahr 1948/49, die damals aus Platzmangel als „kleine Klasse“ in der ehemaligen Gemeindekanzlei („Notklasse“) untergebracht wurde.
Die 2. Klasse der Volksschule Lochau mit Klassenlehrerin Gabriele Ivancich im Schuljahr 1948/49, die damals aus Platzmangel als „kleine Klasse“ in der ehemaligen Gemeindekanzlei („Notklasse“) untergebracht wurde. ©Repro Heidrun Mohr
Lochau. Man schreibt das Jahr 1947. Lochau war mit 1. Jänner 1947 nach einer Volksabstimmung wieder selbständige Gemeinde geworden.
Ortsgeschichtliche Sammlung Lochau: Klassenbilder dokumentieren heute die Schulgeschichte und wecken Erinnerungen.

Die Bevölkerung lebte auch zwei Jahre nach Beendigung des 2. Weltkrieges in Armut und Bescheidenheit.

Handschriftliche Aufzeichnungen in der Schulchronik über das Schuljahr 1947/48, niedergeschrieben vom Schuldirektor Bruno Knünz im Jahre 1954, geben heute nach runden 75 Jahren doch interessante historische Auskünfte über die damaligen Ereignisse in Politik, Schule, Wirtschaft und Gesellschaft.

Aus dem Schuljahr 1947/48

Das Schuljahr 1947/48 dauerte vom 29. September 1947 bis zum 17. Juli 1948. Insgesamt besuchten in diesem Schuljahr 278 Schüler in sieben Klassen die Volksschule Lochau, die damals noch im heutigen Vereinshaus „Alte Schule“ – eingeweiht am 6. November 1900 – untergebracht war. Aufgrund des Platzmangels musste die 1.a Klasse mit Klassenlehrerin Anna Sinz in den Kindergarten Dorf ausgelagert werden, dies bis zur Fertigstellung von zwei neuen Klassenräumen im Parterre des ehemaligen Armenhauses auf der gegenüberliegenden Seite der Landstraße. Auch das frühere Lehrmittelzimmer und die ehemalige Gemeindekanzlei im Schulhaus wurden als „Klassenräume“ genutzt.

Die 1.b Klasse mit 20 Schülern führte Hilde Hackspiel, die 2. Klasse mit 52 Schülern Gabriele Ivancich, die 3. Klasse mit 47 Schülern Schulleiter Daniel Heim, die 4. Klasse mit 38 Schülern Elsa Vallaster, die 5. Klasse mit 40 Schülern Theo Isbert und die 6. bis 8. Klasse mit ebenfalls 40 Schülern Anton Michler. Diese Oberstufenklasse wurde mit Beginn des Schuljahres 1948/49 in eine Knaben- bzw. Mädchenklasse geteilt. Der Schulbesuch war im Vergleich zu früheren Jahren gut.

Die Kinder der Pfänderregion hatten ihre eigene Schule am Buchenberg. Und auch die Kinder von Lochau/Tannenbach besuchten wie in der Zeit vor 1938 die Volksschulen in Bregenz. Hiefür wurden von der Gemeinde Lochau die fälligen Gastschulbeiträge an die Stadt Bregenz bezahlt.

Suppenküche und Bezugsscheine

Dank der Bemühungen des Schulleiters Daniel Heim und Bgm. Michael Mangold wurde am 24. Jänner 1947 eine Suppenküche – betreut von den Frauen des „Ortshilfswerks“ – ins Leben gerufen und im Keller eingerichtet. An jedem Schultag wurden anfangs durchschnittlich 130 Liter Erbsensuppen ausgegeben, was für die Eltern der meisten Schüler – Einheimische und Südtiroler – eine große Erleichterung bedeutete und freudig begrüßt wurde. Der Beitrag pro Schüler und Essen betrug 20 Groschen, für bedürftige Kinder zehn Groschen.

Bis zu ihrer Schließung am 9. Juli 1949 wurde diese Suppenküche täglich von rund 200 Schülern benützt und von den Frauen vorbildlich betreut. Sie waren täglich pünktlich zur Stelle und kochten wirklich sehr schmackhaft und reichlich. So äußerte sich anlässlich einer Kontrolle ein Vertreter der UNICEF dahingehend, dass die Lochauer Suppenküche die bestgeführte im Land sei.

Ausflug nach Goldach (CH)

Am 20. April 1947 machten 207 Schüler aus der 2. bis 6. Klasse einen zweitägigen Ausflug nach Goldach in der benachbarten Schweiz. Reichlich beschenkt kehrten sie zurück, mit 74 Paar Schuhen, 38 Kleidchen, 27 Schürzen, 68 Stück Unterwäsche, 112 Paar Strümpfe, 9 Blusen, 30 Hosen, 9 Mäntel, 22 Meter Stoff, 21 Janker, 41 Stück Seife, 76 Schachteln Sacharin, 28 Packerl Kaffee, 27 Tafeln Fett und 266 Tafeln Schokolade. Außerdem Obst, frisch und gedörrt, Zucker, Honig und Eier.

Weiters wurden von der Gemeinde in diesem Schuljahr 15 Bezugsscheine an Hosen für die Erstkommunikanten, weitere zehn Hosen und acht Knabenanzüge für andere Schüler ausgegeben.

Kohleknappheit im Winter 1947/48

Vom 1. Dezember bis 28. Jänner musste der Unterricht wegen der Kohlenknappheit auf den Vormittag von 8 bis 12 Uhr beschränkt werden. Der Turnunterricht entfiel.

Ortsgeschichtliche Sammlung Lochau

Viele Klassenbilder dokumentieren heute die Schulgeschichte samt der Entwicklung unserer Gesellschaft und wecken Erinnerungen. Der „Ortsgeschichtliche Verein“ sammelt und verwahrt dies alles im alten Schulhüsle und hält die „Zeugen der Vergangenheit“ auch für interessierte Besucher präsent. 

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